Pechstein verfehlt Ziel und schreibt Olympia-Geschichte

Pyeongchang – Claudia Pechstein winkte ausgepumpt ins Publikum, genoss den Beifall der fahnenschwenkenden Fans, aber der Finger auf den Lippen als Zeichen an den Weltverband ISU blieb diesmal aus.

Die fünfmalige Olympiasiegerin hat in ihrem olympischen Rekordrennen als Neunte die eigene Zielvorgabe mit Rang acht nicht ganz erfüllt. Aber nur 0,35 Sekunden fehlten ihr zu Platz sechs. Bei erfolgreichen Rennen will sie mit dem Finger auf dem Mund ein Zeichen an jene Funktionäre senden, die für die aus ihrer Sicht ungerechtfertigte Zwei-Jahres-Sperre vor neun Jahren verantwortlich waren.

«Ich bin vollauf zufrieden. Für mich war es ein erstklassiger Trainingslauf mit Blick auf die 5000 Meter», sagte Pechstein. Zum  Auftakt in Pyeongchang benötigte die mit 45 Jahren älteste Weltklasse-Eisschnellläuferin über 3000 Meter 4:04,49 Minuten und blieb damit deutlich über ihrem olympischen Rekord, den sie vor 16 Jahren bei ihrem Olympiasieg in Salt Lake City mit 3:57,70 Minuten aufgestellt hatte und der noch immer Gültigkeit behält.

Allein durch ihren Start am Samstag stellte sie gleich drei olympische Bestmarken auf: Als erste Athletin nimmt sie zum siebten Mal an Winterspielen teil. «Das haben nun wirklich nicht viele», meinte sie. Noch nie ging eine Eisschnellläuferin 16 Mal über eine olympische Einzelstrecke an den Start. Zudem war mit 45 Jahren keine Teilnehmerin bei Winterspielen älter als sie.

Kämpferisch versuchte Pechstein in dem Rennen im Gangneung Oval, mit 31-Sekunden-Runden das gewohnte Gleichmaß zu erreichen. Doch im Duell gegen Mitfavoritin Ivanie Blondin aus Kanada war drei Runden vor Schluss zu spüren, dass sie bei diesen Bedingungen diesmal ihr Tempo nicht ganz halten kann. «Die letzten Runden waren dennoch nicht ganz so langsam wie bei anderen Mädels», sagte sie.

Da auch die tschechische 5000-Meter-Olympiasiegerin Martina Sablikova nach Verletzungsproblemen in dieser Saison nicht an ihre Topform herankam, war der Weg frei für den dreifachen niederländischen Erfolg.

Dabei holte sich jedoch nicht die Topfavoritin Ireen Wüst ihren fünften Olympiasieg. Sie kam wegen einer schlechten Schlussrunde nicht mehr an die Zeit ihrer Teamkollegin Carlijn Achtereekte heran, die in 3:59,21 Minuten um acht Hundertstelsekunden schneller war. Bronze ging an Antoinette de Jong. «Een-twee-drie», feierten die nur rund 200 Oranje-Fans bei der Siegerehrung mit Sprechgesängen den großartigen Erfolg. Das Königspaar Willem-Alexander und Maxima gratulierte dem Trio im Innenraum.

Pechstein hatte den Auftakt als Aufwärmrennen für ihre 5000-Meter-Paradestrecke am Freitag deklariert. «Da will ich konstante Runde laufen und aufs Podium», kündigte sie an und schwang sich am Abend noch auf das Fahrrad-Ergometer.

Alle Konzentration gilt nun ihrer Spezialstrecke, und auch im Team-Wettbewerb hat Pechstein noch die Chance auf ihre zehnte olympische Medaille. Sollte sie diese noch gewinnen, würde sie Eiskunstläuferin Ethel Muckelt als älteste Medaillengewinnerin bei Winterspielen in einer Einzel-Disziplin ablösen. Die Britin war bei ihrem dritten Platz 1924 in Chamonix 38 Jahre alt.

Eine Enttäuschung erlebte Roxanne Dufter. Bei ihrer Olympia-Premiere kam die Inzellerin nicht über Rang 23. hinaus. «Schon in der dritten Runde haben die Beine Bumm gemacht – und dann war das Rennen noch ganz schön lang. Es war heute brutal schwer», sagte sie nach der mäßigen Zeit von 4:16,87 Minuten.

Fotocredits: Peter Kneffel
(dpa)

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