Wolfsburg nach 0:1 bei Hertha tiefer in Abstiegssorgen

Berlin – «Absteiger, Absteiger» schallt es aus der Hertha-Kurve. Mit einem 1:0-Sieg vergrößern die Berliner die Probleme des VfL Wolfsburg im Kampf um den Klassenverbleib. Die Niedersachsen um den glücklosen Mario Gomez beklagen eine eklatante Chancenverschwendung.

«Wir haben heute in der Chancenverwertung versagt», konstatierte Manager Olaf Rebbe nach der dritten Niederlage in den vergangenen vier Spielen, die die Sorgen um den Klassenverbleib vergrößerte. «Wir haben hier fünf hundertprozentige Chancen. Ich glaube, Berlin weiß heute nicht ganz, warum sie gewonnen haben. Wir haben uns heute selber geschlagen.» Vor der Partie gegen den FC Bayern beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz weiter nur einen Punkt.

Statt Gomez, der selbst mindestens zwei Treffer hätte erzielen können, wurde Herthas Vedad Ibisevic vor 42 521 Zuschauern mit seinem zwölften Saisontor (59. Minute) zum umjubelten Helden. Durch das siebte 1:0 ihres Kapitäns in dieser Spielzeit festigten die Berliner den fünften Tabellenplatz in der Fußball-Bundesliga und besitzen beste Chancen auf die Qualifikation für die Europa League.

«Das gibt mentale Stärke, Kompliment an die Jungs», lobte Hertha-Trainer Pal Dardai, dessen Team vor allem in der Anfangsphase noch deutlich unterlegen war. «Nach grausamen 20 Minuten haben sie es hingekriegt, alles unter Kontrolle bekommen. Das sollte uns Kraft geben für die letzten Spiele.» Drei Erfolge aus den verbliebenen fünf Spielen hatte der Ungar vor der Partie als Ziel für Europa ausgegeben – zwei aus vier heißt damit die neue Hertha-Rechnung.

Die Partie begann zunächst noch mit vertauschten Rollen: Wolfsburg legte mit dem Selbstbewusstsein eines vermeintlichen Aspiranten auf die internationalen Plätze los, die Berliner präsentierten sich unkonzentriert. Nach nur 18 Sekunden vergab Yunus Malli die erste Großchance, Gomez gab die Vorlage. Fünf Minuten später konnte der Angreifer den starken Rune Jarstein ebenfalls nicht überwinden – der Norweger im Hertha-Tor lenkte den Flachschuss mit den Fingerspitzen zur Ecke. «Wir hatten das ein oder andere mal Glück – und Rune, der uns schon öfter den Arsch gerettet hat», schwärmte Ibisevic vom Keeper.

Gomez blieb an jeder gefährlichen VfL-Aktion beteiligt, seinen Querpass donnerte Maximilian Arnold zehn Minuten später über das Tor (35.). Hertha brauchte nach dem Negativrekord mit der achten Auswärtsniederlage beim 0:1 in Mainz in der Vorwoche einige Zeit, um zur gewohnten Abgeklärtheit vor heimischem Publikum zu kommen.

Auch nach der Pause behielt Hertha die Initiative und schockte den VfL nach knapp einer Stunde. Der zuletzt gelbgesperrte Vladimir Darida trieb den Angriff an, den ersten Ibisevic-Kopfball nach Flanke von Alexander Esswein konnte Wolfsburgs Torwart Koen Casteels zunächst noch nach vorne klatschen, war dann aber machtlos.

Offensiv blieb der VfL ohne Erfolg. Nach dem Rückstand traf Gomez aus sechs Metern die Latte (66.). «Es gibt ein altes Gesetz im Fußball: Wenn du die Chancen selber nicht nutzt, dann macht der Gegner das für dich», sagte VfL-Coach Andries Jonker. «Und am Ende kassierst du dann eine sehr enttäuschende Niederlage.»

Gegen München forderte auch Manager Rebbe einen ähnlich mutigen Auftritt wie in Berlin – und sprach danach, ohne konkret zu werden, von «komischen Dingen». «Wenn Hertha diese Art hat, dann ist das so. Mehr muss ich dazu nicht sagen. Wir müssen unsere Chancen reinmachen, egal ob einer spuckt, oder unfair ist oder gegen uns gepfiffen wird.»

Fotocredits: Annegret Hilse
(dpa)

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