Judokas hoffen auf Gold-Kandidaten Frey und Malzahn

Rio de Janeiro – Die großen Erwartungen nimmt Karl-Richard Frey gelassen hin. «Warum soll ich Angst haben, warum soll ich nervös sein? Das ist ein Turnier und ich habe schon oft Turniere gekämpft», sagt der deutsche Judoka vor seinem Auftritt bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro.

«Ich versuche, das wie jeden anderen Wettbewerb anzugehen. Das ist hier nichts anderes», sagt der Vize-Weltmeister. Nach dem bislang schwachen Auftritt der deutschen Judokas in Rio lasten viele Hoffnungen auf Frey und Luise Malzahn.

Beide gelten als Medaillenkandidaten, beide sollen die Bilanz des Deutschen Judo-Bundes (DJB) aufbessern. «Er ist Vize-Weltmeister und ist ein Knaller, wenn er seinen Tag hat. Dann kann er auch den ganz großen Sieg landen», urteilte Ole Bischof, der 2008 in Peking bislang letzter deutscher Judo-Olympiasieger wurde. Frauen-Bundestrainer Miachel Bazinsky lobte Malzahn als «absolute Weltklasseathletin».

Eine gute Leistung der beiden größten Medaillenkandidaten sehnt im deutschen Judo-Team jeder herbei. Nach den ersten Wettkampf-Tagen fällt die Bilanz ernüchternd aus: Keiner der Judokas kam über das Achtelfinale hinaus. «Wir müssen überlegen, was haben wir falsch gemacht», sagte Verbandspräsident Peter Frese. «Wenn man nicht kämpft, dann ist es nicht in Ordnung», sagte er zu den bisherigen Auftritten. «Es gibt hier keinen Friedensnobelpreis zu gewinnen.»

Ex-Olympiasieger Bischof beurteilte das Abschneiden in Rio als «schwach». Er wollte die Schuld allerdings nicht nur bei den Athleten sehen. «In Rio sind die besten Deutschen, die wir aufbieten konnten», sagte er. «Man muss nun einfach selbstkritisch hinterfragen, warum haben wir nicht noch mehr Judoka in noch höherer Qualität.»

Frese sorgt sich vor allem, dass die Erwartungen auf die verbliebenen Athleten durch die Misserfolge der ersten Tage steigen. «Das Schlimme ist jetzt, wir bauen den Druck für die anderen Athleten weiter auf. Wir können nicht alles auf Richard und Luise abladen», mahnte er. «Du kämpfst leichter, wenn du eine Medaille im Rücken hast.» Auch Bischof warnte mit Blick auf Frey: «Es ist eine hohe Bürde für einen Sportler, wenn an ihm das gesamte Wohl und Wehe eines Teams hängt.»

Frey hatte bereits vor den Spielen einen Olympiasieg selbstbewusst als sein Ziel ausgegeben. «Ich bin auch schon vorher als Favorit in Wettkämpfe gegangen, daher kenne ich dieses Gefühl. Für mich ist das eine Bestätigung dessen, was ich kann, und daher ein gutes Gefühl», sagte der Sportsoldat, der in der Klasse bis 100 Kilogramm kämpft.

Luise Malzahn werden auch gute Medaillen-Chancen eingeräumt. «Es ist schwierig, jetzt darüber zu spekulieren, aber ich hatte eine sehr erfolgreiche Qualifikation und würde es gerne mit einer Medaille krönen», sagt die 26-Jährige, die in der Klasse bis 78 Kilogramm antritt. 2015 war Malzahn WM-Dritte und EM-Zweite. Bazinsky lobte: «Luise hat sicherlich die Möglichkeit, weit nach vorne zu kommen.»

Fotocredits: Maxim Shipenkov
(dpa)

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