Halstenberg lässt Leipzig jubeln – Wortgefechte nach Abpfiff

Augsburg (dpa)– Marcel Halstenberg hat RB Leipzig in einem Pokalkrimi erstmals ins Halbfinale geschossen.

Der Fußball-Nationalspieler erzielte beim 2:1 (1:1, 0:0) nach Verlängerung beim FC Augsburg in der letzten Minute per Handelfmeter das entscheidende Tor und lässt die Sachsen weiter vom ersten großen Titelcoup ihrer jungen Club-Geschichte träumen. Nach der Partie kochten die Emotionen hoch. Auf dem Rasen lieferten sich Spieler und Offizielle heftige Wortgefechte. Handgreiflichkeiten konnten gerade so verhindert werden.

«Anstatt er sich mit seiner Mannschaft freut, kommt er in unsere Coaching-Zone. Was der sich rausnimmt, ist unterste Schublade», wetterte Stefan Reuter gegen Oliver Mintzlaff.

Der RB-Geschäftsführer wollte die Ereignisse nicht zu hoch hängen. «Das war ein sehr emotionales Spiel, auch ein zerfahrenes Spiel. Es war ein Kampf. Am Ende gingen die Gemüter hoch. Die Mannschaft hat gekämpft. Wir haben uns den Sieg verdient», sagte Mintzlaff in der ARD. «Wir haben eine geilen Pokalfight gesehen, wo wir leider zum Schluss noch ein Tor kassiert haben», meinte FCA-Kapitän Daniel Baier.

Vor 25.263 Zuschauern war RB durch Timo Werner (74. Minute) in Führung gegangen. Für den Fußball-Nationalspieler war es erst das zweite Tor in diesem Jahr. Es fehlten nur Sekunden zum Sieg, doch Alfred Finnbogason (90.+4) sorgte durch seinen Ausgleich noch für die Verlängerung. In der Extrazeit war es dann Halstenberg, der nach Handspiel von Michael Gregoritsch den RB-Siegtreffer erzielte.

In einer starken Bundesliga-Saison, in der die Sachsen als Tabellendritter auf Champions-League-Kurs sind, geht die Erfolgsserie auch im Cup-Wettbewerb weiter. Wer die letzte Hürde auf dem Weg in das Finale am 25. Mai in Berlin sein wird, erfahren die Leipziger bei der Auslosung am Sonntag.

Die RB-Torfabrik tat sich gegen gut sortierte Augsburger allerdings viel schwerer als beim 5:0-Schützenfest gegen Hertha BSC am Wochenende. Die Gastgeber setzten nach der 0:3-Enttäuschung im Abstiegskampf beim 1. FC Nürnberg diesmal auf eine sehr defensive Ausrichtung und hatten dennoch die erste gute Chance. Nach einer Hereingabe von André Hahn verzog Philipp Max (6.). Leipzig agierte dominanter und war doch auf die Torwartkünste von Peter Gulacsi angewiesen, der gegen Marco Richter (24.) zur Stelle war.

Leipzig fehlte bei dem von Trainer Ralf Rangnick ausgerufenem «Pokal-Fight» in den eigenen Offensivaktionen oft die Präzision. Die beste Möglichkeit der Anfangsphase hatte Bruma (14.) nach Vorlage von Werner. Dabei deuteten die Leipziger immerhin an, wie gefährlich sie mit viel Tempo sein können. Einen ersten viel versprechenden Konter musste Werner (40.) abbrechen, als ihn die Augsburger Defensive noch rechtzeitig stellen konnte.

Spätestens mit dem Halbzeitpfiff war klar: Wie bei den beiden Nullnummern in der Bundesliga war die Partie eine große Geduldsfrage. In den drei Pokalrunden zuvor hatte Augsburg immer in der zweiten Halbzeit den Grundstein zum Sieg gelegt. Doch gegen die gefährliche RB-Offensive war zunächst weiter Abwarten angesagt. Erst nach knapp einer Stunde ging es wieder gefährlich Richtung RB-Tor. Hahn (58.) hätte bei einem Vorstoß im Strafraum präziser flanken müssen.

Immerhin hielten die Augsburger mit hoher Konzentration Leipzig erstmal erfolgreich weit vom eigenen Strafraum entfernt. Wie von Trainer Manuel Baum gefordert wurde RB der «Spaß am Spiel» genommen. Doch Werner entschied die zähe Partie mit einer Energieleistung. Im Sprint entwischte er Kevin Danso und vollendete gegen FCA-Torwart Gregor Kobel. Als für Augsburg alles verloren schien, spitzelte Finnbogason den Ball zum Ausgleich ins Tor. In der Verlängerung war dann Halstenberg ganz cool und entscheidend vom Elfmeterpunkt.

Fotocredits: Sven Hoppe

(dpa)
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