«Auf Kurs»: Gladbacher Chance auf Herbstmeisterschaft bleibt

Mönchengladbach (dpa) – In einer nach eigener Aussage «schwierigen Lage» wurde sich Marco Rose fast ein wenig untreu. Es war ein Hauch der «alten» Borussia aus Mönchengladbach, die die Chance auf die erste Herbstmeisterschaft seit 43 Jahren erhielt.

«Ich glaube, dass wir in der Liga auf Kurs sind», jubelte der Trainer nach seiner Systemumstellung und dem erlösenden 2:0 (1:0) gegen den unbequemen Aufsteiger SC Paderborn. Vor dem Hinrunden-Finale am Samstag bei Jürgen Klinsmanns Hertha BSC (18.30 Uhr/Sky) ist die drittbeste Club-Hinserie mit 34 Punkten aus 16 Spielen schon jetzt perfekt.

«Da werfen wir noch einmal alles rein. Und dann schauen wir mal, was da am Ende bei rauskommt», sagte Kapitän Lars Stindl, Torschütze zum Endstand per Foulelfmeter (67. Minute), zum möglichen Prestigetitel Herbstmeisterschaft. Um den zu erreichen, müssen die Borussen, die die Fußball-Bundesliga überraschend mehr als zwei Monate angeführt hatten, am Samstag mindestens einen Punkt mehr als RB Leipzig holen. Denn der punktgleiche Tabellenführer hat vor dem Spiel gegen den FC Augsburg das deutlich bessere Torverhältnis.

Viel mehr als um die Chance auf die Herbstmeisterschaft ging es Rose um eine Stabilisierung gegen Paderborn. Nach dem bitteren und unnötigen Vorrunden-Aus in der Europa League am vergangenen Donnerstag gegen Basaksehir Istanbul (1:2) hatte sein Team mit demselben Ergebnis in der Liga beim VfL Wolfsburg und damit auch die Tabellenführung verloren. Also gerade einmal zwei Spiele und die jeweils in letzter Sekunde. Dennoch sprach Rose von einer «schwierigen Lage» seiner Mannschaft und wollte unbedingt gegensteuern.

Das tat er überraschend ohne einen der Neuzugänge, die im Sommer bewusst schon im Hinblick auf den Paradigmen-Wechsel zu mehr Wucht und schnellem Umschaltspiel unter Rose geholt worden waren. Lediglich auf den verletzten Rechtsverteidiger Stefan Lainer musste Rose unfreiwillig verzichten. Auch die Dreierkette in der Abwehr und nur zwei Stürmer waren eher Rose-untypisch. Nach den vor allem für die Köpfe der Spieler problematischen Niederlagen war Sicherheit oberstes Gebot.

«Das war wichtig. Wir mussten das erstmal verarbeiten», sagte Stindl. Dies soll nun gelungen sein. «Die Themen sind durch. Das ist abgehakt. Jetzt gilt volle Konzentration auf die Bundesliga», sagte Lainer-Ersatz Tony Jantschke. Es klang fast ein wenig nach einer Kampfansage für das neue Jahr. Als einziges Spitzenteam ist Gladbach in der Rückserie ohne Mehrfachbelastung. Dies soll einen Rückrunden-Einbruch wie in der Vorsaison oder 2013/2014 verhindern.

Damals sammelten die Borussen unter Lucien Favre und dann unter Dieter Hecking 33 Punkte bis Weihnachten, aber jeweils nur noch 22 im neuen Jahr. Am Ende stand jeweils «nur» die Qualifikation für die Europa League. Die erfolgreichste Hinserie seit Einführung der Drei-Punkte-Regel 1995/1996 ist den Gladbachern schon jetzt nicht mehr zu nehmen. Mit einem weiteren Sieg könnte Borussia gar noch auf 37 Punkte kommen und damit unabhängig von der Herbstmeisterschaft in den Bereich der einzigen beiden Hinserien der Club-Historie, die bislang besser als die aktuelle waren. Umgerechnet auf die Drei-Punkte-Regel kam Gladbach 1969/1970 und 1976/1977 auf jeweils 39 Zähler, wurde damit Herbstmeister – und am Ende auch Meister.

Fotocredits: Marius Becker

(dpa)
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Artikel bewerten)
Loading...