Zwischen Party und Besuchsverbot: Spagat für deutsche Asse

Pyeongchang – Die Gold-Mission von Biathlon-Königin Laura Dahlmeier hat ihren Preis. Party-Queen wird und kann sie bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang nicht werden. Erst am kommenden Donnerstag wird sie ihren letzten Loipen-Einsatz haben, drei Tage vor Ende aller Wettkämpfe.

«Wenn wir nicht irgendwie deutsches Fernsehen streamen könnten, würden wir überhaupt nichts mitbekommen», sagte die 24 Jahre alte Bayerin.

Richtig bitterlich hatte sich zuvor Shorttrackerin Anna Seidel darüber beschwert, dass ihr die Zerstreuung bei anderen Wettkämpfen sogar untersagt worden war. «Ich brauche die Ablenkung, aber der Verband erlaubt es nicht», sagte die Dresdnerin.

Trotz der Klage blieben die Funktionäre hart. «Es geht hier um Professionalität. Solange der Wettkampf läuft, muss der Fokus allein darauf liegen», sagte Robert Bartko, der Sportdirektor der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft. «Sobald der Wettkampf vorbei ist, gibt es eine völlig neue Situation», fügte Bartko hinzu.

Bis dahin dürfte in den beiden olympischen Dörfern die Fröhlichkeit bei denen zunehmen, die ihre Pflicht auf Eis und Schnee erfüllt haben – und ihre gute Kondition beim Feiern weiter ausspielen. Und wem nach anderweitiger Ertüchtigung der Sinn steht: 100.000 Kondome sollen schon seit Öffnung der Dörfer bereit liegen.

Teamgeist geht aber auch weiter vor privatem Glück. «Nach den Wettkämpfen will ich woanders noch live dabei sein», kündigte Natalie Geisenberger, die Doppel-Olympiasiegerin im Rodeln an. «Ich möchte gern zum Eishockey, definitiv auch zum Biathlon und an die Snowboard-Halfpipe gehen. Das macht Olympia aus.»

Die Eishockey-Spieler haben das olympische Touristik-Programm gleich am Anfang erledigt und sich als Glücksbringer erwiesen: Sie standen bei Dahlmeiers ersten beiden Olympiasiegen an der Loipe und beim Gold-Flug von Andreas Wellinger an der Schanze. Vor dem Start des Turniers beendete Bundestrainer Marco Sturm aber die Liebe der harten Jungs zum Fan-Sein und verbot auch Besuche im Deutschen Haus, das zum coolen Treffpunkt der Athleten geworden ist.

«Wir sind richtig überrascht. Es ist eine super Location», staunte Tobias Arlt, der mit Tobias Wendl zu Olympiasiegen auf dem Doppelsitzer und im Team gerast war, am Freitag. Nach dem Ende der erfolgreichen Jagd nach Doppel-Gold will er nun öfter dort einkehren: «Nicht nur zum Feiern, sondern auch zum Anfeuern und die Stimmung genießen.»

Seinen Partner Wendl würde dagegen mehr ein paar Runden auf dem Birch Hill Golfplatz, in dessen Clubhaus das Deutsche Haus eingezogen ist, reizen. «Wenn es wärmer wäre, könnte man Golf spielen», scherzte er «Gibt es denn keine Golfplatz-Heizung?»

Noch nicht ganz im Hier und Jetzt und schon gar nicht auf Leberkäse und Weißbier eingestellt waren Aljona Savchenko und Bruno Massot. Einen Tag nach ihrer Wahnsinns-Kür im Paarlauf hatten sie noch keinen Kopf für ein olympisches Programm ohne Eis unter den Füßen. «Im Moment weiß ich die weiteren Schritte nicht, nur dass wir am Schlusstag die Eiskunstlauf-Gala haben und einen Tag später abfliegen», sagte Savchenko und fügte an: «Wir werden aber alles mitnehmen und auch ein paar Wettkämpfe anschauen.»

Fotocredits: Petter Arvidson
(dpa)

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