Torhüter Wolff plaudert über Olympia und Tore

Rio de Janeiro – Andreas Wolff hält, trifft – und nun spricht er auch wieder. Einen Tag vor dem dritten Vorrundenspiel gegen Brasilien hat der Torhüter der deutschen Handballer sein sechstägiges Schweigegelübde gebrochen.

Seit Beginn der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro und seinem Verzicht auf die Eröffnungsfeier hat der EM-Held öffentlich kein Wort mehr gesagt, um keinen zu benachteiligen. «Deswegen habe ich gesagt, ich spreche nach Möglichkeit mit niemandem – und wenn, dann in Absprache mit dem Trainerteam in wohlüberlegten Zeitfenstern.»

In der internationalen Zone des Olympischen Dorfes ist es voll. Ständige Regenschauer treiben Sportler und Journalisten in das große Einlasszelt. Andreas Wolff steht etwas am Rand und erzählt entspannt und gelöst über seine olympischen Eindrücke. «Es ist eine sehr beeindruckende Atmosphäre. Man sieht wie breitgefächert der Sport ist. Das ist schon ein ganz besonderes Feeling hier», sagt er.

Seit seinen Glanztaten bei der EM in Polen ist er gefragt. Es sei eine Art Selbstschutz, dass er in Rio im Gegensatz zur Zeit davor nicht einmal vor Fernsehkameras getreten ist. «Ich gebe ja wenig Interviews, um mich auf das Sportliche zu konzentrieren», sagt der Schlussmann, der ab dieser Saison beim Rekordmeister THW Kiel spielt.

Usain Bolt, Michael Phelps – gut und schön. Doch Wolff hat nur den Handball im Sinn. «Ich versuche, mich noch mehr zu fokussieren und lasse mich auch von dem ganzen Drumherum hier nicht beeindrucken und ablenken.» Beachvolleyball sei interessant, besonders wenn die Frauen spielen. Aber: «Das ist mir zu viel Reisestress.»

Das Sportliche sieht aus seiner Perspektive glänzend aus. Zwei Spiele, zwei Siege, 4:0 Punkte. «Da gibt es wenig zu mäkeln.» Zudem hat sich der 25-Jährige im olympischen Turnier mit zwei Treffern als Torschütze einen Namen gemacht, als er beim 32:29 gegen Polen einen Ball über das gesamt Spielfeld zum 6:4 ins Tor warf. «Ich habe jetzt auch ganz klar die Torjägerkrone ins Visier gefasst», scherzt er.

Rückraumspieler Fabian Wiede, der es bisher auf zehn Treffer gebracht hat, hat daran auch seine Freude. «Wenn er jedes Mal so trifft, habe ich nichts dagegen, wenn er mich überholt», sagt er Berliner. Bundestrainer Dagur Sigurdsson sieht das nüchterner. «Lasst uns das mal alles nicht so dramatisch machen. Wir spielen hier einfach Handball. Er hat zwei Spiele gut gehalten», betont er.

Und nun kommt Brasilien, der Gastgeber, der zum Auftakt mit 34:32 gegen den WM-Dritten Polen gewonnen und im zweiten Spiel Slowenien beim 28:31 in Bedrängnis gebracht hat. «Ich denke, dass Brasilien eine starke Herausforderung wird», sagt Wolff und fügt an: «Ich erwarte, dass das ein richtig harter Fight wird.»

Fotocredits: Marijan Murat
(dpa)

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