Neuland für Philipp und Dahoud beim BVB

Bad Ragaz – Gleich bei ihrem ersten Auftritt an neuer Wirkungsstätte waren die beiden U21-Europameister mächtig gefordert. Die Gesangseinlage vor der Mannschaft, die keinem Dortmunder Neuzugang erspart bleibt, fiel Maximilian Philipp und Mahmoud Dahoud schwer.

Anders als bei ihren Mitstreitern hielt sich bei ihnen der Spaß über die abendlichen Darbietung im Trainingslager von Bad Ragaz in Grenzen. «Singen ist nicht so meins. Das könnte besser sein. Aber ich habe es geschafft, das ist die Hauptsache», kommentierte Philipp mit Verweis auf das berüchtigte Aufnahmeritual, bei dem er eine Version von Andreas Gabaliers Song «Hulapalu» zum Besten gab.

Auf dem Rasen des idyllischen Stadions im Schweizer Kurort taten sich die beiden «Gesangskünstler» am nächsten Morgen wesentlich leichter als auf der Bühne ihres edlen Fünf-Sterne-Quartiers. Denn ihre Qualitäten als Fußballprofis mit großem Potenzial haben sie schon mehrfach eindrucksvoll nachgewiesen. Das hob den Marktwert in beträchtliche Höhe. Satte 32 Millionen Euro investierte der BVB für die beiden Hoffnungsträger, die wegen ihres EM-Einsatzes erst in der vergangenen Woche das Training aufnahmen und den namhaften Kader des Pokalsiegers veredeln sollen.

Immerhin 20 Millionen Euro überwies der BVB für Philipp an den Ligarivalen SC Freiburg – rund drei Millionen mehr als für Marco Reus bei dessen Wechsel 2012 von Borussia Mönchengladbach. Im Erfolgsfall werden gar weitere Boni fällig. Auf Nachfragen nach der damit gestiegenen Erwartungshaltung reagierte der 23-Jährige mit einem Schulterzucken: «Da mache ich mir keinen Druck, dafür kann ich nichts. Ich bin hier zum Fußballspielen.»

Der Kreuzbandriss von Reus beim Pokalsieg Ende Mai über Eintracht Frankfurt in Berlin ebnete ihm den Weg zum BVB. Der Ausfall des Superstars für die komplette Hinrunde veranlasste die Vereinsführung, den Markt nach Alternativen zu sichten. Schnell rückte dabei der auch von RB Leipzig umworbene Philipp in den Fokus. Sein unverkennbarer Aufwärtstrend in der vergangenen Spielzeit mit neun Toren gab den Ausschlag. Den Unterschied zu seinem bisherigen Club empfindet er als gewaltig: «Das hier ist ein ganz anderes Kaliber als in Freiburg.»

Im Gegensatz zu Philipp kam Dahoud bereits zu seinem ersten Kurzeinsatz im BVB-Trikot. Beim unnötigen 0:1 im Test gegen Espanyol Barcelona am Freitag in Winterthur wurde der 12 Millionen Euro teure Transfer von Borussia Mönchengladbach in der Halbzeit für den bis dahin starken Mario Götze im zentralen Mittelfeld eingewechselt. Angesichts der großem Konkurrenz wird es für ihn ähnlich schwer wie für Philipp, einen Stammplatz zu ergattern. Doch BVB-Sportdirektor Michael Zorc hält große Stücke auf den 21 Jahre alten medienscheuen Deutsch-Syrer: «Er ist ein riesengroßes Talent und hat bereits nachgewiesen, dass er auf Top-Niveau spielen kann.»

Der Triumph mit der deutschen U-21-Auswahl bei der EM in Polen gibt beiden Profis Rückenwind und könnte helfen, beim BVB schneller Fuß zu fassen. Ähnlich sieht es Philipp: «Das ist ein riesiger Schub. Dieser Titel ist einzigartig, den hat nicht jeder.»

Fotocredits: Guido Kirchner
(dpa)

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