Touristen in Grosstädten – Ökologisch wertvolle Geschwindigkeitshemmer

Sie treten meist im Rudel auf, sind erkennbar an modisch dezenter, neonfarbener Outdoorkleidung, und verkörpern den Inbegriff des vielzitierten Trends „Entschleunigung“. Touris haben die Grosstädte der Welt fest im Griff – Und sie denken gar nicht daran, die Adiletten an den Nagel zu hängen.

Das Bild des mustergültigen Touristen variiert von Nation zu Nation, und hängt natürlich von der jeweils betroffenen Lokalität ab. Touris in Berlin kommen aus aller Herren Länder, und es macht natürlich Spass, beim Vorbeischlängeln an den Menschentrauben die jeweilige Nationalität der Weltenbummler zu erraten.

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Touristen in Grosstädten – Sie lauern an jeder Ecke

Und das tun sie besonders an Orten, an denen für Berührungsängste gar kein Platz ist. Wer einmal in den Genuss kam, einen 5 Meter grossen, quietschbunten „Invicta“ Rucksack zärtlich ins Gesicht gerammt zu bekommen, wird es tunlichst vermeiden neben einer italienischen Reisegruppe S-Bahn zu fahren.
Auch kommt es einem Ding der Unmöglichkeit gleich, in einer Tram den Ausgang zu erreichen, wenn Tante Erikas Kegelclub sich zu einem Ausflug in die Hauptstadt überwunden hat und in voller Formation die gesamte Bahn verstopft.

Sprachliche Barrieren und physische Blockaden

Neben der materiellen Blockade können die allseits beliebten Touris aber noch für Versperrung der anderen Art sorgen. Mit geistiger Blockade hat man zu kämpfen, wenn etwa französische Besucher aus dem hintersten Winkel der Pyrenäen keine Einsicht zeigen, den Weg zum Bahnhof auf Englisch erklärt zu bekommen.
Ein anderes Extrem stellen etwas jüngere Gäste aus beispielsweise Australien oder England dar, die ihren Redefluss nur ungern stoppen, sobald sie einen „Einheimischen“ gefunden haben, der des Englischen mächtig ist. Natürlich lässt sich alkoholisiertes Walisisch für den Durchschnittsdeutschen ebenso gut verstehen wie ein obskurer Dialekt aus dem tiefsten Kongo, aber das stört ja keinen grossen Geist.

Was können wir tun?

Bleibt die Frage, wie sich die oben genannten Situationen elegant umgehen lassen. Die Flucht in relativ unbeliebte Trabantenstädte wäre eine radikale, aber sicher zu feige Lösung. Zudem würden sie uns früher oder später sowieso folgen, um die historischen Plattenbauten aus Marzahn einmal mit eigenen Augen gesehen zu haben.
Längerfristig bleibt Berlinern, die Wert auf zügige Fortbewegung legen, wohl nur die Möglichkeit, das Laufen auf Stelzen zu erlernen und so dem beengenden Alltag auf dem Boden zu entgehen.
Ausserdem, so schlecht geht es uns eigentlich nicht. Wenn man sich da andere Stelzenstädte wie Venedig anschaut…

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