BVB kassiert ersten schweren Rückschlag

Berlin – Die Union-Fans verhöhnten die Dortmunder Fußballprofis mit «Auf Wiedersehen»-Rufen, BVB-Trainer Lucien Favre blieb mit den Händen in den Seiten konsterniert an der Linie stehen. Sein Berliner Kollege Urs Fischer herzte dagegen jeden seiner erschöpften Spieler.

Borussia Dortmund hat den ersten schweren Rückschlag im Kampf um die deutsche Meisterschaft hinnehmen müssen und eine Niederlage gegen den bis dahin sieglosen Neuling 1. FC Union Berlin kassiert. Der hochkarätig besetzte Titelanwärter verlor mit 1:3 (1:1) bei den Eisernen, die sich ihren ersten Erfolg in der Fußball-Bundesliga durch Einsatz und Leidenschaft verdient hatten.

Vor 20.012 Zuschauer im ausverkauften Stadion an der Alten Försterei sorgte Marius Bülter mit einem Doppelpack in der 22. und 50. Minute für die Vorentscheidung. «Das war mein größtes Spiel», sagte er beim TV-Sender Sky. Die Dortmunder hatten zwischenzeitig durch Torjäger Paco Alcacer (25.) ausgeglichen. Tor Nummer drei der Berliner erzielte Sebastian Andersson (75.). Auch in sieben Minuten Nachspielzeit gelang dem BVB nicht mehr viel.

«Wir haben nicht unser bestes Spiel gemacht», sagte Dortmunds Nationalspieler Julian Brandt, der erstmals seit seinem Wechsel aus Leverkusen in der Startformation gestanden hatte. «Du hast gemerkt, dass die Berliner heute einen größeren Willen hatten.» Kapitän Marco Reus sagte: «Wir glauben manchmal, dass wir mit der Qualität einfach unsere Spiele gewinnen. Wir haben uns heute extrem dumm angestellt.» Der lange beim BVB beschäftigte Union-Verteidiger Neven Subotic meinte: «Das war ein Schlüsselspiel, um den Fans und der Stadt zu zeigen, dass wir in der Bundesliga angekommen sind.»

Statt die Tabellenführung vom neuen Primus RB Leipzig, der Union zum Ligastart 4:0 in Berlin bezwungen hatte, zurückzuerobern, müssen die Dortmunder die Länderspielpause zur Analyse nutzen. Das war zu wenig. Trotz klarer Ballbesitzüberlegenheit und auch guten Chancen hatten sie die Berliner nicht im Griff. Favre hatte nicht ohne Grund vor den Eisernen gewarnt. Allein mit dem Fehlen der verletzten Axel Witsel und Thorgan Hazard dürfte diese Niederlage jedenfalls nicht zu erklären sein.

Dortmund diktierte zunächst das Spiel, konnte sich phasenweise die Bälle auch nach Belieben zuspielen. Doch just in einer dieser Dortmunder Ballbesitz-Perioden schlugen die Berliner von Trainer Urs Fischer zu. Wie aus dem Nichts per Konter über Anthony Ujah, dessen Torschuss noch zur Ecke geklärt wurde. Die kam flach in den Strafraum des BVB, wo Bülter ebenfalls flach zur Führung der Gastgeber traf. Die Alte Försterei – zu 80 Prozent in Rot – bebte. Der gelbe Dortmunder Fanblock hatte Pause. Zum dritten Mal im dritten Spiel in dieser Saison war der BVB in Rückstand geraten.

Dabei hatten die BVB-Profis ihre Anhänger zuvor mit einer Reihe von Topchancen bei Toplaune gehalten. Immer wieder angetrieben von Brandt: In der fünften Minute legte Brandt auf Alcacer, der Spanier verpasste aber die Hereingabe. Nach einem Foul am 23 Jahre alten Brandt traf Reus per Freistoß nur das Außennetz (14.).

Danach legte Reus auf Sancho auf – vorbei (18.). Reus eigener Versuch wenig später (20.) ging deutlich drüber. Stattdessen bejubelte Union sein erstes Bundesliga-Tor vor heimischer Kulisse, nachdem Bülter in der sechsten Minute und Subotic in der zehnten mit ihren Kopfballversuchen keinen Erfolg gehabt hatten.

Eines wurde deutlich: Nach der Klatsche gegen Leipzig ließen sich die Berliner von den nicht minder schnellen Dortmundern nicht überrumpeln, selbst wenn die Gäste nur drei Minuten nach dem Rückstand ausglichen. Über Reus und Sancho landete der Ball bei Goalgetter Alcacer.

Auch danach lief der Ball oft und auch lang durch die Dortmunder Reihen, sie vergaben auch noch weitere Chancen. Berlin blieb aber stets gefährlich. Die Frage war, wie lange würden die Hausherren mit soviel Aufwand dagegenhalten können. Die Antwort gab Union fünf Minuten nach dem Seitenwechsel. Einen Schuss von Andersson ließ Roman Bürki im Dortmunder Tor nach vorn abprallen, und wieder war Bülter zur Stelle. Und nun? Der BVB spielte weiter wie zuvor. Die Durchschlagskraft fehlte, der ultimative Wille scheinbar auch. Anders bei den Eisernen, die mit nun vier Punkten aus den ersten drei Partien und in dieser Verfassung auch anderen Favoriten noch einen unangenehmen Fußballtag bereiten dürften.

Fotocredits: Andreas Gora
(dpa)

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