Der Copacabana-Fischer

Rio de Janeiro (dpa) – Es dämmert, Caco steht seicht im Wasser, vor ihm liegt diese wunderschön geschwungene Hügelkette der Copacabana. Ein guter Tag zum Rausfahren. Doch die Idylle trügt.

Caco ist mit 75 Jahren der älteste Fischer von Copacabana, er kennt hier jeden Fisch, aber viele von Cacos Sorte gibt es nicht mehr. Denn die großen Kutter ignorieren immer öfter die Gesetze, fischen bis an die Küste. Da bleibt für die Copacabana-Fischer nicht viel übrig. «Zudem zerstören sie oft auch noch unsere Netze mit ihren großen Schleppnetzen.»

Z13 ist eine traditionelle Fischerkolonie, aber wie lange noch? Caco heißt eigentlich José de Jesus Damasceno, aber alle nennen ihn Caco, hier am Fort von Copacabana, wo die kleine, für Touristen kaum zu sehende Fischerkolonie etwas versteckt liegt. Mit zwei Jahren kam er aus Minas Gerais mit seiner Familie hierhin. Mit 10 Jahren fuhr erstmals raus aufs Meer, seit 65 Jahren ist das nun seine Heimat.

Viele Jahre ruderte er raus, statt wie heute mit einem Motorantrieb Fische zu fangen. Der vernarbte, kräftige Körper ist Spiegelbild eines ereignisreichen Lebens auf See, das Gesicht sonnengegerbt.

Caco wohnt nicht weit entfernt von seinem Boot, oben am Berg mit Meerblick, in der Favela Cantagalo. Cacos drei Kinder haben ihm acht Enkel beschert, denen er reichlich Seemannsgarn erzählen kann.

Er steht mit seinen weißen Haaren und dem weißen Vollbart an einem der Boote und blickt immer wieder aufs Meer. «Wir haben kaum noch Fische in den Netzen», klagt er mit mildem Gesichtsausdruck. Und dann sei da die Meeresvermüllung, viel Plastik findet sich in den Netzen. 300 Meter von der Fischerkolonie entfernt werden sich bald die Triathleten ins Meer stürzen schwimmen; freut er sich auf Olympia? «Ich bewundere die Olympischen Spiele», sagt Caco.

Rio als Bühne, die besten Sportler der Welt. Dann kommt das Aber: «Uns machen die hier alles zu, kein Boot darf während der Wettkämpfe rausfahren», berichtet der Mann, immer noch sanftmütig. So sind die Cariocas, die Bewohner Rios, halt. Dann schon etwas angefasster: «Wovon sollen wir dann leben? Wir werden an den Tagen keinen Real verdienen.» Inzwischen gibt es aber Verhandlungen mit der Stadt. Ein Monatslohn beträgt hier nur 200 bis 250 Euro, je nach Fischausbeute.

Er sorgt sich vor allem, dass wegen der Kosten für Olympia Geld für einen besseren Küstenschutz fehlen könnte. Denn der Kampf gegen die Kutter hat für die Copacabana-Fischer etwas von David gegen Goliath.

Fotocredits: Peter Bauza

(dpa)
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