Lieblingsauto – hat der ADAC geschummelt?

Jedes Jahr dürfen die Mitglieder des ADAC das „Lieblingsauto der Deutschen“ küren, der Hersteller des Gewinnermodells erhält den Gelben Engel. Laut „Süddeutscher Zeitung“ kam es bei diesen Abstimmungen aber zu Unregelmäßigkeiten. Vertreter des ADAC reagierten empört auf entsprechende Presseberichte.

Massive Vorwürfe der „SZ“: Betrug bei Verleihung des Gelben Engels

Laut „Süddeutscher Zeitung“ soll der ADAC die Abstimmungsergebnisse bei den Wahlen 2012 und 2014 in großem Umfang gefälscht haben. In Wahrheit hätten viel weniger Mitglieder gültige Stimmen abgegeben, als der Automobilclub behauptet habe. Die veröffentlichten Zahlen und damit auch der Ausgang der Abstimmung habe der ADAC erfunden. Die Journalisten berufen sich auf Aussagen von ungenannten ADAC-Beschäftigten. Der „Süddeutschen Zeitung“ liegen konkrete Zahlen vor:
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  • 2012 haben sich laut ADAC etwa 290.000 Mitglieder beteiligt. Die „SZ“ behauptet, dass es nur 76.000 gültige und 70.000 ungültige, also annullierte Stimmen gegeben habe. Demnach hätte der Automobilclub rund 214.000 gültige Stimmen erfunden.
  • 2014 trifft das Ergebnis offenbar auch nicht zu. Nach Zahlen des ADAC haben 34.299 Mitglieder für das Siegerauto VW Golf gestimmt. Die „SZ“ berichtet dagegen von 3.409 Stimmen.

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Glaubwürdigkeit des ADAC steht auf dem Spiel

Sprecher des ADAC reagieren auf die Behauptungen gereizt und weisen alle Vorwürfe zurück. Die „Süddeutsche“ beharrt dagegen auf ihren Angaben: Vor der Veröffentlichung hatten Journalisten um eine Erklärung gebeten, die nach deren Aussage unbefriedigend ausgefallen ist. Den ADAC treffen die Berichte hart. Der Club mit seinen 18,4 Millionen Mitgliedern lebt von seiner Glaubwürdigkeit, nun könnte er in Verruf geraten. Im Mitgliedermagazin finden sich viele Testberichte über neue Fahrzeugmodelle, die einen beträchtlichen Einfluss auf das Kaufverhalten der Mitglieder haben. Nach diesen Turbulenzen rundum die Wahl zum Gelben Engel dürften viele Menschen an der Unabhängigkeit dieser Berichte zweifeln und sich fragen, ob manche Konzerne mit Geldzahlungen für gute Bewertungen sorgen.

Schlechte Verteidigungsstrategie des Automobilclubs

Bei der Preisverleihung des Gelben Engel vor wenigen Tagen fuhr der ADAC-Geschäftsführer schwere Geschütze gegenüber der „SZ“ auf: Er sprach von einem „kompletten Unsinn“ sowie von „Unterstellungen und Unwahrheiten“. Entkräften kann er die detaillierten Zahlen der Zeitung aber nicht. Der ADAC sollte nicht darauf hoffen, dass diese Strategie aufgeht.

Foto: Festansprache von Peter Meyer, Präsident des ADAC e. V., Pressebereich ADAC (www.adac.de/sp/presse/Media/gelberengel)

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