«1. Video-Begnadigung»: Frankfurt und der Schiedsrichter

Frankfurt/Main – Dieser Fall war selbst in den Zeiten des viel diskutierten Videobeweises eine Premiere: Die «1. Video-Begnadigung» in der Fußball-Bundesliga, titelte die «Bild am Sonntag» nach dem Spiel zwischen Eintracht Frankfurt und dem FC Bayern München (0:1).

Der Frankfurter Marius Wolf sah in der 72. Minute die Rote Karte, weil er James Rodriguez gefoult hatte. Der 22-Jährige stapfte bereits frustriert Richtung Kabine und bekam deshalb auch gar nicht mehr mit, wie der Schiedsrichter Harm Osmers einen Hinweis von seinem Video-Assistenten Frank Willenborg bekam. Der Referee schaute sich die Szene noch einmal auf dem Monitor am Spielfeldrand an, danach war für ihn klar: Rot ist zu hart, eine Gelbe Karte reicht aus – jetzt muss nur noch der Frankfurter Spieler zurück auf den Platz.

«Ich war schon an der Tür zur Kabine», erzählte Wolf hinterher. «Plötzlich holte mich unser Zeugwart zurück. Ich hatte mein Trikot noch an. Der Schiedsrichter kam zu mir und hat sich entschuldigt.»

Unmittelbar nach dem Platzverweis sei er noch stinksauer gewesen. «Für mich war das Foul keine Rote Karte», sagte Wolf. «Aber als ich dann wieder auf dem Platz stand, war ich natürlich glücklich.»

Schiedsrichter Osmers wurde für sein Verhalten in dieser Szene allenthalben gelobt. Eine Rote Karte für den Bayern-Gegner zurückzunehmen, widerlegte ganz nebenbei auch noch einen Vorwurf, den der Frankfurter Sportvorstand Fredi Bobic hinterher wegen einer ganz anderen Szene erhob: Dass es in diesem Spiel einen Bayern-Bonus gegeben und Osmers den deutschen Meister bewusst bevorzugt habe.

«Bei 17 anderen Bundesligisten wäre es Rot gewesen», sagte Bobic in einem Sky-Interview über ein Foul von Arturo Vidal an Aymen Barkok in der siebten Minute. Klare Notbremse, schimpften die Frankfurter. Ein anderer Bayern-Spieler hätte noch eingreifen und eine klare Torchance verhindern können, argumentierte der Schiedsrichter.

Das Bittere aus Frankfurter Sicht war: Vidal durfte auf dem Spielfeld bleiben und köpfte nur 13 Minuten später das entscheidende Tor des Spiels. Aber auch Bobic sah später angesichts der starken Leistung der Eintracht ein: «Unsere Mannschaft hat alles rausgehauen und alles gegeben. Sie kann den Platz erhobenen Hauptes verlassen. Das ist eine Niederlage, die vielleicht nicht ganz so wehtut.»

Fotocredits: Arne Dedert
(dpa)

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