Schlechte Stimmung beim FC Bayern – negative Auswirkungen auf die EM?

Schlechte Stimmung beim FC Bayern – negative Auswirkungen auf die EM?Beim FC Bayern rumort es. Eigentlich war man vom „FC Hollywood“ aus alten Tagen stets gewohnt, dass im Grunde kein Tag verging, an dem es nicht irgendetwas Aufregendes von der Säbener Straße zu berichten gab. Wohl aber auch aufgrund der Erfolge der letzten Jahre ist es rund um den deutschen Rekordmeister ruhiger geworden – bis jetzt. Denn kaum wurde bekanntgegeben, dass Pep Guardiola die Bayern nun tatsächlich zum Saisonende in Richtung Manchester verlässt, kracht es scheinbar gewaltig im Mannschaftsgefüge. Spieler und Verantwortliche spielen die Aufregung nach außen aber herunter. In Hinblick auf die anstehende Fußballeuropameisterschaft kann aber vor allem die deutsche Nationalmannschaft schlechte Stimmung so gar nicht gebrauchen – ein Kommentar.

Maulwurfsaffäre, Verletzungssorgen und wechselnde Trainer

Als Pep Guardiola sein Amt bei den Bayern antrat, da war die Hoffnung groß, dass eine neue Ära beim erfolgreichsten deutschen Fußballklub eingeleitet würde. Nach dem Gewinn des Triples war die Erwartungshaltung vor allem bei den Fans – unangemessen – hoch. Bisweilen konnte der spanische Erfolgstrainer den großen Triumph nicht wiederholen.

Bis auf das Double, bestehend aus DFB-Pokal und deutscher Meisterschaft, blieb der große Erfolg in Form des Gewinns der Champions League aus. Und auch wenn die Bayern-Verantwortlichen von einer wenig erfolgreichen Zeit Guardiolas beim FC Bayern nichts wissen möchten, steht fest: Gelingt Pep der große Triumph in der CL nicht, wird er sich sein Scheitern eingestehen müssen. Bereits aus diesem Grund wirkt der Gang zu Manchester City wie eine Flucht des missverstandenen Katalanen.

Die sieben erfolgreichsten Trainer der Bundesliga

  • Pep Guardiola mit 84 Bundesligaspielen 2,52 Punkten pro Spiel im Durchschnitt
  • Ottmar Hitzfeld mit 460 Bundesligaspielen und 1,98 Punkten pro Spiel im Durchschnitt.
  • Louis van Gaal mit 63 Bundesligaspielen und 1,94 Punkten pro Spiel im Durchschnitt.
  • Udo Lattek mit 523 Bundesligaspielen und 1,87 Punkten pro Spiel im Durchschnitt
  • Ernst Happel mit 204 Bundesligaspielen und 1,86 Punkten pro Spiel im Durchschnitt
  • Giovanni Trapattoni mit 122 Bundesligaspielen und 1,82 Punkten pro Spiel im Durchschnitt.
  • Helmut Benthaus mit 102 Bundesligaspielen und 1,78 pro Spiel im Durchschnitt.

Gemessen an den Punkten bleibt Guardiola der erfolgreichste Trainer der Bundesligageschichte. Mit seinem Weggang scheint jedoch auch das bislang so heile Mannschaftsgefüge der Bayern auseinanderzubrechen. Insbesondere die Vorkommnisse der letzten Wochen lassen darauf schließen, dass es intern beim FCB nicht mehr so familiär zugeht, wie Mannschaft und Verantwortliche nach außen hin vorgeben.

Die jüngsten Skandale beim FC Bayern

  • Maulwurf-Affäre: Ein Spieler des FC Bayern hatte laut dem Sportmagazin „KICKER“ die Stimmung beim Verein als „nicht gut“ bezeichnet. Es war nicht das erste Mal, dass Interna des FCB an die Öffentlichkeit gelangten. Arjen Robben reagierte empört und meinte: „Derjenige, der das macht, muss sich selber an der Nase nehmen. Für ihn selbst ist das das Peinlichste, denn das gehört nicht in den Fußball.“ Bereits bei der letzten Affäre hatte Guardiola mit der Aussage, der Betroffene würde niemals wieder unter ihm spielen, für Aufsehen gesorgt. Damals wie heute blieb der Maulwurf unerkannt.

 

  • Vidal-Affäre: Durch Arturo Vidal hat sich der FC Bayern mit einem der ganz großen Stars des Fußballs verstärkt. Bislang läuft es für den Chilenen allerdings nur mäßig, sodass bereits Wechselgerüchte nach nicht einmal einem Jahr kursieren. Hinzu kommen die zahlreichen, wenn auch angeblichen Aussetzer des Defensivspezialisten. Wie verschiedene Sportzeitungen berichteten, sei Vidal im Trainingslager der Bayern in Katar mehrmals alkoholisiert aufgetaucht und habe sich unerlaubt ins Casino begeben. Vidal bestreitet die Vorwürfe vehement und Matthias Sammer kündigte rechtliche Schritte gegen die betroffenen Zeitungen an.

 

  • Wohlfahrt-Affäre: Bereits im letzten Jahr wurde die Verletzungsmisere des FC Bayern für das Ausscheiden aus der Champions League verantwortlich gemacht. Mit dem Abschied von Bayerns Mannschaftsarzt-Legende Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, wohl auch auf Drängen Guardiolas, machte sich der spanische Trainer keine Freunde im bayrischen Fanlager. Trotz neuem Mannschaftsarzt hält das Verletzungspech auch in dieser Saison an. Mit Ribery und Robben, Thiago, Alaba, Götze, Badstuber und Bernat fehlte zu Saisonauftakt gleich eine halbe Mannschaft, die erst allmählich wieder zu alter Stärke findet. Mit der jüngsten Verletzung von Abwehrchef Boateng und Martinez werden die Sorgen beim FCB sogar noch größer.

Mögliche Auswirkungen auf die Europameisterschaft in Frankreich

Nur noch wenige Monate und schon startet das nächste große Fußballturnier. Nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft geht die deutsche Nationalmannschaft zumindest bei den meisten Buchmachern neben Gastgeber Frankreich als Titelfavorit ins Turnier. Angesichts der derzeitigen Lage beim FC Bayern, der langen Verletztenliste und der Tatsache, dass die Spieler von Bayern München stets das Grundgerüst in der DFB-Elf stellen, darf und muss die Frage gestellt werden, inwiefern sich die Situation beim FC Bayern womöglich auf die EM auswirkt, zumal auch viele Bayern-Spieler zu Leistungsträgern in anderen Nationalmannschaften zählen, siehe Robert Lewandowski oder Thiago.

Infografik zu Bayernspielern bei der EM 2016 in Frankreich

Infografikquelle: www.fussball-wetten.com

Joachim Löw und Team-Manager Oliver Bierhoff sind mit der Gruppenauslosung für die EM insgesamt zufrieden. Das deutsche Team muss sich gegen Angstgegner Polen sowie gegen Nordirland und die Ukraine behaupten – eine durchaus machbare Gruppe. Nichtsdestotrotz warnt Löw vor der kommenden Aufgabe und hält mahnende Worte bereit: „Ich sage (…), dass wir uns auf jeden Fall um einiges steigern müssen. Wir müssen schon ein bisschen die Schrauben anziehen und uns fokussieren in diesem Jahr.“ Angesichts der alles andere als souveränen Qualifikation erscheint diese Warnung durchaus berechtigt.

Neben den bereits bekannten Presseterminen und Sponsorenveranstaltungen lassen vor allem die personellen Nominierungen für die anstehenden Testspiele vor der Europameisterschaft in Frankreich Aufschlüsse zu, wen Löw höchstwahrscheinlich zum europäischen Endrundenturnier am 10. Juni mitnehmen wird. Auf der aktuellen Team-Liste des DFB befinden sich derzeit 31 Spieler. Allerdings dürfen nur 23 Spieler für das Turnier gemeldet werden.

Die aktuelle DFB-Liste

Tor Bernd Leno (Bayer Leverkusen), Manuel Neuer (FC Bayern München), Marc-André ter Stegen (FC Barcelona), Kevin Trapp (Paris St. Germain), Ron-Robert Zieler (Hannover 96)
Abwehr Jérôme Boateng (FC Bayern), Erik Durm, Matthias Ginter, Mats Hummels (Borussia Dortmund), Emre Can (FC Liverpool), Jonas Hector (1. FC Köln), Benedikt Höwedes (FC Schalke 04), Shkodran Mustafi (FC Valencia), Antonio Rüdiger (AS Rom)
Mittelfeld Bastian Schweinsteiger (Manchester Utd), Ilkay Gündogan, Marco Reus (Borussia Dortmund), Mario Götze (FC Bayern München), Mesut Özil (FC Arsenal London), Christoph Kramer, Karim Bellarabi (Bayer Leverkusen), Toni Kroos (Real Madrid), Julian Draxler (VfL Wolfsburg), Sami Khedira (Juventus Turin), Sebastian Rudy (1899 Hoffenheim)
Sturm Thomas Müller (FC Bayern München), Max Kruse, André Schürrle (VfL Wolfsburg), Mario Gomez (Besiktas Istanbul), Lukas Podolski (Galatasaray Istanbul), Kevin Volland (1899 Hoffenheim)

Dass die derzeitige DFB-Liste gewiss nicht das Ende aller Überlegungen darstellt, dürfte feststehen. Beispielsweise ist es derzeit noch nicht klar, ob es Jérôme Boateng nach seiner Verletzung im Spiel gegen den Hamburger SV wirklich bis zum Start der EM schaffen wird. Mit Holger Badstuber steht allerdings ein weiterer Münchener Spieler bereit, sofern er verletzungsfrei bleibt und seine alte Form wiederfinden kann.

Mit den Jungspunden Leroy Sané von Schalke 04 sowie Julian Weigl von Borussia Dortmund stehen weitere Spieler im Fokus, die Löw in den anstehenden Spielen gewiss testen wird, obgleich ein Überangebot an erfahrenen Weltklasse-Spielern gerade im Mittelfeld der deutschen Nationalmannschaft vorherrscht. Aufgrund der womöglich angekratzten Mentalität der Bayern-Spieler mag es aber nicht schaden, wenn neues qualitatives Personal bereitsteht. Gewiss ist zumindest, dass der Erfolg der Bayern am Ende der Saison Auswirkungen auf das Abschneiden der DFB-Elf bei der EM haben wird. Auch Nicht-Bayernfans sollten dem deutschen Rekordmeister daher die Daumen drücken.


Foto oben: Thinkstock, 499127463, iStock, trendobjects

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