Eine kurze Geschichte des Schweizermessers

Wie viele Funktionen hat es denn? – Eine Frage, die Besitzer von Schweizer Taschenmessern des Öfteren hören, wenn sie das gute Stück neugierigen Augen präsentieren. Das Schweizermesser ist mehr als nur ein einfaches Werkzeug, es ist zum Synonym für einen hohen Funktionsumfang auf engstem Raum geworden. Dabei hat auch dieses berühmte Messer einmal ganz klein, sprich: mit ganz wenigen Funktionen, angefangen.

Eigentlich ein deutsches Stück

Ganz in Rot und mit Schweizer Kreuz versehen, so kennen wir das Schweizer Taschenmesser. Ursprünglich wurde dieses Klappmesser für die Schweizer Armee konzipiert und verfügte in seiner ersten Ausführung über gerade einmal vier Funktionen: Klinge, Schraubendreher, Ahle und Dosenöffner. Kurioserweise kamen die ersten 15.000 Messer des Modells 1890 auch gar nicht aus der Schweiz, sondern aus Deutschland. Erst zu einem späteren Zeitpunkt wurde die Produktion von der Firma Victorinox (früher: Firma Karl Elsner) übernommen, welche die Messer noch bis heute fertigt. Das Schweizermesser wurde jedoch über die meiste Zeit hinweg vornehmlich von zwei Unternehmen produziert, die bereits genannte Firma Victorinox, und die Firma Wenger. Wenger wurde jedoch im Jahr 2005 von Victorinox aufgekauft, da das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. Dies war auch den Anschlägen vom 11. September 2001 geschuldet, denn von nun an durften keinerlei Messer mehr an Bord von Flugzeugen mitgeführt werden. Dadurch fiel nämlich der Verkauf in Duty-Free-Shops auf Flughäfen weg, was schwerwiegende Umsatzeinbuße nach sich zog. Als Marken werden Wenger wie Victorinox jedoch eigenständig weitergeführt.

Bis ins Guinness-Buch

Das ursprüngliche Schweizer Armeemesser wurde im Laufe der Zeit mehrfach an die sich ändernden Bedürfnisse der Soldaten angepasst. Die jeweilige Modellbezeichnung enthält immer auch die Jahreszahl seiner Einführung. Dem Modell 1890 folgten noch vier weitere: 1908, 1951, 1961 und das aktuelle Modell 2008. Die Schweizermesser für die Armee unterscheiden sich jedoch in einigen Punkten von den zivilen Varianten. Der Funktionsumfang ist auf das Wichtigste beschränkt und auch die berühmten roten Griffschalen fehlen. Stattdessen kommt das aktuelle Modell in einer olivfarbenen Schale daher, während sein Vorgänger komplett in Silber gehalten wurde. Besser bekannt als sein militärischer Vertreter ist die zivile Variante des Schweizer Taschenmessers. Über die Jahre kamen immer neue Messer mit immer mehr Funktionen auf den Markt. Wenger schaffte es sogar, mit einem seiner Messer einen Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde zu erzielen. Das Giant Knife 2007 vereint 87 Werkzeuge mit insgesamt 141 Funktionen in einem Gerät. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Schweizer Taschenmesser für spezielle Anwendungsbereiche, der Vielfalt sind hier keinerlei Grenzen gesetzt.

Picture: Lucky Dragon – Fotolia.com

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