Deutschland zweitbeste Schießnation in Rio

Rio de Janeiro – Die Pleite von London war für die deutschen Schützen für Rio gewinnbringend. Der Deutsche Schützen-Bund (DSB) hatte danach praktisch alles auf dem Kopf gestellt.

«Wir haben hart gearbeitet in den vier Jahren und unsere Lehren aus dem Abschneiden in London gezogen. Wir haben ein sauberes Leistungssportkonzept aufgesetzt, haben selbst finanzielle Ressourcen hineingesteckt, auch wenn wir weitere Förderungen erhalten haben, was wichtig war», sagte DSB-Bundesgeschäftsführer Jörg Brokamp.

Besonders happy ist der Funktionär über die Medaille im Bogenschießen. «Wir haben keine 70-Meter-Halle für die Bogenschützen. Gelinde gesagt: ein unbefriedigender Zustand. Aber wir haben schon Signale vom Bundesinnenministerium für den Standort in Kienbaum», betonte er.

Auch im erfolgreichen Gewehrbereich will er mit Blick auf Tokio 2020 weiter investieren: «Dazu gehört ein Bundesleistungszentrum in Wiesbaden als Kern unserer Stützpunkte. 2018 soll es fertig sein. Wir schaffen es nur wissenschaftlich, mit Know-how und System, weil die anderen Nationen mit Geld, Zeit und Menschen wie in China viel breiter aufgestellt sind.»

Mit den drei Goldmedaillen im Gepäck geht Brokamp auch in die Verhandlungen mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und dem Bundesinnenministerium (BMI). Allerdings ist da derzeit eine Warteschleife. «Wir sind auch bei der Neustrukturierung immer noch an einem Punkt, wo überhaupt noch nicht klar ist, wie es in den nächsten Jahren weitergehen wird. Im Grunde genommen müssen wir da den Herbst abwarten, wie sich alles darstellen wird», sagte der für Schießen zuständige DOSB-Koordinator Thomas Abel. Erst im Oktober gehen die Konzepte in den Sportauschuss des Bundestages. «Danach werden sich die Puzzlestücke zusammensetzen», meinte Abel.

Er bescheinigte dem Verband aber ein gutes Rio-Zeugnis: «Der DSB hat den Weg konsequent weiterverfolgt und wurde hier in Rio belohnt dafür. Obwohl man immer sagen muss: Zwischen dem Erfolg und einer Medaille ist gerade beim Schießen ein schmaler Grad.»

Obwohl Schießen – auch dank neuem Finalmodus in allen Disziplinen – zu bester TV-Zeit in Deutschland Topeinschaltquoten hatte, sind die Mitgliederzuwächse rückgängig. «Daher werden die Talente bei uns gehegt und gepflegt, dass uns da keiner auf der Strecke verloren geht», betonte Sportdirektor Heiner Gabelmann.

Fotocredits: Jens Büttner
(dpa)

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