Übernachtung „on the Rocks“

Das Eishotel ist außergewöhnlichSie meinen, Sie hätten – was Hotels angeht – schon alles gesehen und erlebt? Luxusherbergen, Wellnesstempel, billige Absteigen und rustikale Pensionen? Okay, dann wird es Zeit, Sie mal „auf Eis“ zu legen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Wo das geht? Im wohl berühmtesten, ungewöhnlichsten und sonderbarsten Hotel der Welt: Dem Eis-Hotel im schwedischen Jukkasjärvi.

Eine Nacht im Eishotel

Jukkasjärvi liegt in Lappland, etwa 200 km entfernt vom Polarkreis. Die kleine Pfarrkirche des Ortes war bis Anfang der 90’er Jahre die einzige Sehenswürdigkeit, und die bekamen eigentlich nur Einheimische zu Gesicht. Tourismus? Fehlanzeige. Zu weit ab vom Schuss, zu unspektakulär. Das hat sich gründlich geändert. Seit 1991 strömen jedes Jahr mehr als 40.000 Menschen nach Jukkasjärvi. Denn dort steht das älteste und spektakulärste Eishotel der Welt. 65 große Betten (natürlich aus Eis), 130 Nachttische (aus Eis), eine Eisbar (aus… na raten Sie mal), eine große Empfangshalle mit Tresen (ebenfalls aus Eis). Kurz: In diesem Hotel gibt es nichts, was nicht gefroren ist. Sogar die Lampen bestehen aus kunstvoll gestaltetem, gefrorenem Wasser. Eine frostige Atmosphäre herrscht dennoch nicht. Klar, kalt ist es, aber dafür gibt’s für jeden Gast Rentierfelle, einen mollig warmen Schlafsack und entsprechende Getränke an der Bar, die für innere Wärme sorgen. Und wenn man bedenkt, dass die Außentemperaturen im Winter gerne mal -20 oder -30 Grad betragen, ist es im Eishotel bei einer Innentemperatur von -5 Grad ganz gemütlich. „Und was“, werden Sie jetzt vielleicht fragen, „was, wenn in Jukkasjärvi mal zu lange die Sonne scheint? Was, wenn’s zu warm wird?“

Jedes Jahr wird das Hotel umgestaltet

Ja, das passiert. Und darum wird das gesamte Gebäude auch jedes Jahr neu gebaut. Denn ab April taut es und da ist es ganz schnell vorbei mit der unterkühlten Schönheit des Eishotels. Doch schon während es schmilzt, beginnt der Erneuerungsprozess: Eis aus dem nahegelegenen Fluss Torne wird während des Sommers in großen Kühlkammern gelagert. Und im November werden dann große Eiswürfel zurechtgemeißelt. 10.000 Tonnen Eis und etwa 30.000 Tonnen Schnee sind die Baustoffe, aus denen das Eis-Hotel auf einer Fläche von etwa 4000 Quadratmetern entsteht. Eis-Stein für Eis-Stein wird das Hotel errichtet, und ab Mitte Dezember bis Mitte April sind dann Gäste willkommen. Diese erleben jedes Jahr ein anderes Eis-Hotel, denn natürlich werden die Räume immer wieder anders gestaltet. Und immer größer wird das Eis-Hotel auch. Inzwischen gehört sogar eine eigene Kirche aus Eis zum Gebäudekomplex. Nicht zu vergessen eine große Ausstellung mit faszinierenden Eisskulpturen, die auch außerhalb der Wintersaison in Jukkasjärvi besichtigt werden kann.

Außergewöhnlicher geht’s nicht

Langweilig wird der Besuch des Eishotels nie. Als Tagesprogramm empfehlen sich Hundeschlittenfahrten, Schneeschuhwanderungen und die nahen Skipisten. Abends sitzt man – zumeist bei Wodka und Whiskey (natürlich „on the rocks“, in Gläsern aus Eis) in der Eis-Hotelbar beisammen, und bestaunt das ungewöhnliche Bauwerk. Und wem das alles noch nicht genug ist, dem sei eine der Suiten des Eis-Hotels ans Herz gelegt. Diese werden Jahr für Jahr von Eiskünstlern neu gestaltet. Eisige Kunst, direkt am Bett sozusagen. Frühbuchen macht Sinn. Das Eis-Hotel hat aus dem verschlafenen Nest Jukkasjärvi einen im Winter gut besuchten Tourismus-Spot gemacht. Zahlreiche Reiseanbieter haben das Eis-Hotel im Programm, bieten Tagesausflüge an und sorgen dafür, dass das Eis-Hotel stets gut besucht ist. Ach ja: Heiraten kann man im Eis-Hotel auch. In der Eis-Kapelle finden regelmäßig Trauungen statt. Und eins dürfte feststehen: Wer im Eis-Hotel heiratet, hat beste Aussichten auf eine echt coole Ehe!

Foto: Moustyk – Fotolia

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