Schwimm-Trainer kritisieren ausbleibende Verbandsreformen

Rio de Janeiro – Angesichts der erneuten Olympia-Nullnummer der deutschen Beckenschwimmer unterstützen Trainerkollegen die Forderung von Chefbundestrainer Henning Lambertz nach Strukturveränderungen.

Freiwasser-Bundestrainer Stefan Lurz kritisiert ausbleibende Reformen im Deutschen Schwimm-Verband. «Die Probleme sind eins zu eins dieselben. Wir sind auf dem Stand wie 2012», sagte Lurz der Deutschen Presse-Agentur. Als Beispiel nannte der Würzburger die nach dem Olympia-Debakel 2012 eingesetzte Strukturkommission, deren Empfehlungen nicht beachtet worden seien. «Es wurde nichts davon umgesetzt.»

So müsse er sich selbst Gedanken machen, wie es nach seinem zum Jahresende auslaufenden Vertrag weitergehe. «Bis jetzt hat keiner mit mir gesprochen. Diese Unsicherheiten übertragen sich natürlich auch auf die Athleten», sagte Stefan Lurz. Bis zu den Neuwahlen des Präsidiums im Deutschen Schwimm-Verband im November wird keine Etat-Entscheidung getroffen. Präsidentin Christa Thiel hält sich über eine erneute Kandidatur nach 16 Jahren Amtszeit bedeckt. Erstmals hat sie zwei Gegenkandidaten.

Für Lurz ist Chefbundestrainer Henning Lambertz «im Prinzip der richtige Mann», um die bei den Spielen weiter medaillenlosen Beckenschwimmer bis 2020 wieder näher an die Weltklasse zu bringen. Allerdings könne Lambertz in seiner Position nur «wenig entscheiden und Einfluss nehmen. Selbst die Terminierung der deutschen Meisterschaften liegt nicht in seiner Hand.»

In der «Mainpost» hatte Lurz die unmittelbare Olympia-Vorbereitung hinterfragt. «Wieso orientiert sich der DSV an den Finalzeiten in Rio? Unser Höhepunkt sind die Vorläufe, das muss den Verantwortlichen einmal klar werden.» Das sei aber nur auf seine Schwimmerin Leonie Beck bezogen gewesen, präzisierte er im Gespräch mit der dpa. Sie blieb im Vorlauf über 800 Meter Freistil gesundheitlich angeschlagen weit hinter den Erwartungen.

«Jetzt muss sich etwas ändern», forderte Lurz mit Blick auf die Verbandsstrukturen. «Seit 16 Jahren geht es mit dem deutschen Schwimmsport kontinuierlich bergab.» Er hatte für Rio keine der insgesamt nur fünf Trainer-Akkreditierungen für die Beckenschwimmer bekommen, wie auch sein Kollege Michael Spikermann.

Der Trainer des Olympia-Sechsten Philip Heintz sagte im ZDF-Interview es gebe «ganz sicher strukturelle Probleme und aus meiner Sicht einen großen Reformbedarf.» Dem Deutschen Schwimm-Verband drohen nach Olympia 2012 auch in Rio de Janeiro Spiele ohne Becken-Medaille.

Fotocredits: Daniel Naupold
(dpa)

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