Großer Gesprächsbedarf beim FSV Mainz 05

Mainz – Nach dem bitteren Rückschlag bereitete Martin Schmidt die Fans des FSV Mainz 05 gleich auf stressige Wochen vor.

«Der Abstiegskampf beginnt jetzt erst richtig. Der Kampf war nach dem Punkt bei den Bayern nicht gewonnen und ist nach dieser Niederlage nicht verloren», sagte der Schweizer Trainer nach dem 1:2 (0:1) gegen Borussia Mönchengladbach und fügte hinzu: «Jedes Spiel, in dem du nicht punktest, macht die Arbeit schwerer.»

Mit 33 Punkten wandelt Mainz in der Fußball-Bundesliga weiter am Abgrund. Ein weiterer Sieg gegen Gladbach hätte die Situation nach zuletzt vier Punkten aus den Spielen gegen Hertha BSC und bei Meister Bayern München beruhigen können. Nun ist vor dem nächsten Abstiegs-Endspiel beim Hamburger SV wieder Zittern angesagt.

Zuzuschreiben hatten es sich die 05er selbst. «So kann das im Abstiegskampf nicht funktionieren», klagte Sportdirektor Rouven Schröder. Der 41-Jährige verzichtete trotz aller Enttäuschung auf eine Brandrede, aber der erneute Rückschlag bedarf einer eindeutigen Reaktion. «Wir besprechen die Dinge in Ruhe. Wir müssen uns schütteln und versuchen, es nächste Woche besser zu machen», sagte er.

Leidenschaft, Kampf, Laufbereitschaft und Einsatz: Das sind die Tugenden, mit denen sich die Mainzer seit ihrem Wiederaufstieg 2009 in mittlerweile 269 Partien von einem Abstiegsplatz ferngehalten haben. Vor den drei letzten Saisonspielen in Hamburg, gegen Eintracht Frankfurt und beim 1. FC Köln ließ die Mannschaft am Samstag aber genau diese Eigenschaften vermissen.

«Wer gedacht hat, dass wir die letzten vier Spiele so durchziehen wie das Berlin-Spiel, der versteht den Fußball nicht. Wir stehen da hinten, weil wir ein Team sind, das Leistungsschwankungen hat, das auch Probleme hat, wenn der Gegner einen anderen Ansatz wählt», analysierte Schmidt.

Der 05-Trainer musste zugeben, dass er die Gladbacher anders erwartet hatte. «Es war sehr viel der Taktik geschuldet. Du stellst dich auf einen Gegner ein, der bei Ballbesitz sehr gut ist. Wir wollten anlaufen, aggressiv Bälle erobern und umschalten. Plötzlich fliegen die Bälle über uns drüber, so kamen wir nicht in die Zweikämpfe.»

Die auffallend leblose Vorstellung in der ersten Stunde hinterließ auch bei den 05-Fans Spuren. Ohne Aggressivität, Zweikampfstärke und ohne eigene Torchance luden die Mainzer die nach ihrem Europa-League- und Pokal-Aus wahrlich nicht übermäßig selbstbewussten Gladbachern zu den Toren durch Lars Stindl (31.) und Nico Schulz (46.) ein. Der Anschlusstreffer von Yoshinori Muto (89.) fiel viel zu spät.

Kapitän Stefan Bell benannte die Schwächen schonungslos. «Wir sind vor allem auf den Außenbahnen nicht in die Zweikämpfe gekommen und haben zu viele davon verloren. Irgendwann fehlt der Glaube in so einer Phase, dass man überhaupt in den Zweikampf reinkommt», erklärte der Innenverteidiger, der das Team in der entscheidenden Saisonphase nicht noch tiefer in eine Krise hineinreden will. «Wir sollten uns von dem einen Spiel nicht alles kaputt machen lassen», betonte Bell. Er weiß aber auch: Das nächste Auswärtsspiel am Sonntag beim direkten Konkurrenten Hamburg ist sehr wichtig. Mainz steht unter Druck.

Fotocredits: Thomas Frey
(dpa)

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