«Super Gefühl» für Hertha auf Weg nach Europa

Berlin – Der frustrierte Mario Gomez stürmte wortlos in die Kabine, Vedad Ibisevic erhielt vor der feiernden Ostkurve eine Extra-Knuddeleinheit von Herthas Plüschmaskottchen.

Mit völlig gegensätzlichen Gefühlswelten verabschiedeten sich die beiden Top-Stürmer in den Endspurt der Fußball-Bundesliga. Nach der Chancenverschwendung von Gomez & Co. beim bitteren 0:1 schwor sich der VfL Wolfsburg auf die verschärfte Lage im Abstiegskampf ein, die Berliner dürfen hingegen umso mehr von Europa träumen. «Es ist ein super Gefühl, das kann man schwer beschreiben. Es ist schön, es ist wunderschön», schwärmte Torschütze Ibisevic.

Schon zum siebten Mal diese Saison erzielte der Kapitän das wichtige 1:0. Vier Spieltage vor Schluss hat Hertha damit im Rennen um die Europa League mehr als drei Punkte Vorsprung auf Rang sieben – und die mögliche Vorentscheidung am kommenden Samstag bei Werder Bremen selbst in der Hand. Doch nach der stimmungsvollen Siegesfeier in seiner Wohlfühloase Olympiastadion muss der Tabellenfünfte dafür die Dauerkrise mit acht Niederlagen auf fremden Platz in Serie beenden. «Uns nervt langsam diese Auswärtsschwäche», gestand Ibisevic, der zuvor drei Partien auf ein eigenes Erfolgserlebnis warten musste. «Wir wollen alles dafür tun, das zu ändern und irgendwie punkten.»

Bei keinem Verein ist die Diskrepanz der Leistungen und Ergebnisse auch nur annähernd so groß. Dank des Kopfballtreffers von Ibisevic (59. Minute) feierte das drittstärkste Heimteam der Liga seinen zwölften Heimsieg – so viele wie sonst nur RB Leipzig. In der Auswärtstabelle steht der Hauptstadtclub mit nur neun Punkten hingegen auf Relegationsrang 16.

Die «mentale Stärke» aus dem Sieg über Wolfsburg nach «grausamen» ersten 20 Minuten soll aus Sicht von Coach Pal Dardai nun für die Wende sorgen. «Es ist gut, dass wir das 1:0 gehalten haben. Das ist ein guter Lernprozess, weil wir zum Schluss häufig noch Punkte verloren haben», analysierte der Ungar. «Vielleicht führen wir auch in Bremen 1:0, und dann können wir gut verteidigen.»

Im Angriff hapert es hingegen beim VfL, vor allem wenn Gomez nicht trifft. Zwei hochkarätige Gelegenheiten vergab der Nationalstürmer selbst und legte zwei hundertprozentige Chancen auf, die Yunus Malli und Maximilian Arnold nicht nutzten. «Wir haben in der Chancenverwertung versagt», sagte Manager Olaf Rebbe ernüchtert.

Nach der dritten Niederlage in vier Spielen musste Wolfsburgs Coach Andries Jonker deshalb direkt seelische Aufbauarbeit leisten. «Jungs, wenn wir in der Lage sind, in Berlin so ein Spiel abzuliefern, machen wir weiter und schaffen es, in der Bundesliga zu bleiben, glaubt es mir», habe er in der Kabine gesagt, berichtete der Niederländer. «Ich habe der Mannschaft das Vertrauen gegeben: Wir kriegen das hin.»

Keine leichte Aufgabe angesichts des Restprogramms. Am Samstag kommt der FC Bayern, für Eintracht Frankfurt und Borussia Mönchengladbach geht es noch um die Europa League – so dass am 34. Spieltag ein Endspiel beim Hamburger SV droht. «Ich bin jetzt kein Fantast, der einen Sieg gegen Bayern voraussagt», betonte Rebbe, rechnet sich aber angesichts der aktuellen Niedergeschlagenheit der Münchner zumindest eine Chance aus. «Mainz hat es geschafft, das können wir uns zum Vorbild nehmen.»

Fotocredits: Annegret Hilse
(dpa)

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