RB Leizig stellt Fan-Gemeinden auf die Probe

Leipzig – Es wird gemahnt, beteuert, verurteilt. Nach den Krawallen von Dortmund steht die Fan-Gemeinde im deutschen Fußball im Umgang mit RB Leipzig mehr denn je vor Bewährungsproben.

«Wir lehnen jede Form von RB-Bashing ab», betonte Hamburgs Sportdirektor Jens Todt vor der Reise in die Red Bull Arena zum Bundesligaspiel am Samstag (15.30 Uhr). Jener Ort, der anders als der Verein selbst auch den Namen des Aufsteiger-Sponsors trägt.

Dieser ist für viele Fans Sinnbild für Kommerz – auch wenn es schon seit Jahren im Fußball um viel Geld geht und ein Verein wie Borussia Dortmund lange an der Börse notiert ist. «Vieles von dem, was da passiert, ist irreal und irrational», sagt Sportwissenschaftler Gunter A. Pilz und rät den Leipzigern, ihren Weg «unbeirrt» weiterzugehen.

«Man sieht es bei Hoffenheim, dass die Aversionen zunehmend nachlassen und man kann hoffen, dass die Fans mit der Zeit vernünftig werden», sagt Pilz. In Sinsheim, wo einst der jetzige RB-Sportdirektor Ralf Rangnick die damaligen Anfeindungen schon miterlebte, gibt es allerdings immer noch Schmährufe gegen Mäzen Dietmar Hopp. Zuletzt beim 4:0-Sieg gegen den 1. FC Köln. Die Anfeindungen sind insgesamt jedoch seltener geworden.

Beleidigende Spruchbänder sind das eine, Flaschen und Dosen zu werfen auf Fangruppen, die mit Kindern und Frauen auf dem Weg ins Stadion sind, das andere. Derartige Ereignisse dürften sich nicht wiederholen, fordern in diesen Tagen Funktionäre, Spieler und Fans. Um dies zu garantieren, müssten auch die Beziehungen auf Führungsebene weiter versachlicht und die Kommunikation untereinander intensiver werden, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung von BVB und RBL: «Selbst wenn man auch in Zukunft zu verschiedenen Themen möglicherweise unterschiedliche Ansichten vertrete, begegne man sich auf der Arbeitsebene mit gegenseitigem Respekt.»

An diesem Samstag kommt der HSV, der sogenannte Bundesliga-Dino, nach Leipzig. Einer der Traditionsvereine, gegründet am 29. September 1887. Der HSV kämpft auf Rang 16 gegen den Abstieg. RBL, gegründet am 19. Mai 2009, strebt als Aufsteiger und Tabellenzweiter der Champions League entgegen.

Sticheleien Fehlanzeige. Vor Derbys wie Hamburg gegen Bremen oder Dortmund gegen Schalke seien ein paar Scharmützel immer normal, sagte der HSV-Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen in dieser Woche der «Bild»-Zeitung. «Sollten sich einige schlichtere Gemüter dadurch zu solchen Aktionen wie in Dortmund aufgerufen fühlen, müssen alle noch behutsamer in der Wortwahl sein», betonte Bruchhagen.

RB polarisiert. Die Sympathiewerte des Aufsteigers sind in den vergangenen Monaten allerdings deutlich gestiegen, will das Forschungs- und Beratungsunternehmens Nielsen Sports festgestellt haben. Im Osten sei RB Leipzig der drittbeliebteste Club hinter dem FC Bayern – und Dortmund.

Die Leipziger Fans wollen ihrerseits an diesem Samstag schon ein Zeichen setzen – ein friedliches. In Anlehnung an das Geburtsjahr des Clubs wollen sie in der neunten Minute «Wir sind Leipzig» intonieren. Darüber hinaus appellierte Trainer Ralph Hasenhüttl: «In Wahrheit müssen wir uns alle darüber Gedanken machen, weil auch die Menschen und Fans, die sich davon distanzieren, angehalten sind, einfach nicht wegzuschauen, sondern bereit zu sein, Zivilcourage zu zeigen. Dieses hohe Gut, das wir in Deutschland mit dem Fußball haben, einfach auch zu schätzen, für das, was es ist: Verbindender Sport

Fotocredits: Hendrik Schmidt
(dpa)

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