Kombinierer wollen Gold-Hattrick – «Team der Superlative»

Pyeongchang – Die Szene bei der Siegerparty im Deutschen Haus hatte Symbolkraft: Die drei Medaillenhelden um Olympiasieger Johannes Rydzek wollten sich nicht alleine feiern lassen, sie holten auch den Trainerstab und die Kombinierer-Kollegen Vinzenz Geiger und Björn Kircheisen auf die Bühne.

Nach dem historischen Dreifach-Triumph stand bereits die Mannschaft im Vordergrund, passend zum letzten Höhepunkt der Nordischen Kombinierer bei den Winterspielen in Pyeongchang am Donnerstag (08.30/11.20 Uhr MEZ). Noch einmal so eine Teamleistung – und die Kombinierer fahren mit der Maximalausbeute von drei Goldmedaillen zurück in die Heimat.

«Uns würde keiner abnehmen, wenn wir nach den Einzelergebnissen jetzt sagen, eine Medaille ist unser Ziel», sagte Bundestrainer Hermann Weinbuch und versuchte gar nicht, die Favoritenbürde abzuschieben.

Denn im Einzel-Wettbewerb mit dem Springen von der Großschanze hatten Rydzek, Fabian Rießle und Normalschanzen-Olympiasieger Eric Frenzel mit Gold, Silber und Bronze ein perfektes Rennen gezeigt. Es war quasi eine «Nordische Demonstration», die die Konkurrenz ratlos zurückließ. «Man strebt immer nach Verbesserungen. Aber wenn man das so hinbekommt, kann man schon davon sprechen, dass es fast perfekt war», sagte Rydzek und Bundestrainer Hermann Weinbuch ergänzte: «Wir haben uns als Team aus dem kleinen Tief herausgearbeitet. Es war mir wichtig, dass das Team belohnt wird. Man ist überglücklich, dass alles so wahnsinnig funktioniert hat. Wir sind anscheinend ein Team der Superlative.»

Gegen ein derart mannschaftsdienliches Auftreten der drei so unterschiedlichen Charaktere gab es kein Gegenmittel. «Wir sind eine Individualsportart, aber wir kämpfen auch für unser Land und unseren Verband. Da arbeitet man bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zusammen», sagte Rydzek, der nach seinen sechs WM-Titeln nun erstmals auch olympisches Gold feiern durfte. Rießle ergänzte: «Wir sind eine Truppe, auch außerhalb des Wettkampfes. Wir treffen uns auch schon mal im Sommer und da wir alle so einen Kaffee-Tick haben, probieren wir da beispielsweise immer mal eine andere Sorte.»

Am Donnerstag ist wieder das Team gefragt, ein Selbstläufer werde das Rennen nicht sagt Weinbuch und präzisiert: «Du musst sauber springen, dabei Glück mit dem Wind haben. Nicht einer, sondern alle vier. Du darfst dich auch nicht bei der Präparation der Langlaufski vergreifen. Alle Rädchen müssen ineinandergreifen.»

Es ist der letzte Titel, der dem Trainer in seiner unfassbar erfolgreichen Karriere noch fehlt. In der seit 1988 im olympischen Programm stehenden Entscheidung gab es eben nur bei der Premiere einen bundesdeutschen Sieg. Seitdem versuchten sich alle deutschen Spitzen-Kombinierer vergeblich daran. «Wir haben jetzt schon eine breite Brust», kündigte Weinbuch vor der nächsten Gold-Chance an.

Der Teamwettkampf war in diesem Jahr vor allem als großer Zweikampf mit den Norwegern erwartet worden. Doch die Skandinavier um Jan Schmid und Sotschi-Olympiasieger Jörgen Graabak schwächeln nach einer starken Saison ausgerechnet beim Saisonhöhepunkt in Pyeongchang. «Der Teamwettkampf hat seine eigenen Gesetze. Norwegen hat uns jedes Mal geschlagen, von daher haben wir noch eine Rechnung offen», sagte Weinbuch über die laufende Saison. Die anderen Nationen wie Japan um Akito Watabe, Frankreich und Österreich werden gegen die Topfavoriten eigentlich nur als Außenseiter gehandelt.

Der Teamgeist von Oberstdorf, wo zwischen dem Seefeld-Triple und Olympia der Grundstein für die goldenen Spiele gelegt wurde, soll nun auch Basis für einen finalen Triumph im Teamwettkampf sein. «Wir können locker und frei in den Wettkampf reingehen und nochmal unsere beste Leistung abrufen», sagte Frenzel. In Pyeongchang scheinen die DSV-Athleten nun vor allem in der Loipe kaum schlagbar.

Auf mögliches olympisches Gold verzichten muss wohl Kircheisen. Nach vier Teammedaillen zwischen Salt Lake City 2002 und Sotschi 2014 wird er diesmal gar nicht zum Teamaufgebot gehören. Der Sachse bleibt Ersatzmann, da der junge Geiger mit seinem siebten Platz im Einzel eine exzellente Bewerbung für die Staffel ablieferte.

Fotocredits: Daniel Karmann
(dpa)

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