Rodeln bleibt deutscher Gold-Garant

Pyeongchang – Nach einer kurzen Nacht mit einer feucht-fröhlichen Feier im deutschen Haus schauten die deutschen Rodel-Helden noch etwas müde aus. 

Doch die Freude und der Stolz über ihr überragendes Abschneiden bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang waren Natalie Geisenberger und Co. noch immer anzusehen. Dennoch ging der Blick auch schon wieder nach Peking 2022. «Wir würden gern den Medaillenregen weitergeben», sagte Doppelsitzer Tobias Arlt mit einem Sinn für Poesie.

In Südkorea hatten die deutschen Kufenasse wieder einmal ihre Ausnahmestellung unterstrichen, das soll sich in vier Jahren fortsetzen. Sechs Medaillen in vier Wettbewerben holten sie auf der Bahn im Olympic Sliding Centre. Natalie Geisenberger, Johannes Ludwig und Tobias Wendl mit Tobias Arlt sorgten mit ihrem Sieg in der Staffel für den goldenen Abschluss. «Wir hatten alle schon unsere Medaillen. Das war das i-Tüpfelchen für jeden», meinte Geisenberger.

Auch wenn das Quartett sich am Freitag nicht über seine eigene Zukunft konkret äußern wollte, die Weichen Richtung Peking sind schon längst gestellt. Cheftrainer Norbert Loch, bei der Siegesfeier am Vorabend im deutschen Haus mit einer Champagner-Dusche bedacht, wird die deutschen Rodler auch nach China führen.

Seit 2008 ist er für sie verantwortlich, und seine Motivation ist ungebrochen. «Die Teamleistung mit den Trainern zusammen hat einen völlig anderen Stellenwert als das, was vor vier Jahren war», lobte der 55-jährige Bayer seine Trainer für die Arbeit im Vorfeld von  Pyeongchang.

Die drei Olympiasiege durch Natalie Geisenberger, Tobias Wendl/Tobias Arlt und die Staffel, dazu das Silber für Dajana Eitberger und zweimal Bronze durch Johannes Ludwig und das Doppel Toni Eggert/Sascha Benecken sichern dem Verband weitere vier Jahre Optimalförderung zu. Diese ist auch dringend nötig.

Die vier Eisbahnen in Königssee, Altenberg, Winterberg und Oberhof sind die Grundlage für die Erfolge der Gegenwart und der Zukunft. Doch pro Eisbahn belaufen sich die Aufwendungen pro Jahr auf eine Million bis 1,3 Millionen Euro.

«Die Jugend trainiert schon auf diesen vier Bahnen. Neun- bis Zehnjährige beherrschen schon alle Bahnen, wechseln später auch zum Skeleton oder Bob. Für uns ist das die Basis. Bricht eine Bahn weg, verlieren wir 25 Prozent der Medaillen», beschrieb der Vorstandsvorsitzende Thomas Schwab vom Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) die Bedeutung der Anlagen. «Das ist unser wichtigstes und höchstes Gut. Diese vier Bahnen sind für uns überlebenswichtig.»

Das Olympia-Programm für die Rodler könnte in vier Jahren noch erweitert werden. Der Doppelsitzer der Frauen soll dann in Peking seine olympische Premiere geben. In der kommenden Saison werden die ersten Weltcup-Rennen stattfinden. «Der Wunsch des IOC war, dass wir uns da verstärkt einsetzen sollen», meinte Schwab. Auch bei den Olympischen Jugendspielen 2020 in Lausanne wird erstmals um Medaillen in dieser Disziplin gefahren.

Zudem sollen die Sprintrennen, die schon regelmäßig im Weltcup gefahren werden, ins Programm gehoben werden. Selbst Naturbahnrodeln nimmt einen neuen Anlauf auf den Olympia-Status. Die olympische Medaillen-Ausbeute könnte für die deutschen Rodler in Zukunft also noch üppiger ausfallen.

Fotocredits: Michael Kappeler
(dpa)

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