Zittern bis zum Ende – Spitz und die quälende Ungewissheit

Rio de Janeiro – Die Vorbereitung auf ihr letztes olympisches Rennen hatte sich Sabine Spitz ganz anders vorgestellt. Angriffslustig wollte sie sein, mutig, der Konkurrenz das Fürchten lehren.

Doch stattdessen wurde das Energiebündel aus dem Schwarzwald am Knie operiert, geschient, geschont und nur ganz langsam wieder ans Mountainbike herangeführt. «Das ist für die mentale Vorbereitung alles andere als gut. Aber man muss es akzeptieren, wie es ist», sagte ihr Ehemann und Betreuer Ralf Schäuble der Deutschen-Presse Agentur.

«Es ist, als ob du an einer roten Ampel stehst und hoffst, dass es endlich weitergeht», kommentierte Spitz die tagelange quälende Ungewissheit, ob sie am Samstag zum fünften Mal an Sommerspielen teilnehmen kann oder nicht. Klar war für die 44 Jahre alte Weltranglistenzweite am Donnerstag: «Ich möchte unbedingt starten.»

Herrschte am Mittag noch Optimismus im Spitz-Lager, klang am Abend (Ortszeit) die Zuversicht etwas verhaltener. Die Laborwerte des entzündeten linken Knies gaben Anlass zur Sorge. Das Problem seien die Entzündungswerte in Bezug auf langfristige Folgen, berichtete Schäuble. Davon werde der Start der Peking-Olympiasiegerin in Rio wohl abhängen. Er betonte: «Ein Risiko, das die Gesundheit nachhaltig gefährdet, wäre es nicht wert. Das kann niemand verantworten.»

Erst am Tag vor dem Rennen im Cross-Country sollte sich also klären, ob Spitz im Spätherbst ihrer Radsport-Karriere nochmals mit der jüngeren Konkurrenz an den Start geht. Dann sollten am Freitag die Blutwerte besser sein, sagte Schäuble. «Der Morgen vor dem Rennen wäre zu spät.» Das doppelt Bittere: Spitz scheint der Kurs im Mountain Bike Centre von Deodoro zu liegen. «Sie ist auf Anhieb gut zurechtgekommen mit der Strecke, was erstaunlich ist, wenn man eine Woche nicht auf dem Mountainbike saß», sagte Schäuble.

Sollte Spitz das Knie einen Strich durch die Rechnung machen, ginge eine große Olympia-Karriere unwürdig zu Ende. Gold 2008 in Peking, Silber 2012 in London, Bronze 2004 in Athen – die 44-Jährige hat als einzige Mountainbikerin eine komplette olympische Medaillensammlung zuhause. Nur 2000 in Sydney war sie leer ausgegangen.

Ihr erklärtes Ziel für Rio: Edelmetall Nummer vier. Ende Juli, nachdem sie die Olympia-Bekleidung erhalten hatte, schrieb die Frohnatur aus Murg-Niederhof auf Facebook: «Die Vorfreude auf Rio steigt.» Leider wurde diese Spitz nach ihrem unglücklichen Sturz aufs Knie Anfang August in Kanada gehörig genommen.

Fotocredits: Michael Kappeler
(dpa)

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