Debütantenball in Pyeongchang: Unerfahrenes deutsches Team

Pyeongchang – Sie sind Weltmeister und Weltcup-Sieger, aber in Sachen Olympia noch unerfahren. Und trotzdem nicht chancenlos.

80 der 153 nominierten deutschen Sportlerinnen und Sportler gehen bei den Winterspielen in Pyeongchang erstmals unter den fünf Ringen an den Start – ein Drittel davon mit berechtigten Hoffnungen, in gut zwei Wochen medaillendekoriert wieder nach Hause zu kommen.

Das trifft besonders auf die Athleten zu, die den olympischen Eiskanal befahren. Alle sechs Skeletonis sind neu bei Olympia, Jacqueline Lölling und Axel Jungk gehören zu den Goldkandidaten. Kaum anders ist es bei den Bob-Männern. Nico Walther und ein Teil seiner Crew sowie Vierer-Weltmeister Johannes Lochner, in dessen Schlitten drei Olympia-Neulinge sitzen, sind in den Rennen um Edelmetall zu beachten.

Auch im alpinen Team und bei den Snowboardern ist der Kampf um Podestplätze ein klares Ziel. Kitzbühel-Abfahrtssieger Thomas Dreßen beispielsweise gehört nach den Worten von Alpin-Direktor Wolfgang Maier zu den Kandidaten, da die langgezogenen Kurven seine Spezialität seien: «Die fährt er von seinem Naturell her genial. Da ist er bei den richtig Großen dabei.» Und auch Andreas Sander traut Herren-Coach Mathias Berthold einiges zu. «Wenn er es runterbringt, dann scheppert’s.»

Von den vier erstmals bei Olympia startenden Snowboard-Damen will Ramona Hofmeister weit vorn ankommen. Immerhin stand sie bei fünf der neun Weltcups auf dem Podest. «Das ist ein Wahnsinnsgefühl. Jetzt bin ich wirklich bereit für die Olympischen Spiele», sagte sie begeistert.

Eine besondere Begründung für seinen olympischen Ehrgeiz fand Eiskunstläufer Paul Fentz. «Ich habe mir gesagt, ich möchte zu den zwei Prozent der Weltbevölkerung gehören, die bei Olympia dabei sind», erklärte der Berliner Bundeswehrsoldat, nachdem er das einzige Herren-Ticket in der Tasche hatte. Außer Paarlauf-Gold-Anwärterin Aljona Savchenko hat im achtköpfigen Eiskunstlauf-Aufgebot niemand Olympia-Erfahrung.

In Joel und Roxanne Dufter ist auch ein Geschwisterpaar erstmals im Eisschnelllaufen dabei. «Es ist so genial, dass wir es beide geschafft haben. Wir motivieren uns gegenseitig. Joel hat einen Tag vor mir die Norm geschafft – da musste ich ja nachziehen», sagte Roxanne Dufter.

Die Skispringer würden gern ihr Mannschafts-Gold von Sotschi wiederholen, doch außer Andreas Wellinger sind alle anderen neu bei Winterspielen. «Das Potenzial haben wir, das haben wir schon öfter bewiesen. Wenn wir uns nicht stressen, klappt das auch ganz gut», sagte Markus Eisenbichler überzeugt und selbstbewusst.

Auch die sieben Langläufer, die ihr Olympia-Debüt geben, wollen nicht nur Touristen sein. «Ich will alles in mich einsaugen und daraus Leistung ziehen. Im Team sind wir nicht chancenlos», sagte Katharina Hennig.

Den Großteil der Debütanten stellt das Eishockey-Team. 22 der 25 Cracks waren noch nie dabei. Logisch, denn vor vier Jahren hatte das DEB-Team den Sprung nach Sotschi verpasst. Zwar sind Medaillenträume illusorisch, aber Eisbären-Stürmer Marcel Noebels spricht vielen aus dem Herzen, wenn er sagt: «Damit geht ein riesiger Traum für mich in Erfüllung.»

Fotocredits: Felipe Dana
(dpa)

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