WM-Wochenende Nummer zwei: Auch Deutschland strauchelt

WM-Wochenende Nummer zwei: Auch Deutschland strauchelt Das zweite WM-Wochenende hatte mal wieder einige dicke Überraschungen im Gepäck: unerwartete Siege, kämpferische Glanzleistungen und strauchelnde Fußballnationen. Großer Gewinner dieses Wochenendes ist klar Costa Rica – absolut verdient gewann das Team aus der Karibik mit 1:0 gegen den viermaligen Weltmeister Italien.

Der Freitag

Was ist das nur für eine WM? Im ersten Topspiel des Wochenendes traf am Freitagabend Costa Rica auf Italien – und gewann spektakulär. Damit steht das Team aus der Karibik nicht nur vorzeitig sicher im Achtelfinale, sondern sorgte auch dafür, dass Italien zittern muss und England nach der Vorrunde nach Hause fliegen darf. Mit sechs Punkten führt Costa Rica, das auch das erste Spiel gegen Uruguay unerwartet aber verdient gewann, die Tabelle an – ein Weiterkommen Englands wäre nur mit einem Sieg Italiens möglich gewesen. Schon in der 44. Minute zerstörte Costa Ricas Kapitän Bryan Ruiz die Mini-Hoffnungen der Engländer – die zahlreichen vergebenen Chancen der Italiener sorgten für das Übrige. 1:0 hieß es am Ende für Costa Rica – dabei wäre sogar noch ein höherer Sieg möglich gewesen.

Ebenfalls am Freitag spielte Frankreich gegen die Schweiz – und schoss sich in den Kreis der WM-Favoriten. Mit einem 5:2-Sieg düpierten ‚Les Bleus‘ das Team von Ottmar Hitzfeld. Nach nicht einmal 20 Minuten sorgte ein Doppelschlag Frankreichs für die erste Verunsicherung der Schweiz: Nur eine Minute nach dem 1:0 von Olivier Giroud (17.) traf Blaise Matuidi zum 2:0. In der 33. Minute gab es dann einen Foulelfmeter für Frankreich – doch Benzema scheiterte an Schweiz‘ Torwart Diego Benaglio. Noch vor der Pause sollte dann aber doch noch ein drittes Tor für Frankreich fallen, in der 40. Minute traf Mathieu Valbuena. Nach der Pause machte Karim Benzema dann seinen vergebenen Elfmeter wieder wett, das 4:0 fiel nach 66 Minuten. Für das 5:0 sorgte in der 73. Minute Moussa Sissoko. Dann war es an der Schweiz, ein bisschen Schadensbegrenzung zu betreiben – für mehr als ein 5:2 reichte es aber nicht. Die Tore machten Blerim Dzernaili (81.) und Granit Xhaka (87.) Damit ist Frankreich sicher weiter, die Schweiz muss zittern.

In der Nacht zu Sonnabend traf Honduras auf Ecuador. Das Spiel endete mit einem 2:1-Sieg für Ecuador. In dem wilden Duell der beiden Mannschaften schoss Enner Valencia seine Mannschaft mit zwei Toren zum Sieg (35. und 65. Minute). Zwar war zuvor Honduras durch einen Treffer von Costly in Führung gegangen (32.), doch am Ende konnte das Team gegen spritzige Ecuadorianer nichts mehr ausrichten.

Der Sonnabend

Das erste Spiel am Sonnabend bestritten Argentinien und der Iran. Dabei konnte Argentinien seine klare Favoritenrolle nicht ausspielen – um ein Haar wäre das Team um Superstar Messi sogar sensationell gestrauchelt. Über volle 90 Minuten wollte das erlösende Tor nicht gelingen, Argentinien spielte schwach, ohne Tempo oder statischen Spielaufbau. Die Iraner hingegen taten zwar auch nichts für ein Tor, bildeten aber ein so festes Bollwerk in der Abwehr, dass es für Argentinien einfach kein Durchkommen gab. Erst in der 91. Minute war es Lionel Messi, der für den 1:0-Endstand sorgte. Überzeugen konnte bei dem Argentinien-Sieg aber eher der Iran durch seine starke kämpferische Leistung.

Dann endlich das Spiel, worauf wir alle gewartet haben: Deutschland gegen Ghana. Doch auch hier gab es eine Überraschung: die Souveränität aus dem Portugalspiel war bei der deutschen Mannschaft wie weggeblasen. Ghana erwies sich als unerbittlicher Gegner, war quirlig und bereit zu kämpfen. Jogis Jungs hingegen wirkten müde und probierten es besonders in der ersten Halbzeit mit Standfußball. Mit 0:0 ging es in die Pause, das 1:0 für Deutschland fiel – völlig aus dem nichts – in der 51. Minute. Nach einer Flanke von Müller köpfte sich Götze aufs eigene Knie und netzte den Ball so ein. Der Ausgleich fiel nur drei Minuten später nach einem Fehler des eingewechselten Mustafi – Andrew Ayew gewann das Kopfballduell und traf zum 1:1. Auch das 2:1 ging auf Ghanas Konto. Nach einem schlimmen Fehlpass von Lahm traf Ghanaer Gyan. Löw reagierte und brachte Schweinsteiger und Klose. Minuten später wurde er für den Wechsel belohnt: Klose grätschte den Ball über die Linie, sorgte für das erleichternde 2:2 und schoss sein 15. WM-Tor – zog also mit dem bisherigen Rekordschützen Ronaldo gleich. Nun gibt es für die Deutschen gegen die USA also auch ein kleines Endspiel – wer hätte das nach dem Portugalspiel gedacht?

In der Nacht zu Sonntag besiegelte der 1:0-Sieg von Nigeria das WM-Aus von Bosnien-Herzegowina. Damit machte der Afrikameister einen großen Schritt Richtung Achtelfinale. Das Tor schoss Peter Odemwingie in der 29. Minute. Zuvor war ein Tor von Bosnier Edin Dzeko nicht anerkannt worden – wieder einmal wurde fälschlicherweise auf Abseits entschieden. Trotzdem musste sich Bosnien-Herzegowina klar geschlagen geben. Nigeria war über weite Strecken die stärkere Mannschaft und holte den Sieg nicht unverdient.


Der Sonntag

Am Sonntagabend ging es dann für Belgien gegen Russland ran. Dabei siegte das zweitjüngste Team dieser WM mit 1:0 gegen Russland und sicherte sich so den Einzug ins Achtelfinale. Für das späte Tor in Rio de Janeiro sorgte in der 88. Minute eine Flanke von Eden Hazard auf Stürmer Divock Origi, der den Ball unhaltbar einschob. Zuvor schenkten sich beide Mannschaften nichts – doch gerade in den entscheidenden letzten zehn Minuten konnte Belgien die Oberhand behalten.

Das zweite Spiel des Abends bestritten Südkorea und Algerien. Im Außenseiterduell besiegte Algerien Südkorea mit einem Torfestival, die Tore schossen Islam Slimani (26. Minute), Rafik Halliche (28.), Abdelmoumene Djabou (38.) und Yacine Brahimi (62.). Für Schadensbegrenzung auf südkoreanischer Seite sorgten zwei Bundesliga-Profis: Heung-Min Son traf in der 50. Minute und Ja-Cheol Koo in der 72.. Damit feierte Algerien seinen ersten WM-Sieg seit 1982.

Auf das Spiel in der Nacht zu heute werden sicher auch Jogis Jungs gespannt geschaut haben: Unsere Gruppengegner USA und Portugal mussten gegeneinander ran. Eher glücklich für Portugal hieß es am Ende 2:2. Bis zur Nachspielzeit führte die USA mit 2:1 gegen Ronaldo und Co. Das 1:0 ging jedoch auf Portugals Konto: Aus kurzer Distanz netzte Nani nach fünf Minuten den Ball ein. Den Ausgleich besiegelte der frühere Bundesliga-Profi Jermaine Jones in der 64. Minute. Der Führungstreffer der USA fiel in der 81. Minute durch Dempsey. In der Nachspielzeit traf dann aber auch Portugal noch einmal: Nach einer Flanke von Ronaldo köpfte Valera den Ball zum 2:2-Endstand. Damit steht Portugal fast sicher vor dem Aus – Deutschland reicht ein Unentschieden gegen die USA zum Weiterkommen. Auf Absprachen zwischen Bundes-Jogi und dem ehemaligen Bundes-Klinsi dürfen wir aber nicht hoffen: Beide kündigten an, bis Donnerstag auf keinen Fall mehr miteinander telefonieren zu wollen.

Heute Abend finden erstmals Spiele zeitgleich statt: Um 18 Uhr deutscher Zeit spielt Australien gegen die schon sicher ausgeschiedenen Spanier, auch die beiden Spanienbesieger Niederlande und Chile treffen aufeinander, um 22 Uhr spielt Kamerun gegen Brasilien und Kroatien gegen Mexiko.

Bild: Thinkstock, iStock, Ig0rZh

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