Bundesliga-Trainer von Regeländerungen wenig begeistert

Zürich – Abschaffung der Abseitsregel, Zeitstrafen oder ein Shoot-out – die teils revolutionären Vorschläge von FIFA-Direktor Marco van Basten sind bei den Fußball-Verantwortlichen nicht unbedingt auf Gegenliebe gestoßen.

«Die FIFA hat viele schlaue Ideen. Ich kann mir Fußball ohne Abseits zum Beispiel nicht vorstellen», sagte Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl und fügte hinzu: «Ich halte gravierende Regeländerungen für fragwürdig.»

Ähnlich sieht es Bayern-Coach Carlo Ancelotti, der bei einer derartigen Maßnahme «einen anderen Sport» befürchtet. Dem pflichtete Trainer-Kollege Ralph Hasenhüttl bei. «Ich halte es für einen Fehler, Abseits abzuschaffen, weil fast alles oder sehr viel an Taktik an der Abseitsfalle hängt. Das würde schon gravierende Veränderungen mit sich bringen», sagte der Trainer der Überraschungsmannschaft RB Leipzig. Auch Arsène Wenger, der langjährige Coach des englischen Premier-League-Spitzenclubs FC Arsenal hat an solchen Vorschlägen «kein großes Interesse». Nicht Veränderung, sondern Verbesserung sei das wirkliche Ziel, betonte der Elsässer.

Der einstige Weltklassestürmer van Basten hat da eine andere Meinung. «Wenn man ohne Abseits spielt, gibt es mehr Möglichkeiten, ein Tor zu schießen», sagte er der «Sport-Bild». Infantino hatte den Europameister von 1988 zum Technischen Direktor beim Weltverband gemacht, der sich gezielt mit der Innovation des Fußballs beschäftigen soll.

Dabei bracht der Niederländer auch ein Shoot-out ins Gespräch, um nach jedem Gruppenspiel auch bei Gleichstand nach 90 Minuten einen Sieger zu ermitteln. Das könne wie folgt ablaufen: Jede Mannschaft habe fünf Versuche. Nach dem Pfiff des Schiedsrichter laufe der Spieler aus 25 Metern auf den Torwart zu. Innerhalb von acht Sekunden müsse die Aktion ähnlich wie im Hockey abgeschlossen sein.

Die Diskussion war nach der Entscheidung für die Fußball-WM mit 48 Teams aufgekommen. Die Problematik für den Weltverband resultiert aus dem von ihm beschlossenen Format mit 16 Dreiergruppen, bei dem es leichter zu einem Gleichstand von zwei oder gar aller Teams kommen kann und auch Absprachen zwischen den Mannschaften eher zu befürchten sind.

Hasenhüttl kann mit Unentschieden indes gut leben. «Wenn man nur nach Sieg und Niederlage geht, wird mit zu sehr schwarz-weiß gemalt. Das möchte ich eigentlich nicht», sagte der Österreicher und betonte: «Unentschieden ist für mich immer ein Teilerfolg, der für eine Mannschaft auch enorm wichtig ist.» Wolfsburgs Coach Valérien Ismaël hält ein Shoot-out indes für eine «charmante Idee». Und auch Hoffenheims Jung-Trainer Julian Nagelsmann steht dem offen gegenüber: «Das ist ganz interessant und sicher eine Alternative zum Elfmeter.» Ohnehin schade frischer Wind nicht, meinte der 29-Jährige zu den van-Basten-Vorschlägen.

Vor allem eine Einführung der Zeitstrafe würde Nagelsmann gefallen. Da sei es «auf lange Sicht zwingend notwendig, dass man sich über die Thematik Gedanken macht», sagte der Coach und erhält von Hasenhüttl Zuspruch: «Wenn ein Konter durch ein taktisches Foul gestört wird, dann würde eine Fünf-Minuten-Zeitstrafe wesentlich mehr helfen als eine Gelbe Karte, die dann zwei oder drei Spieltage später erst dem Gegner schadet.» Bremens Trainer Alexander Nouri findet dagegen die Idee einer Nettospielzeit für die letzten Minuten «sehr interessant».

Neu-Trainer Torsten Frings von Darmstadt 98 glaubt indes nicht, dass es grundsätzliche Änderungen geben wird. «Ich finde den Fußball so gut, wie er ist», sagte der langjährige Nationalspieler. Eine Neuerung würde Frings aber doch begrüßen: «Ich bin aber absolut dafür, dass es einen Videobeweis gibt, weil es mittlerweile um so viel Geld geht.»

Auch Werder Bremens Trainer Alexander Nouri hat sich offen für Regeländerungen gezeigt. «Viele Dinge, die jetzt im Umlauf sind, klingen auf den ersten Blick ganz interessant und sollten daher auf den Prüfstand gestellt werden», sagte der Coach des Bundesligisten zu den Vorschlägen. Positiv wäre für Nouri eine Nettospielzeit. Van Bastens Idee, aus den letzten zehn Spielminuten eine effektive Spielzeit zu machen, findet der Werder-Trainer «sehr interessant».

Auch Sportchef Frank Baumann findet den Vorschlag «beim ersten Nachdenken gar nicht so verkehrt. Wir sollten offen für Veränderungen bleiben.» Bei einer möglichen Abschaffung des Abseits zeigte sich Baumann allerdings ablehnend. Offensivspieler Fin Bartels hält generell wenig von Veränderungen im Fußball. «Ich bin da vielleicht ein wenig altmodisch», erklärte der Bremer Profi.

Fotocredits: Guido Kirchner
(dpa)

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