Auch ohne NHL-Profis: Eishockey-Team will «Großes erreichen»

Kloten – Forsche Töne beim Abflug nach Pyeongchang: Deutschlands Eishockey-Cracks fühlen sich bei der Rückkehr auf die Olympia-Bühne bereit für eine Überraschung.

Auch wenn zum ersten Mal unter Bundestrainer Marco Sturm die NHL-Verstärkung in einem großen Turnier fehlt, soll die positive Entwicklung seit 2015 fortgeführt werden. «Es kribbelt gewaltig. Es ist ja ein echtes Comeback für uns. Wir haben Jahre darauf hingearbeitet», sagte DEB-Präsident Franz Reindl der Deutschen Presse-Agentur vor dem Abflug aus München.

Beim 2:1 (0:0, 1:0, 0:1) nach Verlängerung am Dienstagabend im einzigen Olympia-Test in Kloten beim Erzrivalen Schweiz hatte sich die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) noch einmal Selbstvertrauen geholt. «Generalprobe bestanden. Wir können jetzt den Schwung mitnehmen ins Turnier», sagte Kapitän Marcel Goc.

«Wir wollen was Großes erreichen», betonte der Siegtorschütze Dominik Kahun: «Wir wollen die Großen ärgern.» Und Münchens Torhüter Danny aus den Birken fügte hinzu: «Ich glaube, dass wir mehr erreichen können, als die Leute vielleicht denken.»

In der Vorrunde trifft das DEB-Team vom 15. Februar an auf den Bronze-Gewinner von 2014, Finnland, auf Weltmeister Schweden und auf Norwegen. «Das ist die schwerste Gruppe im Turnier», befand nicht nur Fahnenträger-Kandidat Christian Ehrhoff. Hinzu kommt: Skandinavisches Eishockey liegt Deutschland traditionell nicht. Der letzte Sieg in einem olympischen Duell mit Finnland liegt 34 Jahre zurück, einen Sieg bei Olympia gegen Schweden gab es noch nie.

«Fakt ist, dass Nationen wie Finnland und Schweden einfach besser sind als wir. Aber Fakt ist auch, dass wir jeden Gegner schlagen können», sagte Bundestrainer Sturm, der Deutschland seit seiner überraschenden Amtsübernahme 2015 wieder Hoffnung für die Zukunft gegeben hat. Für zusätzliche Motivation hatte er erst am Montag mit seiner Vertragsverlängerung bis 2022 gesorgt.

Wie wohl sich auch in den Vereinen zuletzt enttäuschende Profis beim deutschen NHL-Rekordspieler fühlen, zeigte sich auch in der Schweiz, bei einem eigentlich stärker eingeschätzten Gegner. Doch Olympia wird für Sturm zur Bewährungsprobe. Erstmals in seiner Amtszeit musste der 39-Jährige sein Team für ein großes Turnier notgedrungen nur aus Spielern der international bestenfalls zweitklassigen Deutschen Eishockey Liga rekrutieren. Die weltweit beste Liga NHL hatte erstmals seit 1994 eine Saisonunterbrechung für Olympia verweigert.

«Das kann Fluch und Segen zugleich sein. In der Breite sind die anderen Nationen natürlich besser aufgestellt. Unser Vorteil könnte sein, dass wir eingespielt sind», sagte Torjäger Patrick Reimer. Auch aus den Birken sieht im Fehlen der NHL-Stars einen Vorteil für Deutschland: «Wir haben doch schon einen gewissen Kern, der sich untereinander kennt. Die anderen Teams gehen immer mit NHL-Spielern zu den großen Turnieren und müssen sich erstmal kennenlernen, und die Chemie muss auch stimmen.»

Hinzu kommt das ungewohnte Format. «Der Modus erlaubt es, dass alles möglich ist», sagte Co-Kapitän Ehrhoff. Selbst wenn Deutschland alle Vorrundenspiele verliert, böte sich in einem Alles-oder-Nichts-Spiel gegen ein anderes Team noch die Chance aufs Viertelfinale. «Das sollte unser Ziel sein», sagte Allrounder Yannic Seidenberg.

Fotocredits: Karl-Josef Hildenbrand
(dpa)

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