Dino HSV und die Erwartungen: Dämpfer zum Auftakt

Hamburg – Die Euphorie dauerte fünf Tage. Breitgemacht hatten sich die erstaunlich großen Erwartungen im Umfeld des Hamburger SV nach dem Pokalsieg beim Drittliga-Aufsteiger FSV Zwickau.

Der Bundesliga-Start fünf Tage später mit dem 1:1 gegen den FC Ingolstadt dämpfte den Übermut an Alster und Elbe wieder. «Es ist Wahnsinn in Hamburg. Da gewinnst du ein Pokalspiel, und es herrscht Rieseneuphorie», meinte HSV-Torhüter René Adler verwundert und riet: «Es ist besser für alle, ruhig zu bleiben.»

Seit sechs Jahren gieren die Hamburger nach einem Sieg zum Saisonstart. Dafür war der Gegner eigentlich maßgeschneidert. «Wir hatten heute nicht so einen Top-Tag», räumte HSV-Trainer Bruno Labbadia nach der ordentlichen ersten und der dürftigen zweiten Halbzeit gegen die Ingolstädter ein. Aufgefrischtes Team, aber gleiches Ergebnis wie im Vorjahr. Bis sich die Investitionen von gut 25 Millionen Euro auszahlen, braucht es eben ihre Zeit.

Labbadia wird nicht müde, Geduld beim Umbau anzumahnen. Das Umfeld pfeift darauf. Rekordnationalspieler Lothar Matthäus redet dem HSV Europacup-Chancen ein, TV-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein traut den Hamburgern das Zeug zum Überraschungsteam zu. Und der vom FC Barcelona geholte 20-jährige Alen Halilovic muss auf gemeinsamen Kabinenfotos mit Idol Messi als Beweis für Fußball-Hochkultur an der Elbe herhalten. Eigentlich, so soll man wohl meinen, kann in Hamburg nach zweimaliger Relegation und einem zehnten Platz in den jüngsten drei Jahren nun nichts mehr schiefgehen.

Dass es tatsächlich zielgerichteter, schneller, ansehnlicher und torgefährlicher als in den Vorjahren beim Bundesliga-Dino zugehen kann, deuteten zwei Neuverpflichtungen an. Filip Kostic, für 14 Millionen Euro dem VfB Stuttgart abspenstig gemacht, und Bobby Wood vom Zweitligisten Union Berlin sorgten für Bewegung in Hamburger Angriff. Der schnelle Kostic machte ordentlich Betrieb auf dem linken Flügel, haute ein ums andere Mal die Bälle von der Seitenauslinie in den Strafraum rein. Nicht immer waren Mitspieler die Abnehmer.

Wood hat als Referenzen 17 Tore in 31 Zweitliga-Spielen mitgebracht. Und selbst bei seinem Bundesliga-Debüt ließ es der Mittelstürmer krachen. Wie er den Ball nach weitem Abschlag von Torhüter René Adler mitnahm, ihn im Zweikampf gegen Kapitän Marvin Matip abschirmte und unter Bedrängnis ins kurze Eck hämmerte, war einfach klasse. Für den 23-jährigen Amerikaner kein Grund für viel Aufhebens: «Der Ball ist gut durchgegangen, und ich habe einfach draufgehauen.»

Und Halilovic? Der muss noch warten. Derzeit ist er nur Ersatzmann für Rechtsaußen Nicolai Müller. Schwächelt der beste Torschütze der vergangenen HSV-Saison, darf Messi-Kollege Halilovic rein. So hatte der technisch beschlagene Mittelfeldspieler in der Pokalpartie in Zwickau das entscheidende Tor erzielt. In den sozialen Kanälen mit den Hashtags wurde schon mächtig Stimmung gemacht für das 1,70 Meter große Talent. Halilovic auf die 10, heißt da die Forderung.

Doch Labbadia lehnt ab, den Zauberfuß ins zentrale Mittelfeld zu stellen. Er sieht den Kroaten rechts. Dort, so der Trainer, habe der 20-Jährige in der vergangenen Saison als Leih-Profi bei Sporting Gijon auch gespielt. «Ich weiß nicht, wie man darauf kommt, dass er nur in der Mitte spielen kann», sagte Labbadia verwundert.

Halilovic, in seinem Heimatverein Dinamo Zagreb mit 16 Jahren jüngster Torschütze in Kroatiens Liga, wird von Labbadia als Mann mit «herausragenden Qualitäten» geschätzt. Verheizen will er ihn aber nicht. «Wir haben ihm gesagt, dass die Bundesliga anders tickt.»

Fotocredits: Daniel Bockwoldt
(dpa)

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