Frankfurts Pleiten-, Pech- und Pannentag

Frankfurt/Main – Immerhin: Strom und warmes Wasser sind nach dem Spiel nicht ausgefallen in der Kabine von Eintracht Frankfurt. Und Adler Attila, das Maskottchen des Vereins, hat sich auch nicht Flügel, Schnabel oder sonst irgendwas gebrochen.

Davon einmal abgesehen, ist an diesem Wochenende aber so gut wie alles schiefgegangen was schiefgehen konnte für die Eintracht. Der bisherige Tabellendritte verlor zu Hause gegen den Abstiegskandidaten FC Ingolstadt mit 0:2 (0:1) und fiel dadurch aus den Champions-League-Rängen der Fußball-Bundesliga.

Wenn es am nächsten Samstag zum direkten Konkurrenten Hertha BSC geht, wird die komplette Defensiv-Achse der Eintracht nicht dabei sein können, denn David Abraham flog gegen Ingolstadt vom Platz, Jesus Vallejo verletzte sich am Oberschenkel und Omar Mascarell sah seine zehnte Gelbe Karte. Zu allem Überfluss verschoss Makoto Hasebe auch noch einen Foulelfmeter, wie man ihn kläglicher kaum verschießen kann.

«Die gesamte Dramaturgie dieses Spiels sagt aus: Das war ein gebrauchter Tag», sagte Vorstandsmitglied Axel Hellmann dazu. «Du weißt sehr schnell, dass du heute besser im Bett geblieben wärst.»

Die meisten Frankfurter haben sich nach diesem Spiel recht bequem eingerichtet in der These, dass eigentlich nichts Grundsätzliches gefehlt habe und sich so viel Pleiten, Pech und Pannen unmöglich noch ein nächstes Mal in nur einem Nachmittag verdichten könnten.

Beispiel Abraham: Der sonst so zuverlässige Verteidiger verschuldete in der 26. Minute zunächst das 0:1 durch Romain Bregerie und sah dann nur neun Minuten später die Rote Karte (35.).

Beispiel Hasebe: Der Japaner scheiterte mit seinem Elfmeter zunächst an Ingolstadts Torwart Martin Hansen und donnerte dann den Nachschuss aus nur wenigen Metern an die Latte des leeren Tores (56.). «Das tut mir sehr leid. Es ist meine Schuld», sagte er über die erste Frankfurter Heimniederlage einer bislang so erfolgreichen Saison.

Nur Niko Kovac wollte hinterher nicht nur von einer unglücklichen Verkettung von Pech und Unvermögen sprechen. Der Trainer der Eintracht glaubt nach den beiden verdienten Niederlagen gegen Bayer Leverkusen (0:3) und Ingolstadt (0:2) eine kleine Portion Hochmut und eine Prise Bequemlichkeit bei seinem Team entdeckt zu haben.

«Wir stehen dort, wo wir stehen, weil wir erst einmal hart gearbeitet haben», sagte er. «Wenn der eine oder andere denkt, es geht nur mit Fußball spielen, dann sieht es so aus, wie es heute ausgesehen hat. Ingolstadt kämpft ums Überleben. Wir sind im Moment vielleicht in einer etwas bequemeren Situation. Wir sind mehr oder weniger gerettet, dann fehlen schnell ein oder zwei Prozentpunkte. Wenn wir das nicht schnell wieder in den Griff kriegen, dann wird es immer schwer. Die Bundesliga verzeiht so etwas nicht.»

Vor dem wichtigen Spiel in Berlin will Kovac bei seinen Spielern «die Sinne wieder schärfen», sagte er. Und wie man am besten mit Rückschlägen umgeht, konnte sich die Eintracht schon einmal aus nächster Nähe beim FC Ingolstadt abschauen.

Der Tabellenvorletzte siegte am Samstag verdient. Bregerie und Pascal Groß (69./Foulelfmeter) schossen dabei die Tore, die Rote Karte für Mathew Leckie (81.) fiel nicht mehr ins Gewicht. Dabei hatte der FCI zuvor drei von vier Spielen verloren und zwei dieser Niederlagen erst durch Gegentore in letzter Minute gegen Schalke 04 und den FC Bayern München hinnehmen müssen. «Meine Mannschaft hat heute genau die Mentalität und den Glauben gezeigt, um solche Dinge wegzustecken», sagte Trainer Maik Walpurgis stolz. Diese Eigenschaften haben auch Eintracht Frankfurt über Monate stark gemacht.

Fotocredits: Arne Dedert
(dpa)

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