Vision Mercedes-Maybach Ultimate Luxury im Test

Berlin (dpa-infocom) – Teurer, stärker, breiter – das Wettrüsten auf der Buckelpiste geht weiter und die Geländewagen wachsen immer mehr über sich hinaus. Wer dachte, dass dabei mit Bentley Bentayga und Rolls-Royce Cullinan der Gipfel erreicht wäre, den belehrt Maybach jetzt eines besseren. Ein Fahrbericht.

Um als Nachzügler überhaupt noch irgendwie aufzufallen, haben die Schwaben die Idee vom Luxus-SUV jetzt mit dem Vision Mercedes-Maybach Ultimate Luxury auf die Spitze getrieben. Die im Frühjahr in Peking enthüllte Designstudie tritt deshalb nicht nur protziger auf und ist prunkvoller ausgestattet als Bentley & Co. Sie folgt auch einem völlig neuen Karosseriekonzept und vereinigt erstmals die Idee vom SUV mit der einer Limousine.

Auffallen um jeden Preis

Von vorn mag der Maybach deshalb noch aussehen wie ein gewöhnlicher Geländewagen. Doch von der Seite und vor allem von hinten zeigt der rote Riese mit seinem Stufenheck ein ungewöhnliches Bild, und dabei sind die turbinenartigen 24-Zoll-Felgen noch das unspektakulärste.

Natürlich muss man dieses SUV mit Stufenschnitt nicht schön finden, und um ehrlich zu sein, tut man sich damit wahrscheinlich sogar ein bisschen schwer. Aber der Wagen fällt selbst unter den Geländegängern auf – und um nichts anderes geht es in dieser Liga.

Ein Raum in Rosé

Auch innen trägt Daimler bei der Studie etwas dicker auf als die Konkurrenz. Wenn Geld keine Rolle spielt und man sich nicht um die maschinelle Fertigung kümmern muss, können die Designer aus dem Vollen schöpfen. Deshalb sitzt man im Fond auf weißen Loungesesseln und blickt auf ein Ambiente, das geprägt ist von großen Holzkonsolen und schillernden Oberflächen in Roségold.

Schöne Grüße aus China

Vor allem in China, wo mittlerweile die meisten Maybachs verkauft werden und wo die Studie maßgeblich gestaltet wurde, scheint die luxuriöse Ausstattung den Geschmack zu treffen.

Der Fokus auf Ostasien erklärt auch ein paar andere Details im noblen Fond: Das Bäumchen zwischen den Sitzen ist die chinesische Nationalpflanze. Und wo andere Luxusliner ein Barfach für Whiskey oder Champagner haben, wartet in der Mittelkonsole des Maybach bei exakt 85 Grad ein Service für grünen Tee. Selbst das Rot der Karosserie ist ein Tribut an den wichtigsten Markt – und deshalb der chinesischen Flagge nachempfunden.

Mit Samthandschuhen

Während die Hinterbänkler in einem bei Geländewagen bislang unerreichten Luxus schwelgen, muss der Fahrer ein paar Einschränkungen hinnehmen – zumindest in der Studie. Diese hat zwar Millionen gekostet, weil sie in mehreren Wochen von Hand aufgebaut wurde. Aber dafür muss man sie mit Samthandschuhen anfassen und kann sie kaum schneller als mit Schrittgeschwindigkeit bewegen.

Die Lenkung ist schwergängig, der Wendekreis riesig und die Geländegängigkeit endet am nächsten Kanaldeckel – schon eine Bordsteinkante zwingt die Ingenieure, die den Testwagen begleiten, zur Schnappatmung.

Zukunftsfest dank E-Antrieb

In der Theorie dagegen ist der Maybach so üppig motorisiert, wie es sich für den ungekrönten König der SUV gehört. Und obendrein ist er auch noch zukunftsfest, weil elektrisch angetrieben. An jeder Achse haben die Entwickler zwei Stromer vorgesehen und eine Systemleistung von 550 kW/750 PS in Aussicht gestellt. Damit sollte der Sprint von 0 auf 100 km/h in weniger als fünf Sekunden gelingen und das Spitzentempo locker bei 250 km/h liegen.

Und weil im Fahrzeugboden ein Akku von 80 kWh steckt, kommt das SUV im Smoking bis zu 500 Kilometer weit. Lange Wartezeiten an der Ladesäule mag Maybach den Kunden dabei nicht zumuten. Stattdessen gibt es ein Schnellladesystem mit 350 kW, mit dem man binnen fünf Minuten den Strom für 100 Kilometer zapfen kann.

Ein Traum, der so wohl nie in Erfüllung geht

Schön oder schaurig? Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, doch unbenommen hat Maybach mit dem Ultimate-Luxury-Konzept einen neuen Zugang zum boomenden SUV-Segment gefunden. Oder besser gesagt: hätte. Denn mehr als dieses Einzelstück wird es nicht geben.

Zu groß sind die Investitionen und zu klein die Stückzahlen, als dass sich eine eigenständige Entwicklung für die Luxusmarke lohnen würde. Doch vergebens war das Millionenprojekt trotzdem nicht. Denn zumindest macht es Lust auf den nächsten Mercedes GLS, den es auch als Maybach geben soll. Zwar ist er ohne Stufenheck, ohne Teeservice und auch ohne Elektroantrieb geplant – aber zumindest innen mit Loungesesseln und außen mit reichlich Lametta.

(dpa)
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