Fallstricke im Visa-Dschungel

Berlin – Wer einen deutschen Reisepass besitzt, hat Glück. Denn er kann derzeit in 177 Länder reisen, ohne ein Visum beantragen zu müssen. Das ist Weltrekord.

Singapur rangiert
einer Aufstellung des Londoner Beratungsunternehmens Henley & Partners zufolge auf Platz zwei (176 Länder). Am mühsamsten reist man mit Pässen aus Pakistan, Syrien, dem Irak und Afghanistan: Visafreies Reisen ist dann nur in 30 oder weniger Länder möglich.

Ein Visum ist die Erlaubnis, in ein fremdes Land einreisen zu dürfen – und oft lästige Bürokratie. «Über die Jahre hinweg ist es etwas komplizierter geworden», sagt Katrin Heinzel von der Visum-Agentur Servisum in Berlin. Wer als Tourist in ein
ihm unbekanntes Land reist, tut gut daran, sich zunächst über die Visafrage zu informieren. Dann sollte der eigene Pass noch mindestens sechs Monate nach der Einreise gültig sein und wenigstens zwei freie Seite enthalten. Das ist eine gängige Voraussetzung für ein Visum. Außerdem kann ein Passfoto nötig sein.

Viele Staaten haben die Visaerteilung digitalisiert. Das ist vor allem für jene Menschen eine gute Nachricht, die weit entfernt von Botschaft oder Konsulat ihres Reiselandes leben. Der elektronische Visumantrag ist im Regelfall einfach gestellt. Voraussetzung ist, dass man weiß, wie man Dateien hochlädt, meist ein Foto sowie eine Kopie der Seiten des Reisepasses mit den Angaben zur Person. Und in vielen Fällen sind Englischkenntnisse erforderlich. «Vor allem die ältere Generation tut sich da oft schwer», sagt Heinzel.

Ist das Antragsformular ausgefüllt, wird eine Gebühr fällig, die meist per Kreditkarte bezahlt wird. Anschließend kommt per E-Mail die Bestätigung für das Visum, oft ein Papier zum Ausdrucken, auf dem ein Code vermerkt ist. Wird dieses Papier samt Code und Reisepass zum Beispiel nach der Ankunft auf einem Flughafen in Indien vorzeigt, dann sieht der Beamte auf seinem Bildschirm, dass der Besucher ein Visum hat. Damit steht dem Einreisestempel im Pass nichts mehr im Wege.

In anderen Ländern gibt es Möglichkeiten zur elektronischen Antragstellung, die aber später unvermeidlich zu einem Rendezvous mit einem Konsularbeamten einer Botschaft führen.

Und es gibt Länder, in denen das Visum nicht viel mehr als eine Art Eintrittsgebühr für das Land ist: Für Kenia beispielsweise kann man das Visum entweder online beantragen oder nach Ankunft auf dem Flughafen kaufen (Visa on arrival) – eine reine Formalie.

Noch etwas hat sich geändert. Früher ging man mit seinem Pass zur Konsularabteilung einer Botschaft, füllte ein Antragspapier aus und wartete dann auf den Stempel im Pass. Inzwischen haben auch viele große Reiseländer die Antragstellung für Visa an Vertragsunternehmen vergeben. Ohne ein elektronisch ausgefülltes Formular läuft hier nichts. Deutsche Touristen, die nach China reisen wollen, müssen sich zum Beispiel an eine offizielle Visaagentur wenden.

Eine Fülle von Visa-Agenturen steht auch in Deutschland bereit, um bei der Visabeschaffung zu helfen – für durchaus unterschiedliche Preise. Ihre Kunden sind vor allem Geschäftsleute, die möglichst sofort irgendwohin reisen müssen. Oder Kreuzfahrtreisende, für die gleich mehrere Visa besorgt werden müssen.

Anträge, die über Agenturen gestellt werden, werden gelegentlich schneller bearbeitet als andere, sagt Heinzel: «Schon deswegen, weil die von Agenturen ausgefüllten Formulare keine Fragen offenlassen.» Außerdem habe man über lange Zeit Kontakte zu Botschaften und Konsulaten entwickelt. Wichtig ist stets, sich so gut wie möglich zu informieren. «Denn die Vorschriften ändern sich ständig.»

Fotocredits: Andrea Warnecke
(dpa/tmn)

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