Ändert sich die Meinung über das „schlechte“ Cholesterin?

Ändert sich die Meinung über das „schlechte“ Cholesterin? Eine neue Studie unter Christopher Ramsden vom National Institute of Health, der amerikanischen Gesundheitsbehörde, weist darauf hin, dass die Verringerung des „schlechten“ Cholesterins im Blut bei manchen Menschen keinen Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen bewirkt. Stattdessen könnte sich dadurch sogar das Risiko, infolge einer Herzerkrankung zu sterben, erhöhen!

Die alte Meinung: Tierische Fette sind „schlechte Fette“!

Seit einem halben Jahrhundert warnen Ärzte und die Weltgesundheitsbehörde (WHO) davor, mehr als 10 Prozent des täglichen Energiebedarfs mit tierischen Fetten (enthalten zum Beispiel in Vollmilch, Butter, Sahne, Speck) zu decken. Tierische Fette sollen die LDL-Cholesterin-Werte im Blut erhöhen und Gefäßverkalkungen fördern. LDL (Low-Density-Lipoprotein) bringt das Cholesterin von der Leber in den ganzen Körper, somit auch in die Herzkranzgefäße. Lagert sich das Fett in den Blutgefäßen ab, spricht man von Arteriosklerose. Diese erhöht das Risiko, dass ein Gefäß verstopft – was zu Brustschmerz und zum Herzanfall führen kann.

Anders sollen die pflanzlichen Fette aus Kernen, Nüssen, Früchten und Gemüse nicht nur das LDL-Cholesterin im Blut verringern, sondern auch das HDL-Cholesterin, das „gute“ Cholesterin, erhöhen. HDL (High-Density-Lipoprotein) bringt das Fett aus dem Blut zur Leber zurück, darum wurde ihm eine Schutzfunktion gegen Gefäßverkalkungen zugesprochen.

Die aktuelle Studie: Steigt das Todesrisiko durch Senkung der Cholesterinwerte?

Die neue Untersuchung zeigt auf, dass die Umstellung von tierischen auf pflanzliche Fette zwar den Cholesterin-Spiegel senkt, aber nicht das Sterberisiko verringert! Eventuell erhöht sich dadurch sogar das Risiko, wie es im BMJ (British Medical Journal) heißt.
Um diesen Verdacht zu erhärten, wurde eine 45 Jahre alte Studie aus Minnesota, die 10.000 Teilnehmer in eine Pflanzenfett- und eine Tierfett-Gruppe einteilte, erneut überprüft. Hier zeigte sich, dass das Sterberisiko infolge von Herzerkrankungen bei den Pflanzenfettkonsumenten sogar erhöht war!

Daraus folgt, dass die Rollen von verschiedenen Fetten in unserem Körper doch noch nicht eindeutig verstanden sind. Als Biomarker für das persönliche Herzanfall-Risiko kann das Cholesterin nicht herangezogen werden.

Freispruch für tierische Fette?

Noch besteht Bedarf an weiterer Forschung, bevor die alten Empfehlungen nicht mehr gelten. Bis dahin empfiehlt es sich, weiterhin ungesättigte Fettsäuren wie Omega-6-Fette, die in beispielsweise in Fisch enthalten sind, sowie mehr Gemüse und Obst zu sich zu nehmen.

Dennoch: Sahne und Butter zu verteufeln, gehört nicht zur gesundheitsbewussten Ernährung!


Bild: Thinkstock, 187540095, iStock, YelenaYemchuk

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