Diane Arbus: Schönheit im Mondänen fotografieren

Die amerikanische Künstlerin Diane Arbus war und ist ein großer künstlerischer Einfluss in so gut wie allen Medien. Musiker, Schriftsteller und Regisseure ließen sich schon von den beeindruckenden Portraits der Fotografin inspirieren.

Obwohl sie während der Depression aufwuchs, hatte Diane Glück, inmitten einer wohl situierten Familie, die schon von früh an künstlerische Ambitionen im Blut trug.

Die künstlerische Verbundenheit fand sie auch mit ihrer Jugendliebe Allan Arbus, den sie bereits mit 18 Jahren heiratete. Zusammen interessierten sie sich für die gegenwärtige Fotografie und besuchten Galerien, um sich dort Werke von Alfred Stieglitz, Mathew Brady oder Bill Brandz anzusehen.

Diane und Allan Arbus

Allan, der für die US Army im zweiten Weltkrieg fotografiert hatte, eröffnete nach 1946 zusammen mit Diane ein kleines Fotogeschäft, eine zeitlang fungierte Allan als Fotograf und Diane als Art Director, vor allem mit Modefotografien verdienten sie so damals ihren Lebensunterhalt.

Knapp 10 Jahre verabschiedete sich Diane von der kommerziellen Fotografie und konzentrierte sich auf Auftragswerke. Dadurch bekam sie auch die Gelegenheit ihren eigenen Stil zu entwickeln und enge Beziehungen zu vielen ihrer Models aufzubauen, was letztendlich für ungemein intensive Portraits sorgte.

Vor allem ihre Fotos von „Freaks“, geistig behinderten Menschen und Transsexuellen, den Außenseitern der Gesellschaft, die kaum in den Medien gefunden wurden aber ein essentieller Teil Amerikas waren prägten das Vermächtnis von Diane Arbus.
Die Art und Weise war sicher auch von Fotografie Legende Weegee und Arbus engem Freund Richard Avedon inspiriert, aber Diane nahm für sich in Anspruch, Dinge zu fotografieren, die einen Blick auf etwas warfen, das man ohne ihre Fotos nicht gesehen hätte.
Die Außenseiter und vor allem die körperlich oder geistig beeinträchtigten Fotomodelle waren für sie Zeichen eines angeborenen Traumas, einer Stärke, die sie von allen anderen unterschied.

Diane selbst hatte auch mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen und verlor am 26. Juli 1971 als sie sich unter Zuwirkung von Schlafmitteln die Pulsadern aufschnitt.

Arbus‘ Fotografie: Das Schöne abseits der Perfektion

Interessanterweise gab es viele Kritiker, die Arbus‘ Fotografien zwar künstlerisch hochwertig, aber pessimistisch und gewollt hässlich fanden. Diane selbst sprach oft davon, in ihren Fotografien die Verbindung zwischen Intention (wie das Subjekt auf die Umwelt wirken wollte) und Effekt (wie das Subjekt tatsächlich auf die Umwelt wirkt) festhalten zu wollen.
Hässlich sind diese Bilder nur dann, wenn man allein Perfektion schön findet. Die Künstlerin Germaine Greer empfand, dass Diane das wohl hässlichste Foto von Greer heraus gesucht hatte, dabei ist es diese Nähe zu Greer im Portrait und die unforcierte Mimik, die das Bild schön machen.
Jedes Subjekt – abgesehen von Moderator Andrew Cooper, der als Baby fotografiert wurde – war in Kontrolle, Diane fotografierte nicht als Außenseiterin, sondern baute eine Verbindung mit ihnen auf, fragte sie, ob sie ihre Subjekte mit der Kamera festhalten könnte und gab ihnen somit Kontrolle, Stärke.
Genau darin liegt auch Schönheit, wenn man hinsieht, sich nicht vor dem „Anderen“ scheut.

Ihr wohl berühmtestes Portrait ist das der Zwillinge Cathleen und Colleen Wade, das auch Inspiration für Kubrick’s Stephen King Verfilmung „“The Shining“ war, aber auch „Child with Toy Grenade in Central Park“, das Gewalt und kindliche Unschuld zu vereinen scheint, ist sehr populär.

Für eine Übersicht ihrer Werke kann man noch bis September 2012 in Berlin eine Ausstellung besuchen, ansonsten ist der Bildband, der von ihren Kindern zusammen gestellt wurde, eine Empfehlung.

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