Leidenschaft und Euphorie: Aufsteiger wollen bleiben

Duisburg – An seine ganz großen Zeiten kann der MSV Duisburg vorerst nicht anknüpfen, der Verbleib in der 2. Fußball-Bundesliga soll aber gelingen.

«Wir haben alle hart für die Rückkehr gearbeitet, jetzt wollen wir auch dauerhaft in der 2. Liga bleiben», erklärt MSV-Trainer Ilja Gruew. Vor zehn Jahren traten die Duisburger noch in der Bundesliga an, ehe es rapide abwärts ging. Gemeinsam mit Holstein Kiel, deutscher Meister von 1912, und Jahn Regensburg meldete sich der Traditionsverein zur am Freitag startenden Saison zumindest in der Zweitklassigkeit zurück.

Die drei Aufsteiger vereint das Ziel, den erneuten Absturz zu verhindern. Für Duisburg ist das ein Dauerthema. 2013 wurde den «Zebras» wegen wirtschaftlicher Probleme die Zweitliga-Lizenz verweigert. Die danach drohende Insolvenz konnte zwar durch einen Schuldenschnitt abgewendet werden, doch dem Aufstieg in die 2. Liga folgte 2016 via Relegation der sportliche Abstieg und nun das sofortige Comeback. «Es ist keine Selbstverständlichkeit, in so einer Phase zweimal aufzusteigen», erklärte MSV-Sportdirektor Ivica Grlic.

2011 hatte Grlic die Duisburger als Kapitän in ihr viertes DFB-Pokalfinale geführt. Doch Tradition schießt keine Tore, erst recht nicht, wenn die finanziellen Möglichkeiten äußerst begrenzt sind. Grlic und Gruew setzen daher auf Leidenschaft und ein schmerzerprobtes Publikum, das Rückschläge einzuschätzen weiß. Die Rückkehr in die Bundesliga wird beim deutschen Vize-Meister von 1964 als Fernziel genannt. «Wir arbeiten Schritt für Schritt, in der nächsten Saison geht es nur um den Klassenerhalt», meinte Grlic.

Die Etablierung unter den 36 besten Mannschaften in den deutschen Ligen ist für den MSV aus finanzieller Sicht von existenzieller Bedeutung. «Die Einzigen, die an der 3. und 4. Liga Spaß haben, sind die Insolvenzverwalter. Wir haben nach insgesamt drei Spielzeiten in der 3. Liga unsere finanziellen Reserve aufgebraucht», erläuterte Präsident Ingo Wald bereits im Zuge der Aufstiegsfeierlichkeiten. Damit der Club sich durch TV-Gelder und Sponsoreneinnahmen wirtschaftlich konsolidiert, hält Wald einen dauerhaften Verbleib mindestens in der 2. Liga für alternativlos: «Wir werden uns stabilisieren, können aber keine großen Sprünge machen.»

Die Mannschaft, die den Aufstieg als souveräner Drittliga-Spitzenreiter perfekt machte, blieb in großen Teilen zusammen und wurde punktuell verstärkt. «Wir haben die Qualität, in der 2. Liga mitzuspielen und wollen das auch zeigen», sagte Grlic. Insbesondere die Transfers von Verteidiger Gerrit Nauber (SF Lotte), Moritz Stoppelkamp (Karlsruhe) und Angreifer Borys Tashchy (VfB Stuttgart) sollen für Belebung sorgen.

Mehr noch als für den MSV, der bereits in seine 21. Zweitliga-Saison startet, wartet auf Kiel und Regensburg ein kleines Abenteuer. Vier Zweitliga-Spielzeiten weist die Regensburger Clubhistorie auf, zuletzt in der Saison 2012/13. Nach der geglückten Relegation im vergangenen Mai gegen 1860 München und dem Wechsel von Chef-Coach Heiko Herrlich zu Bayer Leverkusen soll nun Trainer Achim Beierlorzer den Klassenverbleib bewerkstelligen.

1981 gehörten die Kieler Störche zuletzt der 2. Liga an, entsprechend groß ist die Euphorie in Norddeutschland. «Es kommen auch viel mehr Fans zum Training als früher», meinte Abwehrspieler Rafael Czichos. Mit Testspielerfolgen, wie dem 5:3 gegen Bundesligist Hamburger SV, ließ Kiel in der Saisonvorbereitung aufhorchen. «Diese Spiele haben Selbstvertrauen gegeben», sagte Holstein-Trainer Markus Anfang.

Fotocredits: Timm Schamberger
(dpa)

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