Deutsche Viererbob-Flotte peilt ersten Dreifacherfolg an

Pyeongchang – Mit sieben Weltcupsiegen in acht Rennen gehen die deutschen Viererbob-Piloten als Topfavoriten ins olympische Rennen der Königsklasse.

Den ersten Dreifach-Erfolg in der 94-jährigen Olympia-Historie halten Experten mit viel Glück für möglich – so wie im Vorjahr bei der WM am Königssee, als Francesco Friedrich und Johannes Lochner zeitgleich zu Gold rasten und Nico Walther Dritter wurde. «Es wird wieder eine enge Kiste, wahrscheinlich noch enger als im kleinen Schlitten», sagte Friedrich, der im Zweierbob zeitgleich mit dem Kanadier Justin Kripps gewann. Nach dem Überraschungsgold von Mariama Jamanka und Lisa Buckwitz soll nun das Sahnehäubchen folgen.

Friedrich gab seinem Team ein Versprechen: «Im Vierer fahre ich besser.» Noch besser als im kleinen Schlitten kann nur Gold bedeuten. Doch der Doppelweltmeister, der wieder in den Tiroler Wallner-Schlitten umsteigen wird, fuhr in diesem Winter keinen Sieg im Viererbob ein. Anders der Berchtesgadener Lochner, der mit vier Weltcupsiegen die Gesamtwertung gewann. «Ich habe die schnellste Kiste», sagte er über seinen Wallner-Bob. Doch wie im Zweierbob hatte er auch bei der Weltcup-Generalprobe im Vorjahr enorme Probleme mit der kniffligen Kurve neun. «Die müssen wir uns jetzt im Training nochmal gut erarbeiten, dann können wir voll angreifen.»

Keine fahrerischen Probleme in der anspruchsvollen Bahn im Olympic Sliding Centre hat der ehemalige Junioren-Weltmeister im Rodeln, Nico Walther. «Ich liebe solche schwierigen Strecken. Sogenannte Autobahnen wie in Innsbruck oder Winterberg kann jeder fahren», sagte Walther, der als feinfühliger Spezialist an den Lenkseilen gilt. Al einziger deutscher Pilot fährt er ohne Handschuhe. Dafür dürfen sein FC Bayern-Socken nicht fehlen. «Meine Glücksbringer, sie haben zwar schon ein Loch, werden aber immer gewaschen», meinte er schmunzelnd.

Der 27-jährige Walther war der einzige Deutsche, der nach dem medaillenlosen Desaster in Sotschi weiter auf die Bobs aus dem Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten aus Berlin (FES) setzte. Und fuhr mit dieser Entscheidung gut. Trotz schwacher Startzeiten raste er in der eher ungeliebten Zweierbob-Entscheidung zur olympischen Halbzeitführung und wurde am Ende Vierter. Beim Saisonfinale in Königssee schob seine erfahrene Crew Startbestzeit und holte den dritten Weltcupsieg. «Er hat hier in Pyeongchang die beste Linie», sagte Heimtrainer Gerd Leopold.

Pünktlich zu Olympia ist aber auch die internationale Konkurrenz auf den Punkt fit. Zu den Hauptkonkurrenten im Kampf um die Medaillen zählen erneut Kripps und sein kanadischer Landsmann Chris Spring, die Letten Oskars Melbardis und Oskars Kibermanis sowie der Schweizer Rico Peter. Auch der Südkoreaner Won Yunjong kann wie im Zweier eine gute Rolle spielen.

Cheftrainer René Spies optimierte vor der Abreise nach Pyeongchang noch einmal die Viererbob-Crews von Lochner und Walther. In den Weltmeister-Vierer von Lochner rutschte als Ersatz für Joshua Bluhm Christian Poser, der im Zweier noch mit Pilot Walther startete. Zudem geben Christopher Weber und Christian Rasp die notwendige Schubkraft. Bei Walther rückte der erfahrene Alexander Rödiger für Poser in den Bob. Zudem setzt der Sachse neben Eric Franke auf die Erfahrung des viermaligen Olympiasiegers Kevin Kuske, der sein letztes Rennen bestreitet. Die Friedrich-Crew bleibt mit Candy Bauer, Martin Grothkopp und Thorsten Margis unverändert.

Fotocredits: Michael Sohn
(dpa)

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