Ungestreute Fahradwege im Winter

Es wird wieder Winter. Matschige Teppichböden gesellen sich zu munteren Rutschpartien. Unzählige gebrochene Knochen und laufende Nasen runden das Bild ab. Das Schlimmste jedoch ist der Versuch, auf vereisten Fahrradwegen voranzukommen.

Für einen Menschen, der auch im Winter nicht auf sein Rad verzichten möchte, gibt es einige Hürden, die den Weg ausgesprochen interessant gestalten: Entweder man versucht durch den Schneematsch so gut es geht vorwärts zu kommen, was in etwa so ausssieht, als würde man sich aus Treibsand befreien wollen, oder man kommt von einer gut gestreuten Straße auf eine, bei der bisher nichts passiert ist, so dass man spontan ins Schlingern gerät. Es gibt natürlich auch die umgekehrte Variante, bei der man durch „Blitz-Salz“ sofort gestoppt wird und über den Lenker absteigt. All dies natürlich gerne im Dunkeln und umringt von Autofahrern, die nicht nach links oder rechts gucken.

Dass Autofahrer sobald die erste Schneeflocke sanft über den grauen Himmel weht, völlig panisch sind, ist ein altbekanntes Problem, dem man sich durch ein wenig Umsicht entziehen kann. Dass aber die Stadtreinigung noch nach Wochen völlig überfordert ist und es nicht schafft, ihre kleinen Krümel flächendeckend zu streuen, ist lebensgefährlich. Nicht nur unsichere ältere Mitbürger, die auf ihren Wegen zum Rentner-Einkauf wie auf Eierschalen laufen, sondern auch todesmutige Fahrradfahrer sind beliebte Opfer der allgemeinen Planungs-Inkompetenz.

(Zur Ehrenrettung darf natürlich auf Versorgungsengpässe und Sparwut eingegangen werden. Dem Radfahrer dürfte dies allerdings einigermaßen egal sein, wenn er wahlweise von der Eisbahn auf den Schotterplatz fährt oder einen unfreiwiligen Slalom absolvieren muss.)

Man könnte auch argumentieren, dass es von vornherein keine gute Idee ist, bei Minusgraden Fahrrad zu fahren: Man friert sich wer weiß was ab, der Bart bildet kleine Eiskristalle und von den Erkältungserscheinungen durch die Verbindung von Kälte und Schwitzen auf dem Rad möchte man gar nicht reden. Dennoch sollte man auf diese Fortbewegungsmöglichkeit nicht aus fremder Leute betriebswirtschaftlichen Gründen verzichten müssen.

Dazu muss man auch das Rad nicht neu erfunden, sondern lediglich Salz an der richtigen Stelle gestreut werden.

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