Ein Jahr Kovac: Frankfurt-Trainer als Krisen-Manager gefragt

Frankfurt/Main – Niko Kovac und Eintracht Frankfurt – das war bislang eine einzige Erfolgsgeschichte. Der Trainer hat diesen Verein von einem Abstiegsplatz in die Europa-League-Ränge geführt, im Pokal-Halbfinale steht die Eintracht auch noch.

Doch wenn Kovac am Mittwoch genau ein Jahr im Amt ist, ist er zum ersten Mal seit den Relegationsspielen im Mai auch wieder als Krisen-Manager gefragt. Das 1:2 (1:1) gegen den SC Freiburg war bereits die vierte Niederlage nacheinander in der Fußball-Bundesliga. Und die nächsten Gegner heißen Bayern München, Hamburger SV und Borussia Mönchengladbach. Es besteht die Gefahr, dass in Frankfurt wieder einiges von dem kaputt geht, was in den vergangenen Monaten so erfolgreich aufgebaut wurde.

Was er dagegen tun wolle, wurde Kovac gefragt. Und der frühere Nationalcoach von Kroatien tat das, was man eben so tut in Krisensituationen: Ruhe ausstrahlen, Zuversicht wecken, den Druck von seinen Spielern nehmen. «Wir müssen die Mannschaft mental aufbauen», sagte er. «Wir müssen zusehen, dass wir mit einem Erfolgserlebnis in die Länderspiel-Pause Ende März gehen können. Dann haben wir zwei Wochen Zeit, um uns zu sammeln und in Ruhe zu arbeiten.»

Für Kovac ist dieser Modus neu. Denn ganz gleich ob im Abstiegskampf der vergangenen Saison oder während des Neuaufbaus in dieser Saison – bislang kannte seine Arbeit immer nur eine Richtung: mit Vollgas nach vorn. Kovac‘ Eintracht hat in den vergangenen Monaten immer mehr trainiert, ist mehr gelaufen und hatte deshalb auch mehr Erfolg als andere Mannschaften. So einfach ist das im Fußball manchmal.

Doch diese Entwicklung ist an ihre Grenzen gestoßen. Kovac schlägt sich auf einmal mit Problemen herum, die sich allein durch harte Arbeit auf dem Trainingsplatz nicht beheben lassen.

Er musste am Sonntag mit ansehen, wie der Schiedsrichter den Freiburger Siegtreffer anerkannte, obwohl der Torschütze Florian Niederlechner klar im Abseits stand. Und er muss nahezu die Hälfte seiner erfolgreichen Hinrundenformation ersetzen, weil aktuell gleich zehn Frankfurter Spieler gesperrt oder verletzt sind.

«Es ist schon Wahnsinn, was wir im Moment an Rückschlägen wegstecken müssen», sagte Sportdirektor Bruno Hübner. Und es spricht für Kovac, dass selbst ein von Ehrgeiz und Arbeitsethos getriebener Trainer wie er seine Grenzen in diesem Moment erkennt. «Bisher ist die Mannschaft in dieser Saison am Limit gewesen und teilweise sogar darüber hinaus gegangen», sagte er schon vor dem Freiburg-Spiel. «Aber in ein Glas passt eben nicht mehr hinein, wenn es voll ist. Wenn sie dann noch einmal etwas nachkippen, schwappt es über.»

Kovac‘ Verpflichtung vor einem Jahr war insofern eine Überraschung, als dass er auf den ersten Blick nicht in die neue Trainergeneration der Bundesliga passt. Er ist kein Taktik-Freak wie Thomas Tuchel oder Roger Schmidt. Er kommt auch nicht aus der eigenen Jugendabteilung seines Vereins wie Julian Nagelsmann oder Martin Schmidt. Niko Kovac bezieht seine Autorität auch daraus, dass er seinen Spielern nur das vorgibt, was er selbst früher schon 100 Mal erlebt hat. Er kennt den Abstiegskampf als Spieler von Hertha BSC, er kennt die Champions League aus seinen Zeiten bei Bayern München und Bayer Leverkusen.

Auch seine Schiedsrichter-Kritik vom Sonntag («Wir sind unter einem Teleskop») klang zunächst einmal so, als wolle er von den wahren Problemen der Eintracht ablenken. Tatsächlich aber sagt sie vor allem etwas darüber aus, wie er – der Praktiker und Pragmatiker – den Fußball sieht. Schiedsrichter pfeifen zu schnell ab und lassen in der Bundesliga keine internationale Zweikampf-Härte zu. Das ist seine Sicht der Dinge. «Davon gehe ich nicht ab», meint er.

Kovac‘ Geradlinigkeit hat die Eintracht einst vor dem Abstieg gerettet und soll den Verein jetzt auch aus dieser Krise herausführen. «Das ist eine harte Phase für uns», sagte Torwart Lukas Hradecky am Sonntag. «Aber der Trainer weiß, was er tut.»

Fotocredits: Arne Dedert
(dpa)

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