Die Süße des RB-Siegs – «Lieber Champions als Europa League»

Leipzig – Sogar für einen nun offen bekennenden Champions-League-Anwärter und möglichen Vizemeister kann ein Sieg gegen den abgeschlagenen Liga-Letzten befreiend wirken. Minutenlang ließen sich die Spieler von Aufsteiger RB Leipzig von ihren Anhängern in der Red Bull Arena feiern.

Und Trainer Ralph Hasenhüttl freute sich über den besonders süßen Erfolg nach einer Durststrecke. «Es gibt keine besseren Argumente als Siege», betonte er. Abgehakt ist die Mini-Krise mit nur einem Punkt aus drei Partien, dafür festigten die Leipziger mit ihrem 4:0 (1:0) gegen Darmstadt 98 wieder Platz zwei in der Fußball-Bundesliga. Vorbei ist die Zurückhaltung. «Im Prinzip gehe ich schon mal davon aus, dass wir nicht mehr schlechter werden als Vierter», sagte RB-Sportdirektor Ralf Rangnick.

Er ergänzte zwar noch: «Oder Fünfter.» Es sei noch möglich, dass die Leipziger (52) ihren Zwölf-Punkte-Vorsprung auf Hertha BSC (40) in den noch ausstehenden acht Spielen verzocken. Aber: «Klar wollen wir jetzt am Ende Champions League spielen. Die Chance ist da.» Auf den neuen Tabellendritten 1899 Hoffenheim haben die Leipziger vier Punkte Vorsprung, auf die um einen Rang abgerutschte Dortmunder Borussia fünf Punkte. In Mainz am Mittwoch und am Samstag gegen Leverkusen wollen die Leipziger die Englische Woche mit neun Punkten krönen.

Darmstadt kam da genau zur rechneten Zeit. Es war ein Spiel, das perfekt für die Gastgeber begann. In der zwölften Minuten brachte Naby Keita RB in Führung. Nur ging er danach nicht mehr so richtig auf. Hasenhüttl musste noch ohne den verletzten Neu-Nationalspieler Timo Werner auskommen, verzichtete in der Startelf auch auf den wieder fitten Werner-Sturmpartner Yussuf Poulsen.

Statt zu erhöhen oder zumindest die Partie zu kontrollieren, ließen die Leipziger die Gäste immer wieder gefährlich vors eigene Tor kommen, in dem Stammkeeper-Vertreter Fabio Coltorti (Peter Gulacsi fehlte wegen eines Virus) keine große Sicherheit ausstrahlte. «Ich kam mir teilweise schon so vor, als wäre irgendwo eine versteckte Kamera, die mich ein bisschen ärgern will, weil es so bitter war», sagte SV-Trainer Torsten Frings: «Wenn Du so einer Mannschaft weh tun willst, musst du die Chancen nutzen.»

Taten die Darmstädter aber nicht, stattdessen kassierten sie in der 67. Minute auch noch ein unglückliches Gegentor, als Emil Forsbergs Schuss abgefälscht wurde. Willi Orban (79.) und erneut Keita (80.) sorgten für den Endstand gegen die nun nach 13 Auswärtsspielen punktlosen «Lilien», die ab der 72. Minute nach einer Gelb-Roten Karte für Sandro Sirigu in Unterzahl spielen mussten. 14 Punkte trennen die Darmstädter vom Nichtabstiegsplatz. 15 trennen RB vom einem Platz, der nicht zur internationalen Teilnahme in der kommenden Saison berechtigt.

Und die Planungen in Leipzig laufen längst schon. Gespräche mit neuen Spielern werden geführt und seien in vielerlei Hinsicht schon auf einem sehr guten Weg, sagte Rangnick. Jeder Mannschaftsteil soll verstärkt werden. Dass die Verhandlungsposition des erst 2009 gegründeten Vereins bei potenziellen Neuzugängen mit Blick auf den immer wahrscheinlicher werdenden Startplatz in der europäischen Meisterklasse ausgezeichnet ist, verhehlte der RB-Stratege nicht: «Wer spielt nicht lieber Champions League als Europa League.»

Fotocredits: Jan Woitas
(dpa)

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