Enger Abstiegskampf: Zwölf Vereine auf unsicherem Terrain

Hamburg – In der Fußball-Bundesliga tobt ein brutaler Abstiegskampf. Seit Einführung der Drei-Punkte-Regel in der Saison 1995/96 war es nach 24 Spieltagen zwischen Europa-League-Platz sechs und Relegationsrang 16 noch nie so eng.

Lediglich neun Zähler trennen den Sechsten aus Frankfurt und den 16. aus Hamburg. Beide treffen am Samstag aufeinander. Und obwohl der HSV aus den jüngsten 13 Partien stolze 23 Zähler einfuhr, droht ihm weiter die Relegation. Da die gleichauf liegenden Konkurrenten VfL Wolfsburg und Werder Bremen (alle 26) zuletzt ebenfalls stark punkteten, fürchtet HSV-Verteidiger Dennis Diekmeier: «Man spricht ja immer von den magischen 40 Punkten. Ich glaube nicht, dass die diesmal reichen, um drin zu bleiben.»

Dabei hat die 40er-Marke in den 20 Jahren mit drei Siegpunkten bisher immer zu Platz 15 und damit zum sicheren Klassenverbleib ausgereicht. «Ich bin überzeugt, dass 40 Punkte in jedem Fall genügen», sagte HSV-Vorstandschef Heribert Bruchhagen und widersprach damit seinem Abwehrspieler. Andererseits zeigte sich Bruchhagen aber «schon überrascht», dass die Rivalen Bremen (10 Punkte aus 4 Spielen) und Wolfsburg (4 Punkte aus 2 Auswärtsspielen) zuletzt ebenfalls fleißig ihr Konto füllten. So rückt das Feld immer dichter zusammen.

«Viele Mannschaften finden jetzt ihre Form. Und andere Vereine, die sich vermeintlich im sorgenfreien Mittelfeld aufgehalten haben, durchlaufen gerade eine Delle», fasste Bruchhagen die Ergebnisse und Entwicklungen zusammen. Soll heißen: Es kann das eine oder andere Team erwischen, für das Abstieg im Augenblick noch gar kein Thema ist. Der FC Augsburg (28 Punkte), Mainz 05 (29) und sogar der Europa-League-Viertelfinalist Schalke 04 (30) sind in Reichweite.

«Bremen, Hamburg und wir wissen, was los ist. Aber die Clubs, die über uns stehen, wissen es noch nicht, die müssen aufpassen», warnte Wolfsburgs neuer Coach Andries Jonker. Er ist noch ungeschlagen und plant gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten Darmstadt 98 den nächsten Heimerfolg des VfL ein. «Ich habe jetzt keine Zeit, darüber nachzudenken, was man mit diesem Club gewinnen kann. Das erste und einzige Ziel ist, am Samstag zu gewinnen», meinte der 54-Jährige. Der Weg zum Erfolg sei: «Zuversicht, Vertrauen – und keine Panik!»

Vor der deutlich schwereren Aufgabe stehen die Bremer. Dennoch sei es daheim gegen den Überraschungszweiten RB Leipzig «sehr wichtig, weiter zu punkten», betonte Trainer Alexander Nouri. «Mit einem Dreier könnten wir unser Vertrauen untermauern.» Wenn nicht, droht der Absturz auf den Relegationsrang. Denn obwohl er zuletzt im Januar 2011 in der Mainmetropole gewinnen konnte, will der wiedererstarkte HSV am Samstag (18.30 Uhr) nicht mit leeren Händen aus Frankfurt in die Hansestadt zurückkehren.

Trotz der Eintracht-Minusserie von fünf Niederlagen nacheinander erwartet Trainer Markus Gisdol aber keinen Selbstläufer. «Ich warne davor, die Eintracht nur an den letzten Ergebnissen zu messen. Wenn es uns gelingt, dort etwas mitzunehmen, wäre es eine großartige Sache.» Jeder Punkt ist wichtig! Denn auch der HSV-Coach geht davon aus, dass der sportliche Überlebenskampf bis zum Schluss eng bleibt. «Die Liga ist extrem spannend bis auf den Kampf um den Meistertitel. Der ist dem FC Bayern München wohl nicht mehr zu nehmen.»

Fotocredits: Jan Woitas
(dpa)

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