0:2 – In Leverkusen wächst der Unmut der Fans

Leverkusen – Die erbosten Bayer-Fans warteten nicht bis zum bitteren Ende. Schon lange vor den sich quälend hinziehenden 90 Minuten beim 0:2 (0:2) der Leverkusener Fußballprofis gegen Mainz 05 machten sie ihrem Unmut Luft.

Die «Schade raus»-Rufe galten Geschäftsführer Michael Schade. Die Pfiffe gegen ihre einstigen Lieblinge waren unüberhörbar, der Protest gegen eine unerklärlich uninspirierte Leistung der Elf von Trainer Roger Schmidt wurde durch eine Art Massenflucht eines Großteils der 27 086 Besucher sichtbar.

Bayer-Sportdirektor Rudi Völler musste an sich halten, um vor Enttäuschung nicht auszuflippen. «Einige müssen die Tage mal in den Spiegel schauen», ließ er mit unverhohlener Kritik wissen. Völler: «Heute war das sehr dünn. Ich bin auf jeden Fall geknickt.» Und mit der Formulierung, die Werkself-Kicker seien im Moment «ein bisschen eine Wundertüte», machte er das Dilemma auch verbal offenbar.

Die fünfte Heimniederlage – die zehnte insgesamt in der Spielzeit 2016/17 – war ein heftiger Rückschlag nach den Bundesligaerfolgen gegen Frankfurt und in Augsburg. «Wir haben Hochs und Tiefs – das ist nicht zu glauben», kommentierte Völler die Inkonstanz. Kapitän Lars Bender musste beipflichten: «Wir haben eine schwierige Saison. Wir haben Aufs und Abs – das ist eine Vorstellung, die man so nicht abliefern kann.»

Es passte ins Bild, dass sich Roger Schmidt und Co. von den eigenen Fans verhöhnen lassen mussten. Als die Mainzer Anhänger in bester Fassenachtslaune das «Oh wie ist das schön» anstimmten, fielen die Bayer-Unterstützer lauthals ein. Es wunderte keinen, stand es durch die Treffer von Stefan Bell (3.) und des ehemaligen Leverkuseners Levin Öztunali (11.) doch schon nach elf Minuten 0:2.

«Das darf nicht passieren. Leider ist es passiert. Geistig waren wir nicht auf der Höhe» – so erklärte Bayer-Keeper Bernd Leno die psychische Abstinenz seiner Vorderleute, die beim Freistoß von Uwe-Seeler-Enkel Öztunali auch ihn erwischte: Leno antizipierte den Schuss viel zu spät und musste anschließend kleinlaut zugeben: «Der war gut getreten, dann geht er durch alle durch und rein.»

Konstanz ist in dieser Saison bei Bayer nicht vorhanden. Und damit wird das Ziel der erneuten Königsklassen-Teilnahme immer unwahrscheinlicher. Nur 30 Punkte stehen zu Buche – viel zu wenig bei den hohen Ansprüchen. Schmidt trug mit seiner Körpersprache dazu bei, dass es kein Aufbegehren gegen die Pleite gab: Fast ständig stand der 49-Jährige mit den Händen in den Hosentaschen an der Seitenlinie – ratlos?

Die Antworten lieferte er selbst: «Man muss es einfach akzeptieren, dass man schlecht Fußball gespielt hat.» Und auch die Schmidtsche Flucht in Allgemeinplätze drückte aus, dass es im Moment nichts ist mit dem einst so toll zelebrierten Powerpressing: «Wir waren von der ersten Sekunde an nicht bereit. Die Mannschaft wollte das Spiel unbedingt drehen» – aber sie konnte nicht, wenngleich Schmidt eines noch immer glaubt: «Dass wir hervorragend Fußball spielen können.»

Sein Mainzer Kollege Martin Schmidt war nach dem Ende der Negativserie von sechs verlorenen Auswärtsbegegnungen obenauf. Gnadenlos effektiv, clever, immer gefährlich: So geht es. Martin Schmidt: «Wir haben von der ersten Sekunde an gezeigt, wo wir hinwollten.» Und jetzt dürfen seine Profis am Rosenmontag auf einem Zug-Wagen mitfahren und sich feiern lassen.

Fotocredits: Marius Becker
(dpa)

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