VfL Wolfsburg am Tiefpunkt – Gomez: Extrarunde verdient

Hamburg – Wie gemaßregelte Schüler standen die Wolfsburger Fußball-Profis in einer abgesperrten Zone des Hamburger Volksparkstadions und ließen die Köpfe hängen.

«Schämt euch!», schien die Order nach dem 1:2 beim Hamburger SV zu lauten, während Polizisten mit heruntergelassenen Visieren die VfL-Spieler von den auf den Platz stürmenden HSV-Fans abschirmten. «Wir haben es als Mannschaft nicht geschafft und jetzt das bekommen, was wir verdient haben – eine Extrarunde», befand Torjäger Mario Gomez geknickt.

Damit hat der VfL Wolfsburg den Tiefpunkt in seiner 20-jährigen Bundesliga-Geschichte erreicht. Platz 16 und Relegation – das gab’s noch nie bei den Wölfen. «Das ist ein Tiefschlag für die Spieler, aber auch für die Funktionäre. Wenn man in die Relegation muss, hat das seine Gründe», sagte Geschäftsführer Wolfgang Hotze. «Die Entwicklung der letzten 24 Monate war sicherlich nicht positiv.»

Während in der Kabine des HSV hemmungslos gegrölt wurde («Immer 1. Liga») herrschte im gegenüberliegenden Trakt der Gäste gespenstische Ruhe. «In der Kabine wurde mehr geschwiegen als gesprochen», verriet Hotze. Die Gedanken an die Relegation hätte die VfL-Führung am liebsten auf den Folgetag verschoben, doch sie musste sich bohrenden Fragen stellen. «Wie der Gegner heißt, spielt keine Rolle», meinte der Sportliche Leiter Olaf Rebbe.

Die Auswahl ist so groß nicht. Sehr wahrscheinlich wartet Eintracht Braunschweig am Donnerstag und darauffolgenden Montag auf die Wolfsburger. Die Crux an der Strafrunde: Braunschweig und Wolfsburg liegen lediglich 30 Kilometer auseinander, ansonsten sind sie aber Welten voneinander entfernt. Die Anhänger der von VW unterstützten Clubs sind sich nicht grün. Das heißt: Sicherheitsspiel. «Natürlich würden Relegationsspiele gegen Braunschweig emotional sehr aufgeladen sein», gab Hotze zu.

Beim HSV sind Rumpelfußball und Gratwanderung am Rande zur Zweitklassigkeit nahezu Leitkultur, beim VfL Wolfsburg aber schockiert der Niedergang aufgrund der Ausgangslage. Das Team von Trainer Andries Jonker gehört finanziell wie personell zu den potentesten in der Bundesliga.

Rund 97 Millionen Euro hat die Vereinsführung in die Verstärkung der Mannschaft mit Mario Gomez, Paul-Georges Ntep, Yunus Malli, Josuha Guilavogui, Riechedly Bazoer und Yannick Gerhardt investiert. Der Marktwert des Kaders wird auf 154 Millionen Euro taxiert. Spieltechnisch schlummert gewaltiges Potenzial im Team. «Wenn wir das verbinden mit Kampfgeist, sind wir einer der besten Bundesligisten», meinte Jonker. Ja, wenn. In Hamburg überließen die spieltechnisch besseren Wolfsburger Kampfgeist und Leidenschaft den Platzherren.

Der VfL scheint vor der Relegation den Fehler wiederholen zu wollen. «Wir sind die bessere Mannschaft», lautet die Ansage vor dem Duell mit dem Zweitliga-Dritten. Aber gefühlte Überlegenheit reicht nicht für den Klassenverbleib. In der Saison fehlte es häufig an Herzblut und Identifikation mit dem Verein. Nationalspieler Gomez sieht als größtes Manko «die brutalen Schwankungen von sehr, sehr gut bis miserabel».

Vor der Relegation rief Jonker zur Ruhe auf: «Ich habe keinen Grund, jetzt Panik und Hektik zu machen.» Bis Donnerstag will er die Köpfe seiner Mannen befreien von Angst und Zweifeln. Sportchef Rebbe ist sich sicher: «Wir werden in der Relegation erfolgreich sein.»

Fotocredits: Axel Heimken
(dpa)

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