340 Mal im Einsatz: Wolfgang Stark pfeift Rekord-Spiel

Frankfurt/Main – Starke Nerven, eine Top-Kondition – und so viel Routine wie kein anderer. Wolfgang Stark hat sich die Blumen verdient, die er an diesem Samstag vor der Partie SC Freiburg – Werder Bremen überreicht bekommt.

Normalerweise sind Schiedsrichter Schelte und Pfiffe gewohnt, diesmal dürfte es sogar Applaus für den Referee aus Ergolding geben: Der 47-Jährige pfeift sein 340. Bundesliga-Spiel und übertrumpft damit Markus Merk. «Erfahrung aus all den Bundesliga-Jahren hilft mir dabei insofern, dass ich viele Spieler und Trainer mittlerweile kenne und weiß, wie sie in bestimmten Situationen reagieren», sagt der 47-Jährige vor seiner Rekord-Begegnung.

Stark gab vor 20 Jahren sein Debüt im Oberhaus, von 1999 bis 2014 war er auch international als FIFA-Referee im Einsatz. Der Bayer war bei den Olympischen Spielen 2008, der Weltmeisterschaft 2010 und der Europameisterschaft 2012. «Wer 20 Jahre auf höchstem Niveau Spiele leitet, verdient großen Respekt. Das ist eine wahnsinnige Ausdauerleistung, man muss sich Jahr für Jahr neu motivieren können», sagte der bisherige Rekord-Mann (339 Spiele) kürzlich im Fachmagazin «Kicker». «Sein Plus als Schiedsrichter ist die große Leidenschaft für diese Tätigkeit. Sie war immer sein Lebensmittelpunkt.»

«Natürlich freue ich mich auf dieses besondere Spiel. Als Schiedsrichter zum 340. Mal ein Bundesliga-Spiel leiten zu dürfen, ist eine große Ehre», meint Stark. Er erreicht im Sommer die Altersgrenze und hört auf. Beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) gibt es aber Überlegungen, ihn als Video-Assistent weiter einzubinden.

Trotz seines Renommees hat Stark natürlich auch Kritik einstecken müssen. Zum Beispiel in seiner schwierigen Nach-WM-Saison 2010/2011, als er in der Partie VfL Wolfsburg gegen Schalke 04 ein Handspiel von Klaas-Jan Huntelaar übersah und dem Unparteiischen von den Wolfsburgern Arroganz vorgeworfen wurde.

Als Krisenmanager erlebte Stark ganz schwierige Momente beim Skandalspiel in der Bundesliga-Relegation zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC 2012. Vor dem DFB-Sportgericht beklagte er damals eine «Hetzjagd» auf seine Person, als er von Lewan Kobiaschwili in den Katakomben sogar geschlagen wurde. Der Berliner wurde für sieben Monate aus dem Verkehr gezogen – die längste Sperre, die in Deutschland jemals für einen Profifußballer verhängt wurde.

In der Bundesliga, von der Stark 2009/10 zum «Schiedsrichter des Jahres» gewählt wurde, seien ihm vor allem die zahlreichen Derbys in besonderer Erinnerung geblieben. «Auch für einen Schiedsrichter sind das tolle Aufgaben, wenn ein Spiel so viele Menschen fasziniert und ins Stadion zieht», erklärt Stark. «Grundsätzlich versuche ich, jede Partie als etwas Einmaliges wahrzunehmen.»

Er hat wie kaum ein anderer die Entwicklung im Schiedsrichter-Wesen mitgemacht: vierter Offizieller, Halb-Profitum neben seinem Beruf als Bankkaufmann, Torkamera, Headset, Fixgehälter für die Referees im deutschen Profifußball, immer wieder Regeländerungen wie im Fall des passiven Abseits, nun die ersten Tests für den Video-Assistenten. «Das Spiel hat sich gewandelt: Es ist viel schneller und athletischer geworden. Das erfordert von uns Schiedsrichtern eine immer professionellere Vorbereitung, auch in Bezug auf Fitness und Kondition», sagt Stark.

Fotocredits: Arne Dedert
(dpa)

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