Erfolg auf Knopfdruck – Verwunderung über britische Erfolge

Rio de Janeiro – «God save the Queen» wird zum Dauerbrenner im olympischen Velodrome. Mal wieder. Wie schon 2008 in Peking und 2012 in London sorgen die britischen Bahnradsportler auch in Rio de Janeiro für eine Zwei-Klassen-Gesellschaft.

Fünf Weltrekorde, viermal Gold in den ersten sechs Entscheidungen dokumentieren eine Dominanz, die den erfahrenen deutschen Bundestrainer Detlef Uibel verwundert zurücklässt.

«In den letzten Jahren waren die Briten kaum zu sehen, dieses Jahr das erste Mal wieder. Das ist schon beeindruckend. Vielleicht haben sie das bessere System, die besseren Fachleute. Ich weiß es nicht», sagte Uibel. Die großen Leistungssprünge im britischen Team sorgen für Irritationen.

Die Teamsprinter waren beispielsweise vor fünf Monaten bei der WM in London als Sechster keine Konkurrenz, in Rio fuhren sie in gleicher Besetzung mehr als eine Sekunde schneller als das deutsche Trio. Oder der Bahn-Vierer der Frauen, der in jedem seiner drei Läufe den Weltrekord verbesserte und Zeiten im Bereich von 4:10 Minuten über 4000 Meter fuhr, die manch einem Männer-Quartett vor Probleme stellen würde.

Dabei läuft es eigentlich wie immer. Während des Olympia-Zyklus herrscht bei Welt- und Europameisterschaften bei den Top-Teams ein gleiches Niveau, pünktlich zu den Sommerspielen lassen die Briten dann die Konkurrenz regelrecht stehen. Quasi Erfolg auf Knopfdruck. Wie 2008 und 2012, als jeweils acht Goldmedaillen herauskamen. Ähnlich zelebriert es jedes Jahr das Team Sky bei der Tour de France mit einer derartigen Übermacht, was manch einem Beobachter ein wenig an die dunklen Armstrong-Jahre erinnern lässt.

Die Briten verweisen auf Fragen, so sie denn von ausländischen Journalisten gestellt werden, auf ihr zentralisiertes System, was tatsächlich einzigartig ist. In Manchester laufen alle Fäden zusammen. Da wohnen die meisten Fahrer, da trainieren sie, da ist das Kompetenzzentrum. Deutschland setzt da eher auf einzelne Landesstützpunkte, eine Zentralisierung wäre auch kaum möglich. Es gibt nur eine Bahn, die das ganze Jahr über verfügbar wäre, und die steht in Frankfurt/Oder an der polnischen Grenze. «Wie sinnvoll es ist, Sportler über Jahrzehnte dort zu stationieren, wage ich zu bezweifeln. Da kann man auch über eine nicht vorhandene Attraktivität des Standorts nicht hinwegsehen», sagte BDR-Sportdirektor Patrick Moster.

Auch finanziell fahren Briten und Deutsche in zwei verschiedenen Klassen. Mehr als 30 Millionen Euro beträgt auf der Insel das Budget, das größtenteils von einer Lotterie gestemmt wird, der BDR hat in etwa ein Zehntel davon zur Verfügung. So sind Fahrer wie der gebürtige Krefelder Philip Hindes, der vor fünf Jahren die Seiten gewechselt hat, in Manchester Vollprofis. Kristina Vogel und Miriam Welte schieben dagegen noch Dienste bei Landes- und Bundespolizei.

Es sind aber nicht nur die sportlichen Erfolge, die im laufenden Jahr haben aufhorchen lassen. So hatte Rad-Amateur Dan Stevens in diesem Jahr einen Skandal aufgelöst. Nach einem Positivtest bot er sich der nationalen Anti-Doping-Agentur UKAD als Kronzeuge an und lieferte mehr als 100 Namen. Die UKAD verzichtete auf Ermittlungen, Stevens ging zur «Sunday Times».

Das Blatt enttarnte per Lockvogel den mutmaßlichen Dopingarzt Mark Bonar, auf dessen Kundenliste rund 150 Sportler, darunter auch Radprofis und Fußballer, stehen sollen. Die UKAD versprach Aufklärung, seitdem ist nichts passiert. Stattdessen arbeitet die Behörde zusammen mit der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA daran, russische Dopingsünder aufzuspüren. 

Fotocredits: Alejandro Ernesto
(dpa)

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