Möbel aus Autoteilen – Schlafen im alten Blech

Köln – Taugt das Auto nicht mehr für die Straße, kommt es zum Schrotthändler oder Verwerter. Oder der Besitzer bastelt sich daraus neue Möbel für seine Wohnung.

Ikonische Fahrzeuge in den eigenen vier Wänden

Für Paolo Tumminelli, Designprofessor an der TH-Köln, gibt es unterschiedliche Gründe, sich Möbelstücke aus alten Autoteilen in die Wohnung zu stellen. «Es geht um Stil und um Geschmack, ob ein umgebautes Auto optisch ins Zimmer passt. Aber auch um Kultur. Dass Teile von einem ausrangierten Fahrzeug zu einer neuen Funktion transzendieren, zeigt, dass das Auto einigen Menschen viel bedeutet», sagt er.

Für Tumminelli ist wichtig, dass alte Autos nicht extra zu diesem Zweck verschrottet werden, und auch nachgebaute Skulpturen hält er für unglaubwürdig. Für schicke Umbauarbeiten werden meist ikonische Fahrzeuge verwendet. Das sind oft amerikanische Straßenkreuzer mit ausladenden Heckflossen, aber auch kleine Autos wie der Fiat 500, Mini oder VW Käfer. Vor allem Modelle der Fünfziger- und Sechzigerjahre sind beliebt. Wer nicht selbst schrauben, schweißen oder polstern kann und möchte, findet einige professionelle Hersteller von Automöbeln.

«Style Classics» von Michael Görmann

Michael Görmann stellt seit 2013 Möbel aus Autoteilen her. «Nach einer Restauration hatte ich zwei Kotflügel und eine Motorhaube einer Citroën DS übrig. Verkaufen wollte ich die nicht, deshalb baute ich mir ein Sofa daraus», sagt er. 2017 gründete Görmann die Marke «Style Classics» und baut die Einzelstücke nun auch für Kunden. «Am liebsten verbaue ich Fahrzeugteile mit einer schönen und faszinierenden Form, ganz gleich, was für ein Bauteil», sagt er. Das sind meist Karosserieteile von Ente, Mini und DS, aber auch die Motorhaube eines Goggomobils sowie Motorteile von Mercedes Strichacht-Modellen.

Aus Kurbelwellen werden Lampenfüße und aus Sportluftfiltern Uhrengehäuse für Tischuhren. Ganze Flügel eignen sich als Konferenztische. «Kunden lieben das Besondere und wollen bekannte Dinge in einem neuen Licht sehen, gerne als Blickfang in der Wohnung, im Büro oder der Praxis», sagt Görmann. Seine Werke vermietet er auch für Messen und Events. Am häufigsten fragen Kunden nach Lampen, Lichtobjekten und Tischen, alles Unikate, je nach Art des Bauteils hochglanzpoliert oder in Wunschfarbe pulverbeschichtet. Interessenten sollten bedenken, dass manche Bauteile nicht durch eine Standardtür passen.

Möbel und Accessoires von Martin Schlund

Martin Schlund aus Endingen am Kaiserstuhl in der Nähe von Freiburg entwirft und baut seit zwölf Jahren Möbel und Accessoires aus Autoteilen, darunter Flaschenöffner, Beistelltische, Sideboards, Betten, Schreibtische und Theken. Er greift vor allem auf Blechteile zurück, montiert die Teile und lässt sie mit umweltverträglichen Wasserlacken lackieren. Seine Kunden kaufen die Möbel, weil sie eine starke Affinität zu Autos haben und etwas Besonderes suchen. «Oft verbinden sie mit dem Auto auch etwas ganz Spezielles, wie den ersten Urlaub oder ersten Kuss», sagt Schlund.

Automöbel sind in der Regel teurer als normale Möbelstücke. Ein Trabi-Heck-Sideboard kostet rund 2000 Euro, ein Bett aus einem altem Mercedes rund 6000 Euro. Eins kann man sich mit Automöbeln aber sparen: Sie müssen nie mehr zur Hauptuntersuchung.

Fotocredits: automöbeldesign-martin schlund,automöbeldesign-martin schlund,Michael Görmann,Michael Görmann,M. Müller,automöbeldesign-martin schlund
(dpa/tmn)

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