Die neue Einkaufsquittungs-Lotterie

Mit der Steuermoral ist es im Süden Europas traditionell eher schlecht bestellt. Um die in Folge der Finanz- und Eurokrise in Mitleidenschaft gezogenen Staatsfinanzen zu sanieren, wurden die Sanktionen in Italien und Griechenland in den letzten Jahren verschärft. Einen anderen Weg schlägt Portugal mit einer Einkaufsquittungs-Lotterie ein.
Quittung

Mehr Umsatzsteuer erzeugen

In Portugal ist es in vielen Geschäften und bei vielen Betrieben noch durchaus üblich, auf den einen oder anderen Beleg zu verzichten. Denn wo keine Einkaufsquittung existiert, muss auch keine Umsatzsteuer abgeführt werden. Dem portugiesischen Staat gehen auf diese Weise Jahr für Jahr Einnahmen in Milliardenhöhe verloren. Statt aber auf strengere Kontrollen bei der Steuerfahndung zu setzen, hat sich Portugal für eine äußerst kreative Alternative entschieden. Die dahinter steckende Idee ist eine staatliche Lotterie auf Basis von Einkaufsquittungen. Diese können beim Staat eingereicht werden und nehmen Teil an einer Verlosung. Auf diese Weise sollen Kunden animiert werden, bei Einkäufen tatsächlich auf die Ausstellung einer Quittung zu bestehen und nicht, wie sonst vielfach üblich, auf eine solche zu verzichten. Und wie funktioniert die SKL-Lotterie in Deutschland? Informieren Sie sich hierzu zum Beispiel im Ratgeberlog von SKL-Boesche.

Die Schattenwirtschaft eindämmen

Schätzungen von Experten gehen davon aus, dass die Schattenwirtschaft in Portugal etwa 19 Prozent des Bruttoinlandsprodukts beträgt. Gegenüber dem Anteil der Wirtschaft, der in Deutschland ohne Beteiligung des Fiskus abgewickelt wird, ist dies gut der anderthalbfache Wert. Insofern dürften die von der Regierung veranschlagten Kosten der Lotterie von etwa zehn Millionen Euro gut angelegtes Geld sein. Als Hauptpreise sollen bei den Lotterien jeweils Luxusautos verlost werden, wobei sich die Zahl der Ziehungen auf bis zu 60 pro Jahr belaufen soll. Zu diesem Schritt sah sich die portugiesische Regierung nicht zuletzt aufgrund der Tatsache veranlasst, dass eine Anhebung des Umsatzsteuersatzes im Jahr 2012 von 13 auf 23 Prozent in vielen Wirtschaftsbereichen keine nennenswerte Erhöhung der Einnahmen zur Folge hatte.

Die Geschäftswelt reagiert ablehnend

Naturgemäß wird die Idee einer Einkaufsquittungslotterie von den betroffenen Geschäftsleuten besonders kritisch gesehen. Ihrer Argumentation zufolge ist die Ausstellung einer Quittung für den Verzehr einer einzigen Tasse Kaffee schlicht zu zeitaufwändig. Allerdings hat sich inzwischen diese Praxis in den letzten Jahren auch in Südeuropa mehr und mehr durchgesetzt. Aufgrund der Gewinnmöglichkeiten bestehen für eine solche Entwicklung auch in Portugal gute Chancen.

Foto gestellt von: Thinkstockphotos, iStock, NAN104

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