SUV mit Sorgen: Chevrolet Captiva im Check

Berlin – Was hat der Captiva, was andere SUV seiner Klasse nicht haben? Zum Beispiel konnte der Chevrolet-Kunde ihn als Allrad bestellen. Auch eine Version mit Autogas gab es. Ansonsten lassen die Kritiker nicht viel Gutes an dem Modell, das im Grunde noch ein Daewoo ist.

General Motors hatte die Mehrheit am angeschlagenen südkoreanischen Hersteller Daewoo 2001 übernommen und auch dessen Portfolio geerbt. «Die positiven Einzeldisziplinen sind rar», schreibt der «TÜV Report 2017» über das hochbeinige Modell. Rost befalle ihn an tragenden Teilen zwar kaum, auch die Spurstangen sind demnach recht resistent. Doch bei Federn, Stoßdämpfern, Antriebswellen, Radaufhängungen und Lenkanlage liegen die Mängelquoten teils um ein Mehrfaches über dem Durchschnitt aller durchgecheckten Fahrzeuge dieser Klasse. Ebenfalls schlecht schneiden die gesamte Beleuchtungsanlage und die Handbremse ab. Bei der zweiten Kfz-Hauptuntersuchung nach fünf Jahren zählen rostende Bremsleitungen und poröse Bremsschläuche zu den Schwerpunkten. Teils legen die Prüfer Fahrzeuge sogar still.

Auch das Urteil des ADAC ist eher ernüchternd. In der Mängelstatistik streue das Auto breit, schreibt der Club. Zu den Schwerpunkten gehören demnach Motorschäden und defekte Anlasser bei Dieselmodellen der Baujahre 2011 und 2012. Bis 2013 fiel das SUV als Selbstzünder zudem mit kaputten Einspritzdüsen auf. Verstopfte Partikelfilter waren bei Diesel-Exemplaren von 2006 bis 2009 Anlass für Pannenhilfe.

Der Captiva kam 2006 zu den Händlern. Der Hersteller überarbeitete 2011 und 2013 das SUV-Modell mit dem großen Kofferraum (bis 1850 Liter). Das letzte Facelift brachte neben äußerlichen Änderungen an Kühlergrill und Schürzen auch mehr Ausstattung – zum Beispiel war ein schlüsselloses Zugangssystem verfügbar oder eine Sitzheizung für die Fondpassagiere. 2014 stellte Chevrolet das Modell im Zuge seines Rückzugs aus Deutschland und Europa auf dem hiesigen Markt ein.

Als robustester Motor gilt der Diesel mit 2,2 Litern Hubraum. Der Reihenvierzylinder gibt 120 kW/163 PS und in einer weiteren Ausbaustufe an einen Allrad gekoppelt 135 kW/184 PS ab. Verfügbar war noch ein weiterer Diesel, der aus zwei Litern 110 kW/150 PS zieht. Bei den Ottomotoren reicht die Spanne je nach Baujahr und Ausführung von 100 kW/136 PS bis 190 kW/258 PS im stärksten V6. Die Autogasversionen kommen auf 100 kW/136 PS (R4) und 169 kW/230 PS (V6).

Wer mit einem Captiva sympathisiert – ein Grund könnte sein, dass man es auf einen Siebensitzer abgesehen hat, als den es das Schwestermodell Opel Antara nie gab – sollte wissen: Den günstigen Preisen stehen im Falle von Mängeln und Schäden hohe Reparaturkosten entgegen. Der Captiva 2.0 2WD 7-Sitzer LS Family Edition mit 110 kW/150 PS von 2010 wird laut Schwacke-Liste zu durchschnittlich 9900 Euro gehandelt, bei 117 000 Kilometern Laufleistung. Noch 16 150 Euro muss einplanen, wer es auf den 2.2 TD 4WD LT+ von 2013 mit 135 kW/184 PS abgesehen hat (70 200 Kilometer). 8050 Euro notiert Schwacke für den 2.4 4WD 7-Sitzer LT mit 100 kW/136 PS von 2008. Für das gleiche Modell als Autogasversion müssen 850 Euro mehr eingeplant werden (je 109 200 Kilometer).

Fotocredits: Chevrolet
(dpa/tmn)

(dpa)
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