Wenige Zuschauer bei deutschen Lieblings-Disziplinen

Pyeongchang – Nach ihrem Gold-Coup konnte Olympiasiegerin Laura Dahlmeier ihr Erstaunen über das fehlende Zuschauerinteresse nicht verbergen.

«Für ein olympisches Rennen erwartet man schon mehr Zuschauer, aber letztlich muss der Athlet selber laufen», sagte der Biathlon-Topstar aus Garmisch-Partenkirchen nach dem überlegenen Sprint-Sieg. Während bei den Weltcups in Antholz, Ruhpolding oder Oberhof täglich Zehntausende Fans dabei sind, waren es in Pyeongchang nur ein Bruchteil – doch das hat zumindest für Dahlmeier auch etwas Positives: «Am Ende ist es mir aber eigentlich lieber so, als wenn da 50.000 Leute schreien und da Vollgas geben.»

Offiziell nur bis zu 61 Prozent war das ohnehin recht kleine Stadion der Biathleten zum Auftakt ausgelastet, teilte das Organisationskomitee mit. An der benachbarten Normalschanze verloren sich anschließend beim vom Winde in die Länge gezogenen Mitternachts-Skispringen auch nur wenige Besucher. Kein Vergleich zu den stimmungsvollen Weltcups in Zakopane, Willingen oder Innsbruck. Bei der Blumenzeremonie für Olympiasieger Andreas Wellinger waren dann auch höchstens noch 100 Zuschauer dabei. Die internationale Fernsehregie hatte Mühe, genügend jubelnde Fans ins Bild zu setzen, um zumindest ein wenig Atmosphäre in die Wohnzimmer zu transportieren.

«Also die, die da immer noch stehen, da muss ich sagen: Respekt!», sagte Wellinger und bedankte sich höflich bei der Unterstützung der wenigen koreanischen Fans. Allerdings sagte der 22-Jährige auch: «Noch lieber wäre es mir natürlich gewesen, wir wären in München gestanden und hätten das feiern dürfen.» Doch Wellingers bayerische Heimat war mit der Bewerbung für die Austragung der Winterspiele gescheitert.

Gerade zu den in Deutschland besonders populären Winter-Disziplinen kamen in Pyeongchang zum Auftakt vergleichsweise wenige Zuschauer. Das Organisationskomitee wertet derzeit aus, wie viele ausländische Fans überhaupt Karten für die Spiele in Südkorea gekauft haben. Am Sonntag teilten die Veranstalter mit, dass 82,7 Prozent der Tickets verkauft sind, insgesamt seien das aktuell 884.000 Eintrittskarten.

Auch der erst 17 Jahre alte Freestyle-Snowboarder Redmond Gerard wunderte sich nach seinem Olympiasieg über die leeren Tribünen bei der Blumenzeremonie. Charmant sagte er: «Ich denke, dass die Leute ziemlich überrascht sind, dass ich gewonnen habe.»

Die koreanischen Fans interessieren sich vor allem für die Wettbewerbe in den Eishallen an der Küste von Gangneung, vorrangig für Shorttrack und Eiskunstlauf. Nur rund 200 niederländische Eisschnelllauf-Fans sind hingegen bislang nach Asien gereist. Zu den Winterspielen nach Vancouver 2010 und Sotschi 2014 kamen sie noch zu Tausenden.

Die Stimmung leidet außerdem unter dem eiskalten Wind. Kaum 200 Fans hatten sich am Samstagabend zur ersten Siegerehrung auf der Medal Plaza eingefunden, als IOC-Präsident Thomas Bach der schwedischen Langläuferin Charlotte Kalla die Goldmedaille überreichte. Für die Besucher des Parks neben dem Olympiastadion waren die Pavillons, in denen sie in virtuelle Welten eintauchen können, interessanter als die Medaillenvergabe gleich nebenan.

Überhaupt beherrscht das Thema Elektronik diese Spiele. Der Regisseur der Eröffnungsfeier, Song Seung Hwann, hatte gesagt: «Wir sind weltweit führend in der IT-Branche. Wir wollen vorführen, dass wir ein kleines, aber starkes Land sind.» Dass es bei der Eröffnungsfeier «technische Probleme gab» und ein wichtiger Server ausfiel, kratzt an diesem Bild. Das Organisationskomitee gab vorerst keine weiteren Informationen. Eine Untersuchung läuft.

Fotocredits: Mike Egerton
(dpa)

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