Nach der Rettung: Quo vadis, VfB Stuttgart?

Es war die 17. Niederlage der Saison, aber die erste, die sich am Ende wie ein Sieg anfühlte. 1:2 unterlag der VfB Stuttgart dem VfL Wolfsburg, aber weil der Abstiegskonkurrent aus Hamburg wieder einmal patzte, war der VfB endgültig gerettet, wird die Saison auf Platz 15 beenden.

Den Poltergeist, den ich rief – wie werd‘ ich ihn wieder los?

 Alle schienen mit dieser Entwicklung zufrieden zu sein, nur Trainer Huub Stevens, immerhin mit der stolzen Nichtabstiegsprämie von 1 Million Euro bedacht, polterte, dass sie gar nicht ginge, diese Niederlage. Vielleicht war er auch nur so grantig, weil ihm zu Ohren gekommen war, dass er nicht zwangsläufig auch in der kommenden Saison beim VfB Stuttgart auf der Trainerbank sitzen wird. Schließlich besitzt er keinen Vertrag für die kommende Saison, wurde erst einmal nur als Retter engagiert. Und er hat starke Konkurrenz: So gab es schon Gerüchte, dass Armin Veh, der in Frankfurt aufhört, an die Neckar zurückkehren könnte. In Stuttgart lieben viele Veh dafür, dass er das Team 2007 zur Deutschen Meisterschaft führte. Ob und von wem Stevens ersetzt wird, erfahren Sie zum Beispiel im Internet unter www.tvdigital.de/sport.

Tabellenregionen, von denen der VfB Stuttgart zurzeit denkbar weit entfernt ist. Und das trotz eines Teams, das neben jungen Talenten wie Alexandru Maxim und Moritz Leitner auch aus erfahrenen und torgefährlichen Spielern wie Martin Harnik und Vedad Ibisevic besteht.

Zu viel Harmonie im Verein?

 Warum also ist diese Mannschaft dem Abstieg nur haarscharf entronnen? Vielleicht ist die schwäbische Harmoniesucht Schuld daran: Trotz einer beispiellosen Niederlagenserie hielt man lang und länger an Trainer Thomas Schneider, dem Eigengewächs, fest, der den am Ende verhassten Bruno Labbadia ersetzt hatte. Und tatsächlich spielte seine Mannschaft einen ansehnlichen Fußball, verlor oft nur durch unfassbares Pech oder individuelle Fehler. Ein Schlüsselerlebnis war sicherlich das Spiel bei Eintracht Frankfurt am 23. Spieltag: Lange lag Stuttgart mit 1:0 vorn, hatte dann mehrfach die Chance mit dem 2:0 alles zu entscheiden, versagte vor dem Tor – und bekam prompt in der Schlussphase noch zwei Gegentreffer. Ein Spiel später war Schneider weg und Stevens gekommen – fast zu spät.

Fredi Bobic – so nett. Präsident Bernd Wahler – so nett. Passt Stevens etwa nicht in das Persönlichkeitsprofil des VfB Stuttgart? Weil er im (berechtigten) Ruf steht, ein Grantler zu sein? Oder weil man ihm, dem mittlerweile 60-Jährigen, nicht mehr zutraut, die Anforderungen des modernen Fußballs zu verstehen und umzusetzen?

Klar jedenfalls ist: Der VfB Stuttgart wäre gut beraten, sich einen Trainer mit viel Erfahrung zu sichern. Denn gerade wenn man wie die sparsamen Schwaben bei der Mannschaft stark aufs Geld schaut, sich nicht ins finanzielle Risiko traut, braucht man eine Führungsfigur, die für die jungen Talente nicht Kumpel ist, sondern Vorbild. Wenn man den richtigen Mann findet – Stevens oder Veh wären hier beide gute Kandidaten –, dann wäre dem VfB für die kommende Saison ein Platz im gesicherten Mittelfeld zuzutrauen. Und langfristig wieder die Qualifikation für die internationalen Plätze. Meister allerdings wird man hier so schnell nicht wieder. Ob mit oder ohne Veh.

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