Wenn Trainer zu Gold-Machern werden

Pyeongchang – Sie rennen schreiend den Berg nach oben oder recken auf dem Turm die Fäuste in die Höhe. Wenn die deutschen  Topsportler ihre Höchstleistungen abrufen und um Gold, Silber und Bronze kämpfen, geraten sie in den Hintergrund, weil ihre Arbeit längst getan ist: die Trainer.

Im Gegensatz zum Fußball, wo Erfolg und Misserfolg in aller Regel auf die Übungsleiter projiziert und an ihnen gemessen wird, wird beim olympischen Wintersport nur wenig über die Macher des Erfolgs gesprochen. Joachim Löw? Kennt quasi jeder. Aber wer sind eigentlich Jan van Veen und Martin Skotnicky?

Dabei sind Olympiasiege wie der von Laura Dahlmeier im Biathlon oder Andreas Wellinger im Skispringen auch das Resultat jahrelanger Arbeit und eines Prozesses, den meistens hauptverantwortlich die Trainer gesteuert haben. «Werner schafft es sehr gut, die unterschiedlichen Teams zusammenzufügen, dass alle am selben Strang ziehen und der Athlet sich zu 100 Prozent konzentrieren kann», sagte Wellinger über seinen Bundestrainer Werner Schuster. Der Österreicher begleitet die DSV-Adler seit knapp zehn Jahren und führte sie aus einer ihrer schwersten Krisen wieder an die Spitze.

Biathlon-Coach Mark Kirchner, selbst 1992 und 1994 Olympiasieger, pflegt ein enges und freundschaftliches Verhältnis zu seinen  Athleten, von denen Arnd Peiffer überraschend zu Gold lief. Bei großen Erfolgen, wie Sprint-Gold für Peiffer oder dem WM-Titel von Benedikt Doll wird Kirchner auch gerne emotional. «Ich hatte schon so ein Gefühl und habe nach dem Essen gesagt, heute wäre der Arnd wäre mal dran. Es ist unglaublich», sagte er am Sonntag.

Zumindest vielen Fernseh-Zuschauern geläufiger ist aber Andreas  Stitzl, der bei Biathlon-Rennen häufig die Anstiege hinauf sprintet und die Athleten mit seinem bekannten «Auf geht’s» nach oben treibt. Stitzl führt damit die alte Tradition von Fritz Fischer fort, der für seine Schreie am Berg fast schon legendär war.

Die deutschen Gold-Schmiede bei Olympia, das sind oft gestandene Routiniers und ehemalige Sportler. Ex-Weltmeister Hermann Weinbuch bei den Nordischen Kombinierern und der frühere Olympia-Teilnehmer  Norbert Loch bei den Rodlern sorgen in deutschen Kernsportarten schon seit vielen Jahren für große Erfolge und viele Medaillen. «Er kann auch mal lauter werden und einen in seinem bayerischen Dialekt anraunzen», sagt Olympiasieger und Fahnenträger Eric Frenzel über seinen Lehrmeister Weinbuch. 

Der 55-jährige Loch ist nicht nur seit zehn Jahren Bundestrainer, sondern auch Vater des erfolgreichen Rodlers Felix Loch, der nach seinem verpatzten letzten Lauf viel Trost brauchte, um über Rang fünf im Männer-Einzel hinwegzukommen. «Man ärgert sich natürlich. Da fehlen einem ein wenig die Worte. Da ist es eigentlich ganz schön, wenn der Vater einfach da ist», sagte Loch Junior. Die Lochs legen Wert darauf, das private Vater-Sohn-Verhältnis und das Zusammenspiel zwischen Athlet und Bundestrainer strikt zu trennen.

Die Alpinen setzen seit Olympia 2014 im Männerbereich auf Maria Höfl-Rieschs früheren Frauen-Bundestrainer Mathias Berthold und ernten mit den Siegen von Josef Ferstl in Gröden und Thomas Dreßen in Kitzbühel nun die Früchte für jahrelange Arbeit.

Weniger bekannt, aber nicht weniger geschätzt ist der Niederländer Jan van Veen, der die Eisschnellläufer betreut. «Mit Jan habe ich die Lust am Laufen zurückgewonnen», sagt Gabi Hirschbichler über den Coach. Der 70 Jahre alte Skotnicky betreut die Eistänzer und erlebt bereits seine siebten Olympischen Spiele. «Es ist toll mit ihm, er ist superlustig und motivierend», sagte Eistänzerin Kavita Lorenz.

Fotocredits: Hendrik Schmidt
(dpa)

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